© CC0 Public Domain
Berufsbilder (5)

Social Media Manager: Neugeborene der Digitalisierung

 

Tweets verfassen, Facebookposts planen und die ein oder andere Nutzeranfrage beantworten. Klingt das nicht nach einem Traumjob, für so gut wie jeden jungen Menschen? Im Gespräch verraten zwei Social Media Managerinnen, dass noch etwas mehr dazu gehört.

von Kevin Hennings
23.03.2017 - 16:40 Uhr

Für viele junge Medieninteressierte klingt es wie ein Traum, dafür bezahlt zu werden, auf Instagram Fotos zu posten, auf Facebook Beiträge zu planen und stündlich Tweets zu verfassen. Immerhin tut der Großteil der neuen Generation dies absolut freiwillig, wann immer mal eine Hand frei ist. Wieso also nicht diese Affinität nehmen, und sie auf ein professionelles Level heben? Die, die sich dazu entschließen, werden Social Media Manager und kümmern sich fortan um die Unternehmenskommunikation in sozialen Netzwerken. Doch besteht diese Arbeit wirklich nur daraus, ein paar aufmerksamkeitserhaschende Posts pro Tag zu verfassen?

"Im Grunde startet man so erst mal in den Tag", erzählt eine Social Media Managerin aus Köln, die lieber anonym bleiben möchte, gegenüber DWDL.de. "Jeden Morgen überprüfen wir, welche Posts an diesem Tag für welche Plattformen anstehen. Im Allgemeinen haben wir nämlich einen Contentplan, der die nächsten 1 bis 3 Monate abdeckt." Zur Verfügung gestellt bekommen die Social Media Manager meistens Themen, die die Kunden vorgeben. Diese müssen dann eigenständig in Texte und Bilder umgesetzt werden, die final noch einmal mit dem Kunden abgeglichen werden, bevor etwas online geht. Auf eigene Faust veröffentlichen darf man nämlich gar nicht einfach so. "Der Kunde braucht schon sehr viel Vertrauen dafür, dass sich aber erst mit der Zeit entwickeln muss."

Sie berät ihre Kunden außerdem auch in wirtschaftlichen und strategischen Aspekten. "Auf Facebook kann man Beiträge mit Geld bewerben. Wir analysieren, wo es vorteilhaft wäre, etwas im Feed herausstechen zu lassen und geben diese Empfehlung weiter." Es ist ein ständiges Hin- und Her zwischen Social Media Manager und Kunde. Eine Tatsache, die dann frustrierend sein kann, wenn die eigenen Ideen nicht immer direkt angenommen werden. "Das Thema 'Erwartungshaltung' stellt mich regelmäßig vor große Herausforderungen", beginnt Hannah Rees, ebenfalls Social Media Managerin und angestellt bei der elbkind GmbH. "Denn jeder hat ein anderes Maß an Vorstellungskraft. Den Satz 'Das hatte ich mir aber anders vorgestellt...' in meinem Job zu hören, ist alles andere als schön, außer er endet auf '...aber so gefällt es mir viel besser!'"

Neben dem kreativen Aspekt sollte ein Social Media Manager aber auch ein kleines Analytiker-Gen in sich tragen. Denn neben all dem Posten gehört es auch zu seinem Alltag, Kennzahlen auszuwerten und Reportings anzufertigen. Das bedeutet: Views, Likes und Kommentare anzuschauen und dann herauszufinden, welche Art Posting gut funktioniert, welche eher weniger und was es zu optimieren gilt. "Wir sehen zum Beispiel, dass es weiterhin unfassbar gute Klickzahlen bringt, wenn man auf Instagram Essen aus der Vogelperspektive fotografiert", verrät die Social Media Managerin aus Köln. Dann baut man seine Bemühungen in diese Richtung natürlich aus. 

