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US-Update vom 20. Juli

Animationsserien droht Streik, "UnREAL" ist zu Ende

 

Die Schauspieler/innen, die den Figuren in Animationsserien ihre Stimme leihen, drohen mit einem Streik. Die Serie "UnREAL" ist nach vier Staffeln zu Ende. Und die Disney/ABC Television Group soll künftig von bisherigen Fox-Leuten geführt werden

von Uwe Mantel
20.07.2018 - 12:35 Uhr

BoJack Horseman
© Netflix
Die animierten Charaktere in US-Serien könnten bald vorübergehend verstummen: Die Mitglieder der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA haben gerade mit der überwältigenden Mehrheit von 98,27 Prozent der abgegebenen Stimmen grünes Licht für einen möglichen Streik derjenigen SchauspielerInnen und SprecherInnen gegeben, die den animierten Figuren ihre Stimme leihen. Beklagt wird dabei eine viel zu schlechte Bezahlung für Produktionen, die für Streaming-Anbieter wie Netflix oder Amazon entstehen. Unter dem Hashtag #ToonsUnited wird online der Protest gesammelt. Das letzte Angebot der Produzenten hätte zwar schon eine Verbesserung gebracht, die empfinde man aber als unzureichend. Noch ist kein Streik ausgerufen, dass die Gewerkschaften nun aber generell die Möglichkeit haben, damit zu drohen, soll zusätzlichen Druck auf die Produzenten ausüben. Besonders unangenehm für die die TV-Branche: Auch wenn sich der Streit eigentlich nur auf die Bezahlung bei Produktionen für Streaming-Dienste bezieht, wären von einem Streik auch fast alle Produktionen für klassische Fernsehsender betroffen. Lediglich Nickelodeon wäre wegen eines separaten Vertrags fein raus, wie die Gewerkschaft auf einer FAQ-Seite erläutert.

UnREAL
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Etwas überraschend hat der US-Streamingdienst Hulu in dieser Woche bereits die komplette vierte Staffel der Serie "UnREAL" veröffentlicht - und bekanntgegeben, dass es sich zugleich um die finale Staffel handelt. Die Serie, die bitterböse hinter die Kulissen einer Dating-Produktion à la "Bachelor" blickt, war ursprünglich mal bei Lifetime beheimatet. Nach einer fulminanten ersten und einer weniger umjubelten zweiten Staffel schob Lifetime die dritte Staffel dann aber lange vor sich her und veröffenltichte sie erst nach über eineinhalb Jahren Pause in diesem Frühjahr. Die schon weit vorher bestellte vierte Staffel hatte man unterdessen an Hulu abgetreten, das nun nicht lange fackelte und sie nur wenige Monate nach Staffel 3 online stellte. Während "UnREAL" für Hulu nach Angaben des Streamingdienstes ein voller Erfolg war, lief die dritte Staffel mit weniger als 300.000 Zuschauern im linearen Fernsehen bei Lifetime enttäuschend. Das Aus kommt daher nun auch nicht überraschend.

Können Sie sich noch an "Ransom" erinnern? Bei der ersten Staffel der Serie über einen Spezialist für Geisel-Verhandlungen war noch die Mediengruppe RTL als Koproduzent an Bord, angesichts der enttäuschenden Quoten bei der Ausstrahlung auf Vox wollte man allerdings keine Fortsetzung mehr. Produziert wurde eine zweite Staffel trotzdem, nun eben ohne die RTL-Gruppe. Nun gab's sogar grünes Licht durch das kanadische Global und CBS für eine dritte Staffel im kommenden Jahr. Sweet statt bitter ist auch die Entscheidung im Falle der Starz-Serie "Sweetbitter" ausgefallen: Der Sender hat die halbstündige Dramedy, die von Kritikern ziemlich maue Bewertungen bekommen hat, beim Publikum aber ganz gut ankam, für eine zweite Staffel verlängert. Die zweite Staffel über eine junge Frau, die in einem New Yorker Nobel-Restaurant arbeitet, wird sogar zehn statt sechs Folgen umfassen. YouTube hat unterdessen grünes Licht für eine Fortsetzung der im Übernatürlichen spielenden Thriller-Serie "Impulse" gegeben. 2019 wird sie bei YouTube Premium (wie YouTube Red ja inzwischen heißt" zu sehen sein. Netflix wird unterdessen an seiner Umstyling-Show "Queer Eye" festhalten und das Format im kommenden Jahr mit einer dritten Staffel zurück auf die Bildschirme bringen.

