Treadstone © Amazon
DWDL.de-Serienkritik

"Treadstone" bei Amazon: Kein faires "Bourne-Vermächtnis"

 

Drei Jahre nach dem letzten "Bourne"-Film folgt mit "Treadstone" eine Serie aus dem gleichen Universum. Auf Matt Damon und Jeremy Renner folgt ein Mann namens Jeremy Irvine. Kennenlernen muss man ihn hier jedoch nicht wirklich.

von Kevin Hennings
10.01.2020 - 16:16 Uhr

Waren Sie von der damaligen Entscheidung, die "Bourne"-Reihe 2016 mit einem erneuten Auftritt von Matt Damon als Superagent wieder aufleben zu lassen, auch alles andere als einverstanden? Vor allem, weil sich das Endprodukt schließlich als deutlich schwächster Teil herausgestellt hat? Nun, wenn dem so ist, sollten sie auch die USA-Network-Serie "Treadstone" meiden, die ab sofort bei Prime Video zum Abruf bereit steht. Diese spielt ebenfalls im "Bourne"-Universum und wirkt tatsächlich noch leerer als das letzte Franchise-Werk.

Wie bereits in den Matt Damon und Jeremy Renner-Filmen erklärt, gibt es ein Gehirnwäsche-die-dich-zum-Spion-macht-Programm, dem nun weitere Opfer in die Hände fallen. Demnach beginnt die Geschichte von "Treadstone" damit, dass einige dieser unwissenden Attentäter Jahre nach der angeblichen Beendigung ihrer Dienste erneut aktiviert werden. Das Blitzdings aus "Men in Black" hatte hier also ähnlichen Zweck erfüllt. Wie man es bereits von der Filmreihe kennt, wird der Zuschauer auch in "Treadstone" direkt in zahlreiche Actionsequenzen geschmissen, die aus zahlreichen Verfolgungsjagden und allerlei Tritt- und Schlagkombination bestehen. Deswegen darf auch direkt der wohl beste Punkt an der Serie genannt werden: Mit den äußerst ansehnlichen Choreografien haben die Stunt-Männer Seregi András und Co. ganze Arbeit geleistet.

Mit dem Mindestmaß an Erklärung wird Brian J. Smith als Doug McKenna vorgestellt. Er ist ein gewöhnlicher Ölbohrer, der mit dem plötzlichen Auftreten der bösen, russischen Jungs in sein ehemaliges CIA-Leben zurück gerissen wird, von dem er wieder stückchenweise erfährt. Immer wieder werden Protagonisten so eingeführt und der überraschende und doch verblüffend apathisch wirkende Gesichtseindruck der jeweiligen Person versetzt den Zuschauer in eine immer gleichgültigere Stimmung. "Treadstone" springt zwischen repetitiven Mustern hin- und her, wenn gerade nicht für Action gesorgt wird.

"Der Mensch, der ich vorher war...hätte er diese Männer töten können?" beginnt die viel zu künstlich wirkende Achterbahn der Gefühle immer und immer wieder. Während die ersten "Bourne"-Filme noch gekonnt mit dieser Ernsthaftigkeit zu spielen wussten, verliert sich die Idee hier vollkommen in Plattitüden. Unfreiwillig amüsant wird es, wenn gewisse Logiklöcher provisorisch mit dem Spachtel verschlossen werden. In etwa, wenn Agent DougMcKenna zielstrebig ins Arztzimmer läuft, um eine dringend benötigte Adrenalinspritze zu finden – und sie sich offen herumliegend auf dem ersten Tisch befindet, der ihm entgegenlächelt. Da hat der Bösewichts-Arzt wohl nicht soweit mitgedacht, dass das Gegenmittel zum verabreichten Gift lieber nicht in greifbarer Nähe liegen sollte.

Solch eine Szene spielt sich in knapp zwei Minuten ab, ehe zur nächsten Figur und ihrer Geschichte gehechtet wird. Damit erklärt sich auch das größte Problem von "Treadstone": Showrunner Tim Kring ("Heroes") bindet seine Charaktere nicht so ein, dass sie dem Zuschauer wichtig werden. Durch den abgehetzten Stil kommt es selten zu angemessenen Auflösungen wichtiger Situationen. In guten Drama-Serien wird das Publikum stets so mit einer Szene alleine gelassen, dass es zu natürlichen Schlussfolgerungen oder passenden Gedankenanstößen kommen kann. Hier hätte sich Kring mehr dem Anspruch zuwenden müssen, Dramaturgien mit Zielfindungen und steigenden Beats aufzubauen. "Treadstone" ist jedoch die manifestierte Angst eines Filmemachers, nicht die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer halten zu können.

Mit "Treadstone" kann schlicht deswegen hart ins Gericht gegangen werden, weil seit der ersten "Bourne"-Premiere allerhand Serien entstanden sind, die den Gedanken von Robert Ludlum, dem lyrischen Erfinder der "Bourne"-Reihe und vielen anderen Thrillern, deutlich intensiver ausgelebt haben. "Homeland", "Homecoming" oder "Killing Eve" beispielsweise, um nur mal ein paar zu nennen. Dort kommt die subversive Ader, Verschwörungen und Geheimorganisationen zu inszenieren, deutlich packender rüber. "Treadstone" hinkt solchen Beispilen lediglich langsam hinterher und kann gerade einmal mit simplen Actionmomenten glänzen. Doch wer darauf aus ist und die Mechaniken hinter den "Bourne"-Filmen noch etwas besser verstehen möchte, kann getrost einschalten und schnell merken, ob er Freude an der Idee hat.

Die erste Staffel von "Treadstone" kann ab sofort bei Amazon Prime Video gestreamt werden. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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