Doch was gehört noch zu diesem Job, außer sich auf Facebook und Co. wohl zu fühlen? "In meinem privaten Umfeld wird es häufiger als Handy- oder Internetsucht bezeichnet. Wir nennen es aber Social-Media-im-Blut-haben oder auch 'digital Native' sein. Es ist unheimlich wichtig all die Plattformen und Tools, die es neben den bekannten Social Media Seiten gibt, nicht nur vom Hörensagen zu kennen, sondern auch auszuprobieren und mit ihnen zu spielen." Nur so könne man laut Rees seine Kunden auch anständig beraten. Man solle auch offen für fremden Input sein und sich gedanklich auf verschiedene Kunden einstellen können, ergänzt die anonyme Social Media Managerin.

Um Social Media Arbeit und Kundenkontakt gleichermaßen gut pflegen zu können, ist es außerdem wichtig, etwas mit dem Begriff 'Multi-Tasking' anfangen zu können. "Wem es schwerfällt, sich gedanklich auf mehr als eine Sache zur gleichen Zeit einzulassen, der wird sicher auch Probleme haben, wenn er einen Redaktionsplan schreibt, dabei über Slack eine Rückfrage aus der Kreation bekommt und gleichzeitig ein Kollege in den Raum fragt, ob jemand eine Idee für einen Aprilscherz für Marke XY hat", findet Rees. Da das Aufgabenfeld eines Social Media Managers aber noch nicht klar definiert ist, kann es auch zu Überschneidungen mit anderen Berufen kommen. Dies wirkt sich auch auf die Gehälter aus, die stark variieren können. Im Durchschnitt kann man hier aber mit 3.000 Euro brutto im Monat rechnen. 

Es gibt heutzutage noch keine direkte Ausbildung, um Social Media Manager zu werden. Auch die beiden befragten Damen sind in ihren Job 'gestolpert' und haben davor bei Firmen gearbeitet, die bereits in Richtung Presse und Kommunikation gingen – bis sie bei Agenturen landeten, die ihre neu entdeckte Leidenschaft nun gänzlich fördern. Dadurch, dass immer mehr Unternehmen die Wichtigkeit des Social Webs erkennen, wird aber auch firmenintern verstärkt an der Personalstruktur des eigenen Social Media Management gearbeitet, sodass nicht nur Kommunikationsagenturen als Bewerbungsziel zur Verfügung stehen. 

Weiterbildungsmöglichkeiten finden sich im Job selbst übrigens genug. Beiden Social Media Managerinnen betonen, wie viel sie über 'trial and error' gelernt haben: "So lernt man am meisten über Formate und Plattformen. Was klappt wie gut? Wie viel Aufwand ist eigentlich mit XY verbunden? Habe ich schon mal XY ausprobiert?"

Eine anwachsende Anzahl von Seminaren, Konferenzen und Messen kommt hinzu, damit man sich auch mit anderen Social Media Profis austauschen kann. Dass so etwas nötig ist, zeigt, dass es in diesem Beruf nicht nur um lustige Posts oder dem Heraussuchen von süßen Tierbildchen geht. In dieser Position, die im Online-Marketing immer mehr an Bedeutung gewinnt, gilt es Unternehmensziele klar zu verfolgen und zu erreichen. Dafür muss man im Grunde rund um die Uhr verfügbar sein. Gerade bei Netzwerken mit vielen Fans und nicht enden wollenden Kundenanfragen, kann der 'Feierabend' ein Fremdwort werden. Viel mehr ist es ein 'Social Life' mit einer Menge Verantwortung. 

Teilen

Kommentare zum Artikel

Vitamin D - das DWDL.de-Karriere-Special

Mehrere tausend Menschen haben über die Jobbörse von DWDL.de bereits einen Platz in der deutschen TV-Wirtschaft gefunden. Zusammen mit der Branche wandeln sich unweigerlich auch Berufsbilder und Anforderungen. Vitamin D - das Karriere-Special - wirft zwei Wochen lang einen redaktionellen Blick auf drängende und überraschende Aspekte des Themas.

