Kai Gniffke © SWR/Paul Gärtner
SWR-Intendant über Corona und die AfD

Kai Gniffke: "... und der Laden läuft trotzdem"

 

SWR-Intendant Kai Gniffke hat in einem Interview über die aktuelle Situation im Sender gesprochen und auch noch einmal detailliert erklärt, weshalb er mit vielen Vertretern der AfD spricht - und warum er die Hoffnung dabei nicht aufgeben will.

von Timo Niemeier
27.05.2020 - 16:45 Uhr

Seit ziemlich genau einem Jahr ist Kai Gniffke SWR-Intendant. Mit der Coronakrise hat er nun bereits die erste große Herausforderung vor der Brust - und nebenbei schwingt immer die Frage mit, ob die Politik die von der KEF empfohlene Anhebung des Rundfunkbeitrags vielleicht doch nicht durchwinkt. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Kontext" hat Gniffke nun gesagt, dass er trotz Corona ins Büro fahre. "Ein Intendant gehört ins Haus", so der SWR-Chef. Gleichzeitig räumt Gniffke ein, unter dem Fehlen von persönlichen Kontakten zu leiden. Er kann dem Ganzen aber auch etwas positives abgewinnen: "Wir haben gelernt, dass wir viel weniger zwischen Stuttgart, Mainz und Baden-Baden hin und her sausen müssen, und der Laden läuft trotzdem."


Das Ringen zwischen den drei SWR-Standorten um Kompetenzen ist schon fast legendär. Gniffke will das beenden. "Mir geht es auch nicht darum, in Ländern, Standorten und Direktionen zu denken. Viel wichtiger ist es, dass der ganze Laden nach vorne kommt", sagte Gniffke Anfang des Jahres im DWDL.de-Interview. Gegenüber "Kontext" spricht Gniffke auch über die Erwartungen, die an ihn gerichtet werden. Diese seien "riesengroß" - so groß, dass ein Einzelner sie kaum erfüllen könne. Gniffke: "Du kannst nicht sagen, jetzt rocke ich den Laden, und nach einem Jahr sieht alles anders aus. Das geht nicht bei einem Tanker."

"Kontext" spricht mit Gniffke auch viel über sein Verhältnis zur AfD. Zur Erinnerung: Der SWR-Intendant hat bereits der "Jungen Freiheit" ein Interview gegeben, saß auf einem Podium der AfD Dresden und führte eine Podiumsdiskussion mit Alexander Gauland. Er mache das vorsätzlich und bewusst, so Gniffke. "Die Menschen, die uns ablehnen, sind eine laute Minderheit." Darunter gebe es sicher eine Gruppe, mit denen man nicht mehr reden könne, der größere Anteil aber sei nicht verloren, so der SWR-Intendant. Und zu diesen Menschen dürfe man die Verbindung nicht abreißen lassen. "Sonst erleben wir dasselbe wie vor sechs Jahren mit der Pegida, als sich die Dinge so weit auseinanderentwickelt haben, dass kein Dialog mehr möglich war."

Einen Fehler räumt Gniffke gegenüber "Kontext" ein, als es um seinen Auftritt bei der AfD in Dresden ging. Damals sagte er, die 17,50 Euro Rundfunkbeitrag würde auch er nicht besonders gerne zahlen. Das sei nicht geschickt formuliert gewesen. "Heute würde ich sagen, dass unabhängiger Rundfunk der Gesellschaft soviel wert sein sollte. Aber seien wir doch ehrlich: Wäre uns der Gedanke, das Geld lieber in ein Feierabend-Bier zu investieren, so fremd?" Zurück in Hamburg habe ihn eine Diskussion mit der Abteilung Innenpolitik empfangen, die "fast schon härter war als die AfD-Veranstaltung". Das Argument, er würde damit den Rechten "die Tür zum Salon" aufmachen, lässt Gniffke nicht gelten. "Sie leben doch im Glauben, als Parias betrachtet und von den Öffentlich-Rechtlichen schlecht behandelt zu werden. Wenn da einer kommt und zivilisiert mit ihnen redet, bröckelt das Bild, die Entrechteten der Erde zu sein. Damit zerstöre ich ihr Opfernarrativ."

Und natürlich spricht SWR-Intendant Gniffke in dem "Kontext"-Interview auch über den Rundfunkbeitrag, der bekanntlich auf 18,36 Euro steigen soll - die Politik muss das aber noch abnicken. Zuletzt machten Meldungen die Runde, einige der 16 Landesparlamente könnten womöglich ihre Zustimmung verweigern. Gniffke sagt, der SWR würde auch ohne Erhöhung überleben und es gehe dem Unternehmen nicht so schlecht wie diversen Verlagshäusern. "Aber es würde sehr, sehr ernst. Schon jetzt ist klar, dass sehr viele Menschen – coronabedingt – beitragsbefreit werden müssen, dass wir Werbeausfälle in zweistelliger Millionenhöhe haben, dass wir Produzenten und Produzentinnen Ausfallhonorare zahlen müssen. Kommt die Beitragserhöhung nicht, müssen wir harte Maßnahmen ergreifen, Programme zusammenlegen oder ganz einstellen." Besonders kleine ARD-Anstalten würden außerdem große Probleme bekommen. Wenn diese zahlungsunfähig werden würden, greife die Staatshaftung, so Gniffke. "Das heißt, Steuergelder müssten in die Sender gepumpt werden. Das wäre das Ende der Unabhängigkeit, das Ende der Idee ARD und eines Grundpfeilers des öffentlich-rechtlichen Rundfunks." Auch darüber müssten sich die 16 Landtage im Klaren sein.

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