Kerstin Niederauer-Kopf © Serviceplan/AGF/Google
Adieu, konvergente Reichweiten?

AGF und Google beenden nach fünf Jahren Zusammenarbeit

 

Eigentlich wollten die AGF und Google gemeinsam an der Einführung von konvergenten Reichweiten arbeiten, nun ist damit aber Schluss. Nach fünf Jahren endet eine Zusammenarbeit, die nach außen hin nie viele Ergebnisse gebracht hat.

von Timo Niemeier
09.07.2020 - 14:15 Uhr

Die AGF Videoforschung und Google beenden nach fünf Jahren ihre Kooperation. Damit wird es auf absehbare Zeit keine Integration von Youtube-Daten in das AGF-System geben, um einen gemeinsamen Bewegtbildstandard zwischen der Video-Plattform und dem Fernsehen zu schaffen. Genau das war eigentlich das Ziel, als man vor rund fünf Jahren eine Zusammenarbeit beschloss (DWDL.de berichtete). 

Nach einer "langen und in den letzten 18 Monaten sehr intensiven Verhandlungszeit" hätten sich beide Parteien entschieden, das Project Evaluation Agreement, das Basis für die Verhandlungen war, nicht mehr zu verlängern, heißt es nun. Eine vor allem von der Werbebranche geforderte konvergente Reichweite rückt damit in weite Ferne. Aber schon in den vergangenen Jahren ging es höchstens mit Mini-Schritten voran. 

Als die AGF und Google ihre Zusammenarbeit 2015 verkündeten, sprach man noch von einem "Meilenstein". Wirklich zählbares gab es aber nur ganz selten. Im vergangenen Jahr wurden überhaupt erstmals Daten veröffentlicht. Und die zeigten: Youtube hatte tatsächlich eine recht hohe Reichweite, die Mediatheken der TV-Sender dagegen nicht (DWDL.de berichtete). Eine regelmäßige Ausweisung von Zahlen ließ aber bis heute auf sich warten. Bislang vertrösteten die beiden Parteien die Branche immer wieder - nun also das Ende der Zusammenarbeit. 


Warum die Kooperation nun endet, ist nicht klar. Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der AGF-Geschäftsführung, sagt lediglich, dass Google die Tür für eine Zusammenarbeit auch in Zukunft offen stehe. Niederauer-Kopf dankte zudem allen an dem Projekt Beteiligten für ihr Engagement, "insbesondere auch den Verbänden Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) und Organisation der Mediaagenturen (OMG), die sich stets intensiv für das Projekt eingesetzt haben." Besonders bei diesen beiden Organisationen dürfte das Ende der Zusammenarbeit nun aber für Ernüchterung sorgen. 

Weiter "hohe Priorität" bei Konvergenz-Messung? 

Und wie geht es nun weiter mit der Konvergenz-Messung, wenn mit Google einer der wichtigsten Partner abgesprungen ist? Andere Portale wie Facebook machten bislang ja überhaupt nicht mit. Das Thema habe innerhalb der AGF "unverändert hohe Priorität", lässt das Joint-Industry-Committee wissen. Dazu prüfe man derzeit verschiedene Ansätze, in den "kommenden Wochen" wolle man erste Ergebnisse präsentieren. "Die AGF bleibt dem Ziel, einen crossmedialen konvergenten Standard weiterzuentwickeln, der TV und Streaming umfassend abbildet, verpflichtet", sagt Niederauer-Kopf. Gut möglich aber, dass es noch einmal fünf Jahre dauert, bis es soweit ist. 

Google bedauert "Abbruch der Gespräche"

Update (15:25 Uhr): Inzwischen hat sich auch Google zum Ende der Zusammenarbeit geäußert - und zeichnet ein etwas anderes Bild als die AGF. Demnach hat sich die AGF gegen eine Verlängerung der Kooperation entschlossen - Google selbst hat das demnach nicht forciert. Vom US-Konzern heißt es, man habe seit eineinhalb Jahren transparent auditierte Youtube-Daten an die AGF geliefert. Zusätzlich hätte man sich auf eine Roadmap geeinigt, um die Bereitstellung der von der AGF geforderten Detaildaten verbindlich zu definieren. Besonders in den vergangenen Monaten hätte man "intensiv und lösungsorientiert alle denkbaren Wege geprüft", heißt es von Google.

"Das Ziel der Zusammenarbeit mit der AGF war eine gemeinsame Reichweitenmessung. Google hat seine Verpflichtungen erfüllt, um dieses Ziel zu erreichen", sagt Dirk Bruns, Head of Video von Google. Seit über einem Jahr liefere man auditierte Youtube-Daten, welche die Kommunikation von vergleichbaren Nettoreichweiten durch die AGF erlaubt hätten. Außerdem sei ein Ausbauplan für eine höhere Datentiefe abgestimmt gewesen. "Wir bedauern den Abbruch der Gespräche."

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