DWDL.de-Geschäftsführer Thomas Lückerath: „Mit Vitamin D erweitern wir das journalistische Profil von DWDL.de und den praktischen Mehrwert der DWDL.de-Jobbörse. Das bedeutet: Mehr Service für die Branche und alle, die in ihr arbeiten wollen.“

Volontär/in Communications & PR in München Praktikanten (m/w) Production SPORT1 in Ismaning bei München General Manager // VICE Digital (m/w) Sales in Berlin Multimedia-Redakteur bei TECHBOOK mit Schwerp. Digital u. Technik (m/w) in Berlin Freelancer Marketing Eurosport (m/f) in München Technical Operations Support Engineer (w/m) in Berlin Medienmanager (m/w) Mack Media in Rust Tontechniker (m/w) in Berlin License and Contracts Manager (m/w) in München Redakteur/in in Köln Redaktionsassistent/in in Köln Sekretär/in in Köln Sendetechniker / Mediengestalter / Sendeingenieur (m/w) (CBC) in Grünwald bei München Redakteur (m/w) in Berlin Volontariat in der Newsredaktion in Berlin VJ-Redakteur (m/w) Redaktion Factual Entertainment (NORDDEICH TV) in Hürth bei Köln Social Media / Digital Manager (m/w) in München Sendeablaufplaner (m/w) in München Praktikum Kostümabteilung Produktion Scripted Entertainment (NORDDEICH TV) in Hürth bei Köln Motiv-Aufnahmeleitung (m/w) (NORDDEICH TV) in Hürth bei Köln Festangestellte Cutter FCPX in Vollzeit (m/w) in Berlin Mediengestalter-/in Bild und Ton in München Junior Redakteur (m/w) in Berlin Redakteur (m/w) Bereich Fiction (RTL Television) in Köln Produktionsassistenz Produktion "Ninja Warrior Germany" (NORDDEICH TV) in Hürth bei Köln Assistenz Kostüm Produktion Scripted Entertainment (NORDDEICH TV) in Hürth bei Köln Vertriebsassistent / Booker (m/w) in Köln Festangestellte EB-Kamera-Leute in Berlin Aufnahmeleiter (m/w) Produktion Doku-/Factual Entertainment (NORDDEICH TV) in Hürth bei Köln
Medien © CC0 Public Domain
DWDL.de-Glossar

Moderne Medienberufe: "Was arbeitest du eigentlich?"

Was steckt eigentlich hinter Berufsbezeichnungen wie "Best Boy", "Visual Consultant" oder "Feel Good Manager"? Um einen Überblick über die nebligsten Medienberufe zu geben, haben wir ein kleines Glossar zusammengestellt. » Mehr zum Thema
Eine Freelancerin arbeitet in einem Café © Flickr/www.homethods.com
Zwischen Abhängigkeiten und Freiheit

Das manchmal schwierige Leben der Freelancer

Der permanente Kampf um den nächsten Auftrag, dafür das Recht auch mal Nein zu sagen. In diesem Spannungsfeld befinden sich freischaffende Journalisten, Kameramänner oder auch Schauspieler. Das ist nicht immer einfach. » Mehr zum Thema
Social Media © CC0 Public Domain
Berufsbilder (5)

Social Media Manager: Neugeborene der Digitalisierung

Tweets verfassen, Facebookposts planen und die ein oder andere Nutzeranfrage beantworten. Klingt das nicht nach einem Traumjob, für so gut wie jeden jungen Menschen? Im Gespräch verraten zwei Social Media Managerinnen, dass noch etwas mehr dazu gehört. » Mehr zum Thema
Alexander Thies ist Vorsitzender der Produzentenallianz © Produzentenallianz
Interview mit dem Chef der Produzentenallianz

Thies: "Man sieht uns nicht als Wirtschaftsfaktor"

Alexander Thies hat als Chef der Produzentenallianz in den vergangenen Jahren viel bewegt. Im Interview spricht er über ein vermeintlich veraltetes Fördersystem, Gespräche mit den Privaten und die Herausforderungen für junge Produzenten. » Mehr zum Thema
Wishlist © funk / Outside the Club / Vien Tran-Van
Ring frei für die jungen wilden Produzenten

"Wir wollen Inhalte erschaffen und keine Formulare ausfüllen"

Sie denken bei jungen wilden Produktionsfirmen an die bildundtonfabrik? Doch es geht noch jünger: DWDL.de hat mit den Machern zweier funk-Formate gesprochen. Was sie antreibt, wohin sie wollen und welche Hürden zu überwinden sind... » Mehr zum Thema