HBO Logo
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Joss Whedon, der einst schon der kreative Kopf hinter "Buffy - Im Bann der Dämonen" war, bringt bei HBO eine neue Serie an den Start. Ohne vorherigen Piloten gab es direkt grünes Licht für die Science-Fiction-Serie "The Nevers". Im Mittelpunkt soll eine Gang viktorianischer Frauen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten stehen, die allerdings unerbittlichen Feinden gegenüber stehen - und eine Mission haben, die die Welt verändern könnte. Whedon sprach bei der Serie von der ambitioniertesten Erzählung, die er bislang umgesetzt habe. Zuletzt hatte Whedon sich eigentlich auf Filme fokussiert, die letzten Serien, die er (mit-)entwickelt hat, waren "Agents of S.H.I.E.L.D." und "Dollhouse". Ein neues Science-Fiction-Projekt hat unterdessen auch Amazon am Start: "Tales from the Loop" stammt vom "Legion"-Autor Nathaniel Halpern und basiert auf den Bildern des Künstlers Simon Stålenhag, auf denen er Elemente futuristischer Science-Fiction mit Impressionen des ländlichen Lebens in Schweden mischt. Er seine "Vision einer nicht allzu fernen, futuristischen Landschaft", die man nun zum Leben erwecken wolle, erklärt Albert Cheng, der bei Amazon Studios den TV-Bereich mitverantwortet.

Walmart
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Der Einzelhandels-Riese Walmart denkt einem US-Medienbericht zufolge über den Einstieg ins SVoD-Geschäft nach. Laut "The Information" wolle man die Konkurrenten mit einem Preis von 8 Dollar pro Monat preislich unterbieten - völlig unklar ist aber, welche Inhalte Walmart dort anbieten will. Dafür gibt's Informationen über die Zielgruppe: Während Netflix und Amazon vor allem an der West- und Ostküste der USA beliebt seien, wolle Walmart die Konsumenten in der Mitte der USA ansprechen - in der Regel überwiegend konservativ eingestellt. Walmart ist nicht ganz neu auf dem Streaming-Markt, sondern hat 2010 mit Vudu schon einen Film-Streamingdienst übernommen, der allerdings im Einzelabruf abgerechnet wird. Auch ein werbefinanzierter und für die Kunden kostenloser Dienst namens "Movies on us" ist Teil des Angebots.

Personalien

Disney ABC Television Group
© Disney ABC
Nachdem Disney sich im Bieterwettkampf um 21st Century Fox nun gegen Comcast durchgesetzt hat, werden personelle Pläne für die Zeit nach der Übernahme geschmiedet. Und die sehen vor, dass Ben Sherwood die Leitung der Disney/ABC Television Group abgeben und sich anderen Aufgaben im Disney-Konzern zuwenden wird. Das TV-Geschäft soll stattdessen künftig von zwei Fox-Leuten geleitet werden: Peter Rice, President von 21st Century Fox, sowie Dana Walden, derzeit Vorsitzende der Fox Television Group. Rice soll das gesamte TV-Geschäft mit Ausnahme von ESPN verantworten und direkt an Disney-Boss Bob Iger berichten, Dana Walden wäre eine Stufe darunter angesiedelt und sich um die Produktionen, das ABC Network und den Kabelsender Freeform kümmern.

