Martin Moszkowicz © Constantin Film Martin Moszkowicz
Im April dieses Jahres berichtete der "Spiegel" erstmals über zahlreiche Vorwürfe gegen Til Schweiger, der sich am Set des Kinofilms "Manta Manta - Zwoter Teil" falsch verhalten haben soll. Die zuständige Produktionsfirma Constantin Film wies die Vorwürfe zunächst noch zurück, später räumte der Vorstandsvorsitzende Martin Moszkowicz gegenüber der "FAZ" dann aber doch einen zentralen Vorwurf gegen Schweiger ein. Der Schauspieler soll am Set eine andere Person geschlagen haben. 

Dabei blieb es aber nicht. Am Set hat sich eine Frau schwer verletzt, als sie durch ein Dach krachte. Constantin Film hat die ganzen Geschehnisse nun mit Hilfe der Rechtsanwaltskanzlei SKW Schwarz (SKW) aufgearbeitet und sich in diesem Zuge auch neue Standards verpasst, um die Arbeitsbedingungen an den Drehorten zu verbessern. 

SKW hat im Rahmen der Untersuchung mit 50 Personen gesprochen, die bei den Dreharbeiten mitgewirkt haben. Das Ergebnis: Eine Reihe von Personen beschrieb die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima am Set von "Manta Manta - Zwoter Teil" als "eher mäßig" oder "schlecht". Mehrfach wurden zudem die gesetzlichen Arbeitszeitregelungen nicht eingehalten. Die Arbeitsbelastung wurde von vielen Mitwirkenden als "sehr hoch" empfunden, dennoch habe eine Mehrheit der Befragten die Stimmung am Set als positiv bewertet - fast alle würden zudem noch einmal für Constantin arbeiten. 

Insgesamt hätte die Untersuchung allerdings gezeigt, dass es Fehlverhalten und Vorkommnisse am Set gegeben habe, die den Ansprüchen des Unternehmens an ein gutes Arbeitsumfeld nicht gerecht werden, heißt es von Constantin Film. Daher hat man nun ein Maßnahmenpaket entwickelt, um die Standards bei Filmproduktionen zu verbessern. Im Fokus dabei stehen die drei Felder Arbeitsklima, Arbeitssicherheit und Arbeitszeit. 

"Null-Toleranz-Linie" bei Arbeitszeit-Schummelei

Neben dem bereits geltenden Code of Conduct und den Compliance Richtlinien hat man nun unter anderem beschlossen, dass es künftig eine unabhängige Vertrauensperson für Code-of-Conduct-Themen geben soll. Diese Vertrauenspersonen werden den Mitarbeitenden vorgestellt und sind während der gesamten Dreharbeiten persönlich ansprechbar. Darüber hinaus will Constantin sein Führungspersonal in den entsprechenden Themen schulen und es soll während und nach den Dreharbeiten eine anonyme, App-gestützte Befragung der Personen vor Ort geben, um mögliche Missstände schnell zu entdecken. 

"Wir wollen alles dafür tun, den Filmschaffenden ein professionelles und respektvolles Arbeitsumfeld zu gewährleisten. Hierzu setzen wir uns neue, verbindliche Standards und bringen weitere Maßnahmen auf den Weg."
Martin Moszkowicz, Vorstandsvorsitzender von Constantin Film


Darüber hinaus will Constantin Film die Führungsstrukturen am Set verbessern. Das heißt konkret: Neben den Regisseurinnen und Regisseuren sowie Produzentinnen und Produzenten und anderen Personen (Herstellungs- und Produktionsleitung) soll es zusätzlich einen Team Captain vor Ort geben, um die Kommunikation zu verbessern. 

Im Bereich Arbeitszeit hat sich Constantin eine "Null-Toleranz-Linie" bei Verstößen gegen die korrekte Dokumentation eben dieser Arbeitszeit auferlegt. Dafür wird eine entsprechende Vorgabe in die Arbeitsverträge aufgenommen, dazu zählen auch Sanktionen bei Nichteinhaltung. In Sachen Arbeitssicherheit sollen die projektbezogenen Sicherheitsfachkräfte zusätzlich durch eine bei Constantin angebundene Sicherheitsfachkraft auf Eignung überprüft werden. Einhaltung und Dokumentation der Sicherheitsstandards sollen zudem regelmäßig evaluiert werden.

Möglicher Produktionsabbruch auf mehreren Schultern

Und dann hat Constantin Film auch noch eine medienpolitische Initiative angekündigt, um sich für die Stärkung der Position von Produktionsfirmen einzusetzen. Ziel soll es sein, die Rechte so zu gestalten, dass Fehlverhalten in Zukunft besser und unmittelbarer sanktioniert werden kann, ohne die Projekte oder sogar die Existenz der Produktionsfirmen zu gefährden. Im äußersten Fall soll ein Abbruch der Dreharbeiten anteilig von Sendern, Filmförderungen sowie weiteren Finanzierungspartnern mitgetragen werden - so zumindest die Hoffnung.

Martin Moszkowicz, Vorstandsvorsitzender von Constantin Film, sagt: "Wir haben zugehört und uns intensiv mit den Vorwürfen und Vorkommnissen auseinandergesetzt, haben alle Themen und Prozesse kritisch hinterfragt. Wir wollen alles dafür tun, den Filmschaffenden ein professionelles und respektvolles Arbeitsumfeld zu gewährleisten. Hierzu setzen wir uns neue, verbindliche Standards und bringen weitere Maßnahmen auf den Weg. Außerdem werden wir uns dafür einsetzen, die Rechte der Produktionsfirmen zu stärken, damit mögliches Fehlverhalten in Zukunft besser und unmittelbarer sanktioniert werden kann, ohne die Projekte oder gar die Existenz der Produktionsfirmen aufs Spiel setzen zu müssen."

Bei der Entwicklung der Maßnahmen ist Constantin Film auch von einem neu geschaffenen, externen Gremium beraten worden. Diesem Gremium gehören Alexandra Maria Lara, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Bettina Reitz, Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film München, sowie Klaus Schaefer, ehemaliger Geschäftsführer des FilmFernsehFonds Bayern, an.

Update (18:15 Uhr): Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Abschluss der Compliance-Untersuchung sagte Moszkowicz laut "Spiegel" nun außerdem noch, dass er sich große Vorwürfe mache. "Es hätte nicht passieren dürfen, dass die Produktion so aus dem Ruder läuft", so der Geschäftsführer. Von den zunächst getätigten Aussagen, in denen man die Recherchen des "Spiegel" zurückwies, distanzierte sich Moszkowicz nun. "Ich würde dieses Statement so heute nicht mehr wiederholen. Wir haben unsere Positionen, die wir in den Tagen nach der Berichterstattung eingenommen haben, revidiert und hoffen, dass das heute klar rauskommt", so der Constantin-Chef.