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Radio-Update vom 26. Oktober

ARD will einheitliche Nacht, Klassik Radio mit Streamingdienst

 

In der ARD will man sparen, indem es pro Genre bestenfalls nur noch ein gemeinsames Nachtprogramm gibt. Klassik Radio bereitet den Start eines kostenpflichtigen Streamingdienstes vor. Und der neue Webradio-Monitor ist da.

von Uwe Mantel
26.10.2017 - 11:46 Uhr

ARD
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Die ARD strebt ein einheitliches Nachtprogramm über alle Anstalten hinweg an. Diese Pläne wurden dem WDR-Rundfunkrat vorgelegt, wie aus dem Bericht aus der öffentlichen Sitzung hervorgeht. Demnach soll ab dem kommenden Jahr pro Genre nur noch eine Anstalt des Senderverbunds eine nächtliche Sendung für alle anderen ARD-Anstalten produzieren. Jede ARD-Anstalt kann eigene landesspezifische Nachrichten einbetten. Anstaltübergreifende Sendungen gab und gibt es bereits, im Zuge der Sparbemühungen soll das nun aber ausgebaut werden. Beim WDR würde das zum Jahreswechsel zunächst bedeuten, dass WDR 2 künftig generell die ARD-Popnacht des SWR und WDR 4 die ARD-Oldiesnacht des NDR übernehmen soll.

Klassik Radio
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Am 1. November startet Klassik Radio einen neuen Streamingdienst namens "Klassik Radio Select". Neben einem kostenfreien Angebot mit zehn ausgewählten Sendern und dem Live-Programm mit Werbeunterbrechungen gibt's dann für 5,99 Euro im Monat ein werbefreies Angebot mit zum Start schon über 100 Sendern. Dafür hat das Klassik Radio nun einen langfristigen Lizenzvertrag mit Naxos abgeschlossen, dem Weltmarktführer bei der Vermarktung klassischer Musik. Klassik Radio erhält dadurch Zugriff auf das gesamte Naxos-Repertoire, woraus sich die Klassik-Radio-Kuratoren dann bei der Zusammenstellung der über 100 individuelle Sender des neuen Angebots bedienen können. "Wir sind glücklich über die Kooperation mit dem weltweit größten unabhängigen Klassiklabel. Das Naxos-Repertoire ist sehr vielfältig. Man findet nicht nur eine Einspielung von einem Titel, sondern mehrere Interpretationen von verschiedenen tollen Künstlern. Wir konnten unsere langjährige gute Partnerschaft jetzt noch weiter ausbauen und damit die Auswahl an Titeln für unsere Hörer weiter vergrößern", so Ulrich Kubak.

Webradiomonitor
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BLM, VPRT und BVDW haben die Ergebnisse des diesjährigen Webradio-Monitors vorgelegt. Demnach ist die Zahl der Webradio-Streams weiter rückläufig und liegt nun bei 2.399 nach 2.453 im Vorjahr. Stark wachsend ist hingegen weiter die Zahl von User Generated Radio-Streams und redaktionell kuratierter Playlists von Streaming-Plattformen, die von 7.686 auf 9.476 anwuchs. Bei der Nutzung liegen die Simulcasts klassischer Radiomarken vorn. 71 Prozent der Online-Audionutzer nutzen solche Angebote zumindest gelegentlich. Musikstreaming-Dienste nutzen 55 Prozent, Online-Submarken der klassischen Radios nutzen 29 Prozent, Online-Only-Radio 28 Prozent. Podcasts werden von 17 Prozent genutzt. Morgens werden dabei vor allem Simulcast-Streams der klassischen Radiosender genutzt, während dann am Nachmittag und Abend die Nutzung von Streaming-Diensten massiv ansteigt und die der Simulcast-Radios übersteigt. Die Online-Audioanbieter berichten zu 57 Prozent über steigende Nutzungszahlen, nur 9 Prozent geben an, mit rückläufiger Nutzung zu kämpfen zu haben. Alle Details gibt's auf der Website der BLM.

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Die Schickler-Unternehmensberatung hat im Auftrag der Vereinigung Bayerischer Rundfunkanbieter ermittelt, dass der Umsatz der privaten Hörfunksender in Bayern bis 2022 um 40 bis 54 Prozent sinken werde. Als Gründe werden Digitalisierung, "Professionalisierung des öffentlich-rechtlichen Hörfunks" sowie der Wechsel der Jugendwelle Puls auf die bislang von BR 4 Klassik genutzten UKW-Frequenzen angegeben. Alexander Kahlmann, Partner der Unternehmensberatung, erläutert, dass "eine derartige Umsatzentwicklung die Vielfalt von Lokalsendern in Bayern bedroht und damit die Medienlandschaft nachhaltig beeinflussen könnte." Die privaten Radiosender nutzen die Studie nun, um die Medienpolitiker zum Handeln aufzufordern.

DAB+
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"Die Abschaltung von UKW wäre der nackte Wahnsinn. Dann gehen bei uns allen die Lichter aus." Ina Tenz, Programmdirektorin von Antenne Bayern machte beim Audiogipfel auf den Medientagen München (Bericht bei radioszene.de) nochmal deutlich, wie weit man hierzulande von einem kompletten Wechsel auf DAB+ entfernt ist. In der Schweiz sieht das anders aus. Dort hören schon seit dem vergangenen Jahr mehr Menschen via DAB+ als über UKW, der Umstieg soll bis spätestens Ende 2024 abgeschlossen werden. Zur Unterstützung der Radio-Branche bei diesem Migrationsprozess hat der Bundesrat in dieser Woche einige Maßnahmen beschlossen - so werden etwa alle Radio-Veranstalterkonzessionen, die Ende 2019 ablaufen, automatisch bis 2024 verlängert. Schon im vergangenen Jahr war auch die finanzielle Unterstützung der DAB+-Verbreitung verbessert worden. Seit Februar läuft die Informationskampagne "Radio zieht um". Noch weiter ist man in Norwegen, wo als erstes Land weltweit seit Beginn des Jahres der UKW-Hörfunk abgeschaltet wird. Die Ergebnisse dort machen Mut: "Unsere Reichweiten zeigen nur geringe Einbrüche seit dem Umstieg von UKW auf DAB+, und wir rechnen damit, dass wir in Summe Hörer halten", sagt Jørn Jensen von Radio.no.

hr-Info
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hr-iNFO hat einen neuen Verbreitungspartner für seinen Podcast "Cybercrime" gefunden: Er ist ab sofort über das ICE-Portal in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn abrufbar. Das ICE-Portal kann über die URL iceportal.de aufgerufen werden, wenn man mit dem WLAN im Zug verbunden ist. Diese Nutzung wird nicht auf die 200 MB Freivolumen angerechnet. Der Podcast findet sich in der Rubrik "Reisen & Entdecken". In neun Folgen geben die Autoren Henning Steiner und Oliver Günther einen tiefen Einblick in die Welt der Cyberkriminalität. Sie erzählen die Geschichte eines Hackerangriffs auf einen DAX-Konzern, zeichnen die Verfolgung eines pädophilen Straftäters durch das Bundeskriminalamt nach und sprechen mit einer illegal agierenden Hackerin. Alle drei Fälle sind real und werden über neun Folgen hinweg im Perspektivwechsel zwischen Täter, Opfer und Ermittler erzählt. Der Podcast ist natürlich auch außerhalb der ICEs u.a. über www.cybercrime.hr.de verfügbar.

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