Daffy Duck Cutter © Screenshot YouTube
Berufsbilder (1)

Cutter: Das Ende der Leistungskette

 

Wer für YouTube das ein oder andere Video zusammenschneidet, könnte prinzipiell auch Gefallen daran finden, dies hauptberuflich als Cutter/Filmeditor zu tun. Dass man sich das aber alles andere als locker vorzustellen hat, verrät der Cutter Armin Kelichhaus.

von Kevin Hennings
13.03.2017 - 08:15 Uhr

Nachdem der Regisseur mit seinem Drehteam dafür gesorgt hat, dass das Filmmaterial zustande kommt, liegt es anschließend in der Hand des Cutters, der auch Filmeditor genannt wird, etwas Ansehnliches aus den Rohaufnahmen zu gestalten. Er ist also maßgeblich an dem beteiligt, was später im Fernsehen oder Kino zu sehen sein wird. "Du bist am Ende der Leistungskette und hast die Möglichkeit etwas zu schaffen, dass am Ende Millionen von Menschen sehen", erklärt der hauptberufliche Cutter Armin Kelichhaus im Gespräch mit DWDL.de. "Das ist ein Privileg, dass du in kaum einem anderem Job bekommst."

Doch bis es soweit ist, dass das fertiggestellte Projekt auf der Leinwand oder im Fernsehprogramm auftaucht, muss man als Cutter eine gehörige Portion Nervenstärke und Ausdauervermögen beweisen. Im Gespräch mit Kelichhaus festigt sich nämlich vor allem der Eindruck, wie anstrengend das Leben eines Filmeditors sein kann: "Alles fängt mit einem gestressten Redakteur an, der mit den Aufnahmen zu dir kommt und seinen Beitrag am liebsten schon gestern bekommen würde. Wenn du durchgehend von gestressten Menschen umgeben bist, überträgt sich das mit der Zeit auch auf einen selbst. Auf Dauer kann es sehr Burnout gefährdend sein, diesen Job auszuüben."

Wenn ein neues Projekt angefangen wird, gebe es bis zum Abschluss außerdem kaum Pausen. Sobald das Schnittprogramm offen ist, heißt es auch nur noch: Schneiden, schneiden, schneiden. "Man kann nebenbei nicht mal zum Arzt, sein Auto anmelden oder etwas einkaufen gehen. Wie in kaum einem anderen Beruf bist du dermaßen permanent an deinen Arbeitsplatz gekettet, im 'Cutterknast' gefangen."  

Da kommt natürlich die Frage auf, warum ein Mensch sich so etwas freiwillig antun möchte. Wegen des Geldes? Das Einstiegsgehalt liegt zwischen 1.500 und 2.500 Euro brutto, also keine Summe, die schnellen Reichtum verspricht. Mit Engagement und Können ist nach oben hin jedoch alles offen. So verdienen selbstständige Cutter, die sich in der Branche einen Namen gemacht haben, auch gute sechsstellige Summen im Jahr. "Ohne Spaß an der Sache wird man aber gar nicht erst soweit kommen, ansehnliches Geld zu verdienen", verrät Kelichhaus, dem vor allem die Vielfältigkeit der Projekte gefällt, die ihm in die Hände fallen. 

Man muss ihn also abkönnen, diesen Stress, der den Beruf Cutter durchweg begleitet. Wer gerne schneidet, sich selbst aber als Choleriker sieht, der das nicht aushalten würde, hat zusätzlich eine andere Option: "Neben dem Fernsehcutter, der ich bin, gibt es noch den Filmcutter. Er ist eine ganz andere Spezies und hat einen viel ruhigeren Arbeitsalltag", erzählt Kelichhaus. "Das liegt am Budget und der Zeit, wovon man beim Film jeweils viel mehr zur Verfügung hat." So haben Filmcutter weniger Druck, um mehr ins Detail gehen zu können. Er kann nicht selten über Monate hinweg an einem Projekt arbeiten, während der Fernsehcutter Beiträge auch mal in 45 Minuten fertigstellen muss. 

Kelichhaus ergänzt: "Im Fernsehen musst du heutzutage außerdem alles können. Du musst Fähigkeiten in 'After Effects' haben, 'Photoshop' beherrschen, obendrein ein Musikgenie sein und am Ende des Tages noch drei mal das Fernsehen neu erfinden. Wir sind die eierlegende Wollmilchsau, während die Kollegen vom Film die ruhigen Spezialisten darstellen." In beiden Fällen ist es jedoch unabkömmlich einer Mission folgen zu wollen und Affinität fürs Bewegtbild zu haben. 

Eine Weiterbildung geschieht außerdem hauptsächlich durch den eigenen Willen. Es ist einer der klassischen 'learning by doing'-Jobs, bei denen man sich wie beim Musikinstrument dahinter klemmen muss, und ein Video nach dem anderen schneidet, um besser zu werden. Auch technisch sollte man sich permanent up-to-date halten, ist man als Cutter mitten drin in der Digitalisierung. "Im Vergleich zu früher ist die Arbeit zwar die Gleiche, doch der Aufwand wird immer größer. Es kommt immer mehr Technik dazu, immer mehr Formate, in denen man Videos anfertigen kann", so Kelichhaus. "Obwohl alles einfacher werden soll, wird es immer komplizierter."

Zum Abschluss stellt sich die Fragen, wie abwechslungsreich oder gar aufregend ein Beruf sein kann, der vor allem an den Schreibtisch fesselt. Kelichhaus schwärmt trotz all dem Stress davon, dass jeder Arbeitgeber und jede Idee, die mit einem Projekt kommt, frische Aspekte bringt und ihn von neuem fordert. Außerdem kann es auch mal etwas zu einem etwas anderem Arbeitseinsatz kommen: "Als ich vor einigen Jahren für eine große ARD-Sportveranstaltung angeheuert wurde, die an einem Samstagabend lief und ein beachtliches Budget von zwei bis drei Millionen Euro hatte, saß ich in einem fotoautomatgroßen Technikwagen, um die Show von 24 bis 6 Uhr fertig zu schneiden", erzählt der Cutter. "In der Medienwelt gibt es nichts, was es nicht gibt. Wenn man sich darauf einlassen möchte, kann es verdammt Spaß machen."

In unserem Karriere-Special "Vitamin D" beleuchten wir an dieser Stelle bestimmte Berufsbilder der Branche. Die ausgewählten Berufe sind entweder solche, die in der DWDL.de-Jobbörse besonders häufig gesucht werden oder solche, die wir für ungewöhnlich und deshalb beachtenswert halten.

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