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Radio-Update vom 12. Februar

Privatradios verklagen BR, "Radio-Tatort" geht weiter

 

Der Streit um den Frequenztausch von BR-Klassik und BR-Puls geht nun vor Gericht. Die bayerischen Radios haben wie angekündigt Klage eingereicht. Außerdem: Den "Radio-Tatort" gibt's noch bis mindestens Ende 2017.

von Uwe Mantel
12.02.2015 - 11:57 Uhr

BR Puls
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Der Streit über den angekündigten Frequenztausch zwischen BR-Klassik und BR Puls geht nun wie schon im Herbst angekündigt vor Gericht. Die bayerischen Privatradios - insgesamt rund 40 Veranstaltergesellschaften, die 60 lokale/regionale Radiosender vertreten, sowie der landesweite Sender Antenne Bayern - haben gegen den Bayerischen Rundfunk vor dem Landgericht München I Klage erhoben. Dass das bislang nur digital ausgestrahlte Jugendradio Puls die UKW-Frequenz von BR-Klassik übernehmen soll, verstößt nach Auffassung der Privatradios gegen Wettbewerbs-, Kartell- und Verfassungsrecht. So würden die Interessen der Privaten wie der Verbraucher gleichermaßen beeinträchtigt und "staatliche Ressourcen in wettbewerbsverzerrender Weise gegen die privaten Hörfunkanbieter" eingesetzt, führen die Kläger aus. Der BR hatte nach Kritik an den Vorhaben festgehalten, es aber auf 2018 verschoben und darauf verwiesen, dass der Schritt notwendig sei, um die jüngeren Hörer zu erreichen. Die Privatradios wollen nun, dass der Wechsel komplett untersagt wird.  

Justizia
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Obwohl BR Puls werbefrei ist, fürchten die Privatradios deutliche Umsatzeinbußen, weil durch die verschärfte Konkurrenz bei jungen Hörern mit Reichweitenverlusten zu rechnen sei. "Die absehbar einbrechenden Hörerzahlen bedeuten für uns bayerische private Lokalsender sinkende Werbeeinnahmen. Ausschließlich aus Werbeeinnahmen jedoch finanzieren sich die Lokalsender. Damit wird das Vorhaben des BR einer ganzen Reihe von privaten Lokalsendern ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage entziehen", fürchtet Roland Finn, Geschäftsfüher der Bayerischen Lokalradio-Werbung GmbH. Co-Geschäftsführer Philipp von Martius weist darauf hin, dass es neben Bayern 1 und Bayern 3 dann ein drittes UKW-Programm geben würde, das in direktem Wettbewerb zu den Privaten stünde. "Damit widmet der BR das historisch bestehende UKW-Frequenzprivileg entgegen seiner Aufgabenstellung um. BR Klassik als das Programm, das von keinem der privaten Anbieter hergestellt werden kann und das wie kaum ein anderes für Vielfalt und die Erfüllung des verfassungsrechtlichen Grundversorgungsauftrags des BR steht, soll gegen ein Programm ausgetauscht werden, dessen Zielgruppe von den Privaten und dem BR bereits hinreichend versorgt wird." Antenne-Bayern-Geschäftsführer Karlheinz Hörhammer: "Für uns als landesweitem Radiosender würden zudem die notwendigen Investitionen in die digitale Unternehmensentwicklung erschwert, wenn es zu einem weiteren Wettbewerbsprogramm des BR käme."

RadioTatort
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Den "Tatort" im Fernsehen gibt es schon seit 1970, im Jahr 2008 bekam er aber auch eine Hörfunk-Schwester. Seitdem wird monatlich ein "Radio-Tatort" produziert und von allen neun ARD-Landesrundfunkanstalten ausgestrahlt - konkret bei Bayern 2, hr 2, MDR Figaro, Nordwestradio, NDR Info, rbb Kulturradio, SR 2, SWR 2 und WDR 5.  Und das soll sich auch nicht ändern: Die aktuelle bis Ende dieses Jahres laufende Vereinbarung wurde nun um zwei Jahre verlängert - bis mindestens Ende 2017 wird es den "Radio-Tatort" also weiter geben. Joachim Knuth, NDR Programmdirektor Hörfunk und Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission: "Der Radio-Tatort - das ist eine siebenjährige Erfolgsgeschichte, was sich auch an den hohen Abruf- und Downloadzahlen zeigt. Liebe, Betrug, Verrat und Mord: Diese klassischen Krimizutaten machen den Radio-Tatort immer wieder zu einem spannenden, unterhaltsamen und überraschenden Hörerlebnis. Dabei ist es Markenzeichen und besondere Stärke des ARD-Gemeinschaftsprojekts, dass jede Landesrundfunkanstalt ganz eigene, regionale Akzente setzen kann."

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radio.de nimmt den internationalen Markt ins Visier und startet die englischsprachige Plattform radio.net. radio.net ist die neue Dachmarke der Firma, auf nationaler Ebene gibt es daneben weiter folgende Domains: radio.de, radio.at, radio.fr, radio.pt, radio.es, radio.it, radio.pl, radio.dk und radio.se. Die entsprechenden nativen Apps werden jetzt in insgesamt 14 verschiedenen Sprachen in den jeweiligen Appstores zum kostenlosen Download angeboten. Zugleich wurden Websites und Apps optisch und funktional überarbeitet. Dabei setzt man auf eine leistungsstarke Suchfunktion, ein Empfehlungs-System auf der Basis der bisher angehörten Programme sowie ein neu entwickeltes Magazin, das neue Hörimpulse setzen soll. "Sieben Jahre nach der Gründung haben wir uns in Europa etabliert. Dies ist der Ausgangspunkt für unsere internationale Wachstumsstrategie, die wir mit dem weltweiten Launch von radio.net konsequent fortsetzen", so Bernhard Bahners, Geschäftsführer der radio.de GmbH. "Durch das frische Design sowie zahlreiche neue Funktionen und Inhalte können Hörer Online-Radio in Zukunft noch einfacher, schneller und personalisierter genießen."

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An diesem Freitag findet zum vierten Mal der Welttag des Radios statt, den Vereinte Nationen und UNESCO begehen. Der der Tag, der unter dem Motto "Youth & Radio" steht, soll unter anderem die Staaten dazu anhalten, den Zugang zur Information über das Radio sicherzustellen und die internationale Zusammenarbeit von Radiosendern zu fördern. Radio gilt mit täglich rund sechs Milliarden Hörern als das reichweitenstärkste Medium der Welt. Der deutsche Privatsender-Verband VPRT nimmt den Welttag des Radios zum Anlass, um Kritik an der Einnahmenverteilung in Deutschland zu äußern. Von den Einnahmen von rund vier Milliarden Euro entfallen demnach über 80 Prozent auf die öffentlich-rechtlichen Programme. "Die Zahlen unterstreichen eindrucksvoll die internationale Bedeutung des Radios und damit die Wichtigkeit einer freien Berichterstattung zur Information der Bevölkerung in diesem Medium. Sie zeigen aber auch das Ungleichgewicht zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Radioangeboten im deutschen Markt", so Klaus Schunk, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Radio und Audiodienste im VPRT. "Hier wird die regionale Vielfalt der Privatradios durch die Expansion der ARD-Radioaktivitäten zunehmend existenziell bedroht." In diesem Zusammenhang fordert er eine "radiospezifische Regulierung", die die Rolle der der Privatradios sicherstelle.

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