Paramount hat seine TV-Chefin Amy Powell fristlos entlassen. Sie leitete die TV-Einheit von Paramount seit Juli 2013. Begründet wurde der Schritt von Studiochef Jim Gianopulos, dass sich mehrere Personen bechwert hatten, Powell habe in einem geschäftlichen Umfeld Bemerkungen gemacht, die nicht mit den Werten von Paramounts Mutterkonzern Viacom vereinbar seien. Offiziell gibt es keine näheren Angaben, Berichten zufolge werden ihr aber rassistische Bemerkungen über die neue Paramount-Serie "First Wives Club" vorgeworfen. Powell bestreitet die Vorwürfe und prüft rechtliche Schritte gegen ihre Entlassung.

Vince Gilligan
© Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)
In einer Zeit, in der die Streamingdienste profilierte Produzenten mit dreistelligen Millionensummen exklusiv an sich binden, ist es Sony Pictures Television gelungen, "Breaking-Bad"-Mastermind Vince Gilligan für weitere drei Jahre an sich zu binden. Gilligan und seine Produktionsfirma High Bridge und Sony arbeiten schon seit elf Jahren zusammen. Gilligan produziert derzeit "Better Call Saul" für AMC und "Raven" für HBO.

David Zaslav wird noch bis mindestens 2023 an der Spitze von Discovery stehen. Nachdem er gerade den 14,6-Milliarden-Dollar-Deal mit Scripps unter Dach und Fach gebracht hat, wurde sein Vertrag, der ohnehin noch bis 2020 lief, um weitere drei Jahre verlängert.

US-Quoten-Update

Who is America?
© Sky Deutschland/Gavin Bon
Nur wenige Tage vor dem Start der Serie am vergangenen Sonntag kündigte Showtime die neue Sacha-Baron-Cohen-Serie "Who is America?" an, über zu geringe Aufmerksamkeit konnte man sich aber trotzdem nicht gerade beschweren. Unter anderem hatte sich etwa Sarah Palin beschwert, von Sacha Baron Cohen hinters Licht geführt worden zu sein und ihm unter falschen Umständen ein Interview gegeben zu haben. Um so überraschend waren die ernüchternden Quoten zum Auftakt: Nur knapp 330.000 Zuschauer schalteten am Sonntagabend die erste Folge ein, in der Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen lag das Rarting bei 0,1. Aus ganz anderem Quotenholz ist die Serie "Yellowstone" beim Paramount Network gestrickt. Sie schwang sich sogar zur zweitmeistgesehenen Serie im Kabelfernsehen in diesem Jahr auf, nur geschlagen von "The Walking Dead". Die ersten drei Episoden der Serie mit Kevin Costner kamen im Schnitt auf 4,6 Millionen Zuschauer (Live+3).

Code Black
© ABS Studios / CBS Television Studios
Das sind Werte, an die auch viele Network-Serien nicht mehr heran kommen, erst recht nicht im Sommerprogramm. Eine Ausnahme bildete da noch "Code Black", wo die dritte Staffel im Schnitt 5,7 Millionen Zuschauer zählte. CBS war das trotzdem nicht genug, obwohl das sogar ähnlich viele waren wie in Staffel 2, die nicht im Sommer, sondern in den Wintermonaten gezeigt worden war - und so war das Staffelfinale in dieser Woche zugleich auch das Serienfinale. Einen Aufschwung gab's da nicht mehr, mit 5,4 Millionen Zuschauern und 0,7/3 Prozent ging "Code Black" ohne größeres Aufsehen zu Ende. Zu Ende ging auch die zweite Staffel der NBC-Sitcom "Marlon". Auch hier gab's keinen Endspurt, die ganze Staffel über pendelten die Reichweiten zwischen 2,3 und 3 Millionen Zuschauern, so war das auch bei den beiden letzten Folgen. 0,6/3 Prozent in der Zielgruppe sind für Sommer-Verhältnisse noch ein halbwegs okayer Wert.

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Top10 Zuschauer gesamt

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