Die Zuschauer des ITV-Frühstücksfernsehens dürften sich am Donnerstag verwundert die Augen gerieben gehaben. Das Interview, das um kurz nach 6 Uhr morgens live bei "Good Morning Britain" über den Sender ging, dürfte noch lange in Erinnerung bleiben. Moderatorin Susanna Reid sprach mit dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani, der inzwischen als Anwalt von US-Präsident Donald Trump regelmäßig mit fragwürdigen Aussagen von sich reden macht, als sich ihr Co-Moderator Piers Morgan in die Diskussion einmischte.

Auslöser des minutenlangen Streits war eine Debatte über einen Tweet, in dem Trump mit Blick auf die massiven Ausschreitungen in den USA behauptete: "Wenn die Plünderungen beginnen, beginnen die Schießereien." Viele hatten dies als Drohung gegen jene Menschen verstanden, die nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch einen Polizisten protestierten - erst recht, weil der damalige Polizeichef von Miami im Jahr 1967 mit exakt diesen Worten ein hartes Vorgehen gegen die schwarze Bevölkerung angekündigt hatte.

Giuliani griff Morgan daraufhin wegen dessen Absetzung seiner CNN-Talkshow vor sechs Jahren an. "Du warst derjenige, der hier aus dem Fernsehen geworfen wurde. Also sag mir nicht, dass ich etwas verloren habe. Ich weiß, was mit deiner Show passiert ist, und ich erinnere mich an die Fehler, die du gemacht hast." Jeder in Amerika wisse, dass er ein gescheiterter Journalist sei, so Guiliani, der dann auch noch das F-Wort verwendete. Morgan sei eine Schande und ein "großer Lügner", so der Republikaner in der ITV-Morningshow.

Guiliani machte dagegen "linke Medien" dafür verantwortlich, die Aussage des Präsidenten falsch interpretiert zu haben, und wurde mit der Zeit persönlich. Morgan erwiderte, es sei Trumps Aufgabe, Spannungen abzubauen, nicht "Öl ins Feuer zu gießen", doch Giuliani, zugeschaltet aus New York, verteidigte seinen Mandanten und erklärte, Trump habe "keinen rassistischen Knochen in seinem Körper". "Was ist mit dir passiert?", fragte der ITV-Moderator kurz darauf. "Du warst einer der angesehensten und verehrtesten Menschen in Amerika. Du klingst völlig verrückt", so Morgan. "Es ist traurig zu sehen, was mit dir passiert ist."


Niemand wolle Morgan zuhören, sagte Guiliani weiter und erklärte, keinen Respekt vor ihm zu haben. Morgan selbst konnte angesichts des fragwürdigen Auftritts am Ende nur noch den Kopf schütteln - und Co-Moderatorin Susanna Reid hatte nach rund 14 Minuten genug von den persönlichen Angriffen. "Ich bin nicht sicher, ob unsere Zuschauer das sehen wollen", sagte sie. Kurz darauf war das Interview beendet.