Christine Strobl © ARD Degeto / Laurence Chaperon
ARD-Degeto-Chefin

Strobl: "Hoffe, dass Programmlücken nicht so groß werden"

 

Degeto-Chefin Christine Strobl hat in einem Interview über die Coronakrise gesprochen und darüber, wie es nun mit den vielen Produktionen weitergeht. Einsparungen im Bereich der High-End-Serien hält sie für völlig falsch.

von Timo Niemeier
28.05.2020 - 16:40 Uhr

In einem Interview mit "Blickpunkt Film" hat ARD-Degeto-Chefin Christine Strobl bestätigt, dass man im Zuge der Coronakrise 30 Produktionen unterbrechen bzw. verschieben musste. Stand heute sei aber kein Projekt komplett abgesagt worden. Dabei soll es nach dem Willen von Strobl auch bleiben. Man habe bislang auch noch keine Produktionen ins nächste Jahr geschoben und wolle versuchen, alles noch in diesem Jahr zu realisieren. "Aber auch da muss man realistisch sein", sagt Strobl. "Nicht alles, was in den Herbst verschoben wird, kann im Herbst gedreht werden". Die Chefin der ARD Degeto geht von Überschneidungen aus, sodass Kreative nicht immer zur Verfügung stehen. 

Als "erste Priorität" bezeichnet es Strobl, unterbrochene Produktionen zu beenden. Dazu zählt unter anderem der "Zürich-Krimi" oder auch der Film "Meine Mutter ist verknallt". Die von der BG ETEM eingeführten Standards zur Fortführung von Dreharbeiten bezeichnet Strobl als "großen Schritt nach vorne". Allerdings würden die Regelungen auch große Einschränkungen bedeuten, die Geld und Zeit kosten würden. 

Strobl unterstreicht gegenüber "Blickpunkt Film" dann aber noch einmal den Anspruch, Produzenten in dieser Zeit helfen zu wollen. "Wir stehen als öffentlich-rechtlicher Sender zu unserer Verantwortung." Man habe ein großes Interesse daran, die Kreativ- und Produktionslandschaft in Deutschland zu erhalten. Die ARD hatte sich ja früh bereiterklärt, 50 Prozent der Mehrkosten, die durch Unterbrechungen entstehen, zu übernehmen. Strobl sagt aber auch ganz offen, dass diese Mehrkosten künftig in den Programmetats fehlen würden. 


Auch das Thema der Ausfallhaftung beschäftigt die Branche derzeit sehr. Was passiert, wenn eine Produktion wegen der Krise komplett abgesagt wird? Wer trägt hier die Kosten? "Wenn wir da keine Lösung finden, wird es viele Produzenten davon abhalten, im Herbst zu drehen", warnt Strobl. Ob es aber tatsächlich einen vom Staat abgesicherten Ausfallfonds geben wird, steht derzeit noch in den Sternen. 

Einen völlig falschen Ansatz sieht Strobl unterdessen in der Möglichkeit, bei High-End-Serien zu sparen. Das sei strategisch "völlig falsch", sagt die Chefin der ARD Degeto. Strobl: "Wenn wir mit den Streamern mithalten wollen, die international ohnehin mit ganz anderen Summen operieren, brauchen wir auch außergewöhnliche Produktionen mit großen Produktionsbudgets." Eine Reduktion in diesem Bereich sei auch im Hinblick auf die geplante Stärkung der Mediathek die falsche Entscheidung. 

Einsparungen werde es dagegen an anderer Stelle geben müssen, etwa bei der Reduzierung von Erstausstrahlungen und der Erhöhung von Wiederholungen. Einen konkreten Plan gibt es hier aber noch nicht. Strobl sagt in dem Interview, dass auf den Sendeplätzen am Donnerstag und Freitag im Ersten eine ohnehin längere Sommerpause eingeplant war. "Für den Rest des Jahres wollen wir schon neue Produktionen in dem Maße zeigen, wie wir es sonst auch tun. Stand heute wird es vereinzelte Lücken geben". Beziffern lassen sich diese aber offenbar noch nicht. Sie sei optimistisch, so Strobl, einen Großteil der geplanten Produktionen auch zu drehen. "Und dann hoffe ich, dass die Lücken im Programm nicht so groß werden, wie ich es zwischendurch schon einmal befürchtet hatte". 

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