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Radio-Update vom 8. Dezember

afk M94.5 vor unsicherer Zukunft, ma IP Audio

 

Das Ausbildungsradio afk M94.5 droht seine UKW-Frequenz in München an Rock-Antenne zu verlieren, das sorgt für viel Kritik in der Branche. Der ORF will, aller Widrigkeiten zum Trotz, 2017 endlich seine Radiothek starten und die agma hat die "ma IP Audio" vorgelegt.

von Uwe Mantel / Timo Niemeier
08.12.2016 - 13:10 Uhr

Das Münchner Ausbildungsradio afk M94.5 droht seine UKW-Sendefrequenz in München an die Rock-Antenne zu verlieren. Der Ableger von Antenne Bayern hat bislang in der bayerischen Landeshauptstadt keine UKW-Frequenz und ist nur digital zu empfangen. Nach Bekanntwerden der Pläne, über die der Hörfunkausschuss im Februar entscheidet, wurde scharfe Kritik laut. Der Förderverein "Freunde von afk M94.5" schrieb: "Die einzigartige Erfolgsgeschichte des Aus- und Fortbildungskanals M94.5 ist direkt mit UKW-Frequenz verbunden und damit mit dem Bewusstsein, dass das eigene Programm von einer großen Zahl Außenstehender gehört und wahrgenommen wird." Der Verlust der UKW-Frequenz würde aus ihrer Sicht die Arbeit erheblich erschweren, was schon bei Akkreditierungen und der Organisation eigener Veranstaltungen beginne und auch die Zusammenarbeit mit Plattenfirmen und Künstlern betreffe. "Die Redaktion von afk M94.5 müsste binnen kürzester Zeit eine komplett neue Marke aufbauen. Das reicht von der Umbenennung – ohne die UKW-Frequenz 94,5-MHz macht der Name keinen Sinn mehr – bis hin zur kompletten Umstrukturierung hin zu einem DAB+ -Web-Angebot", so der Förderverein.

Rock Antenne
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Die BLM beteuerte nach Medienberichten und Empörung in sozialen Netzwerken schnell, dass es keinerlei Pläne gebe, afk M94.5 abzuschalten oder die dort stattfindende Ausbildung zu schwächen. Auch künftig werde man die afk-Sender mit 800.000 Euro jährlich unterstützen. Auch wenn die UKW-Frequenz möglicherweise einem anderen Sender zugewiesen werde, bleibe die Ausstrahlung über DAB+ und das Internet erhalten. "Aus Sicht der Landes­zentrale ist die UKW-Frequenz nicht nötig, um die Ausbildungsziele zu erreichen. Vielmehr sieht die BLM den afk als eine Speerspitze der digitalen Entwicklung", heißt es in einer Presseerklärung. Auch Antenne Bayern respektive die Rock Antenne als möglicher Profiteur will sich keinesfalls den Schwarzen Peter zuschieben lassen. Karlheinz Hörhammer: Vorsitzender der Geschäftsführung von Antenne Bayern: "Die Überlegungen der BLM, die analogen Frequenzen des afk umzuwidmen und den afk über DAB+ und das Internet zu verbreiten, haben absolut nichts mit einer Einstellung dieser wichtigen Aus- und Fortbildungs-Aktivitäten zu tun! Ganz im Gegenteil: Ziel muss sein, den jungen Nachwuchs fit für das digitale Zeitalter zu machen. Nicht zuletzt hat Antenne Bayern bereits eine erhebliche Zahl an afk-Absolventen übernommen." Schon jetzt gehöre Antenne Bayern zu den größten Gesellschaftern der afk GmbH, die den Sender betreibt. Zudem habe sich die Rock Antenne bereit erklärt, weitere fünf Prozent der Anteile zu übernehmen und sich finanziell zu beteiligen. "Die Unternehmensgruppe Antenne Bayern hat kein Interesse daran, dass die Ausbildungsaktivitäten des afk eingestellt werden, sondern dass diese modernisiert und auf die Anforderungsprofile in einer zunehmend digitalen Welt ausgerichtet werden", so Hörhammer.

ORF
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Der ORF will seine seit langer Zeit angekündigte Radiothek, in der alle ORF-Radiosender gebündelt werden, im kommenden Jahr endlich starten. Das Angebot sei die erste Phase, um Vernetzung von TV, Radio und Online voranzutreiben. Das hat ORF-Onlinechef Thomas Prantner nun gegenüber dem Branchenblatt "Extradienst" erklärt. Wann genau das Projekt startet, ist aber nach wie vor unklar. Vor mehr als einem Jahr hatte die Bundeswettbewerbsbehörde angekündigt, Rechtsmittel gegen die Radiothek einlegen zu wollen. Die Wettbewerbshüter sehen negative Auswirkungen für die anderen Radiosender. Bislang gibt es noch keine Einigung zwischen ORF und Privaten.

AG.MA
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Die agma hat in dieser Woche zum zwölften Mal die "ma IP Audio" vorgelegt, die die Nutzung von Webradio-Angeboten misst. Erstmals wurde dafür nun nicht nur die Zahl der Sessions angegeben, bei der die Länge der Nutzung völlig egal ist, sondern auch die Zahl der "Hörstunden" pro Monat. Eine durchschnittliche Webradio-Session dauert dabei übrigens mehr als 53 Minuten. Deutlich kürzer als beim Streaming klassischer Radios ist die Nutzung hingegen bei Spotify. So entfallen nämlich über 97 der 225 Millionen Websessions aller von der agma gemessenen Online-Audioangebote auf Spotify, aber "nur" knapp 39 von 200 Millionen "Hörstunden". Spotify dürfte aber auch immer mal wieder dazu dienen, nur einen bestimmten Song abzurufen - eine Nutzungssituation, die im normalen Radio eben nicht vorkommt.

1LIVE
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Ob nun nach Websessions oder nach Hörstunden: Der meistgehörte Einzelsender (ohne Kombis mit weiteren Webchannels) blieb auch im 3. Quartal 1Live, trotz eines Rückgangs der Sessions um elf Prozent. Bei den privaten Sendern lag Antenne Bayern vorn, wobei bemerkenswert ist, dass auch der Ableger Rock Antenne den Sprung in die Top10 schaffte. Einen Messfehler dürfte es beim Hessischen Rundfunk gegeben haben: Dort sank die Reichweite bei allen Sendern massiv um teils über 50 Prozent. Daher findet sich auch kein hr-Sender in der Top-Liste wieder.

1. 1Live (7,37 Mio. Sessions, 10,5 Mio. Hörstunden)
2. SWR3 (6,32 Mio. Sessions, 9,97 Mio. Hörstunden)
3. Antenne Bayern (5,57 Mio. Sessions, 8,23 Mio. Hörstunden)
4. WDR 2 (4,56 Mio. Sessions, 6,98 Mio. Hörstunden)
5. NDR 2 (3,90 Mio. Sessions, 6,84 Mio. Hörstunden)
6. Deutschlandfunk (3,07 Mio. Sessions, 2,44 Mio. Hörstunden)
7. Bayern 3 (2,69 Mio. Sessions, 4,35 Mio. Hörstunden)
8. N-JOY (1,99 Mio. Sessions, 3,03 Mio. Hörstunden)
9. Hitradio FFH (1,93 Mio. Sessions, 2,69 Mio. Hörstunden)
10. Rock Antenne (1,92 Mio. Sessions, 2,79 Mio. Hörstunden)

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