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Trotz Vormarsch im Internet

Mathias Döpfner: "Printjournalismus hat Zukunft"

 

Das Internet ist Mathias Döpfner wichtig. Einen Abgesang auf den Printjournalismus will er aber nicht einleiten. In einem Interview erläutert der Springer-Chef seine Strategie.

von Jochen Voß
12.02.2007 - 10:48 Uhr

Foto: Axel SpringerAuch der Axel Springer Verlag sieht im Internet einen wichtigen Motor für die weitere Entwicklung großer Zeitungshäuser. Dabei allerdings geht der Konzern mit Augenmaß vor und verlagert nicht all seiner Energie in das digitale Geschäft. „Printjournalismus hat Zukunft“, sagt Mathias Döpfner (Bild), Vorstandsvorsitzender des Verlages, im Interview mit dem „Handelsblatt“, in dem er die Strategie seines Hauses erläutert.

Mit dem Internetgeschäft habe man durch umsichtiges Vorgehen nach dem Platzen der ersten Internetblase verhältnismäßig wenig Geld verloren. So habe man das Online-Angebot der „Bild“ ausgebaut und weitere Engagemens zurückgefahren. Mit einem Umsatzanteil von fünf Prozent, den man derzeit im Online-Geschäft erwirtschafte, stehe das Unternehmen im Wettbewerb gut da, erläutert Döpfner. Derzeit befinde man sich in einer „Beschleunigungsphase“.

Die Umsatzrendite des Portals „Bild.T-Online“ sei bereits zweistellig. Die große Herausforderung in diesem Geschäft sieht der Vorstandschef allerdings nicht in der Konkurrenz zu anderen Verlagen, sondern eher zu reinen Internetunternehmen wie Yahoo, Google oder Ebay. "Wenn Google wollte, könnten sie Axel Springer, ProSiebenSat.1 und Holtzbrinck aus der europäischen Portokasse zahlen", sagt Döpfner. Doch die Angst gehe derzeit noch nicht um, da sich der Springer-Konzern auf seine Stärken als Inhalte-Anbieter konzentriere. Man wolle sich „auf Strecken spezialisieren, die andere nicht befahren können oder wollen“.
 
 
Doch bei aller Euphorie, die derzeit für das Internet-Geschäft in der Branche um sich greift, sieht Döpfner auch im klassischen Geschäft noch großes Potenzial. So seien auch in der „Bild“-Gruppe weitere Line-extensions für ihn durchaus vorstellbar. Für die Etablierung einer französischen Variante der „Bild“ prüfe der Verlag derzeit noch die richtige Vertriebsstrategie. „Das analoge Zeitalter sollte man nicht vorzeitig zu Grabe tragen. Wir verdienen mit neuen Zeitungen und Zeitschriften schneller Geld denn je, und mit Traditionsblättern mehr Geld denn je“, sagt Döpfner.

Künftig werde sich das geschriebene Wort mehr und mehr mit bewegten Bildern verbinden. „Onlineangebote nur mit geschriebener Information sind auf Dauer nicht wettbewerbsfähig“, so Döpfner. Dafür hat das Unternehmen eigens eine Tochter gegründet. „Sich bei solch kreativen Schlüsselaufgaben nur auf einen Dienstleister zu verlassen, hat aus meiner Sicht zu viele Nachteile“, so Döpfner. Doch für das Fernsehen im Internet – dem er prinzipiell großes Potenzial zuspricht – sei die große Zeit der noch nicht gekommen. „Es werden noch einige Jahre ins Land ziehen, bevor IPTV wirklich für den Massenmarkt tauglich ist“, so Döpfner.

Angesprochen auf den Investitionsspielraum, über den der Konzern für strategische Zukäufe derzeit verfüge, kommentierte Döpfner die genannte Summe von 1,5 Milliarden Euro mit den Worten: „Das ist die Größenordnung eines Korridors, in dem wir uns bewegen können“. Auch wenn derzeit die internationale Expansion – zum Beispiel mit den Zukäufen in Polen und der Türkei – einen hohen Stellenwert hat, so sind es vornehmlich die neuen Geschäftsfelder, die dem Verlag wichtig sind. „Die Internationalisierung bietet großes Wachstumspotenzial. Die Digitalisierung ist von existenzieller Bedeutung, daher Priorität“, sagt Döpfner im „Handelsblatt“.

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