"Jane The Virgin" © The CW
Meine Woche in Serie

"Jane the Virgin": Warmherzigkeit, die gerade jetzt guttut

 

Es gibt Zeiten, in denen es schwerfällt, optimistisch zu bleiben. Manchen hilft dann die Zuwendung zur Popkultur. Unsere Kolumnistin Ulrike Klode hat da einen Vorschlag: die kleine, feine Telenovela-Satire "Jane the Virgin".

von Ulrike Klode
28.01.2017 - 11:00 Uhr

Am Tag nach der Amtseinführung bin ich auf eine kleine Liste von "Vulture" gestoßen, in der 13 Serien für jeden Gemütszustand für die ersten Tage mit Präsident Donald Trump empfohlen werden. Und da ist wirklich für jeden (okay, fast - für Trump-Fans eher nicht) etwas dabei: zum Beispiel für Optimisten, für Realisten, für Eskapisten oder für Nihilisten. Am Ende der Liste steht eine Empfehlung für Leute, die eine Erinnerung daran brauchen, dass die Menschheit eigentlich gut ist. Es handelt sich bei dem Tipp ausgerechnet um die Serie, deren zweite Staffel ich in den vergangenen zwei Wochen geguckt habe: "Jane the Virgin".

Und ja, da stimme ich der Autorin zu: "Jane the Virgin" ist die perfekte Serie für all jene, die den Glauben an die Menschheit wiederfinden wollen. Okay, wenn man in einem Satz zusammenfasst, worum es geht, klingt das vielleicht nicht unbedingt so: Es ist eine Liebesgeschichte, die im Stil einer Telenovela erzählt wird, in deren Mittelpunkt eine junge Amerikanerin mit Latino-Wurzeln steht, die als Jungfrau in die Ehe gehen will, aber durch einen sehr blöden Zufall schwanger wird, ohne Sex gehabt zu haben. Zugegeben, ich war auch skeptisch, und es dauerte eine Weile, bis ich mich vergangenes Jahr an die erste Staffel herangewagt habe - es klang mir zu zuckersüß, klebrig und kitschig.  

Aber genau das ist "Jane the Virgin" nicht. Die Serie ist gefühlvoll, tragisch, witzig und überraschend relevant. Und immer schwingt - trotz aller Telenovela-typischen katastrophalen und mitunter brutalen Wendungen - ein Optimismus und eine positive Grundstimmung mit, die ich in vielen aktuellen Serien vermisse. Titelheldin Jane ist eine junge Frau, die mit ihrer Oma und ihrer Mutter in einem winzigen Haus in Miami lebt. Die drei bilden ein Powerhouse. Das Leben hat es ihnen nicht leicht gemacht: Die Oma lebt seit Jahrzehnten illegal in den USA, die Mutter hat Jane mit 16 bekommen und sie ohne Vater großgezogen, und Jane hat schon früh neben der Schule gejobbt. Sie sind offen, warmherzig, erfreuen sich auch an den kleinen Dingen und glauben an das Gute im Menschen - selbst bei denen, die mal vom richtigen Weg abgekommen sind. Hier wird also ein Menschenbild gezeigt, das derzeit selten im Fernsehen zu sehen ist. Und das tut richtig gut.


(via Giphy)

Die erste Staffel habe ich vor etwa einem Jahr gesehen, als ich mir noch keine Gedanken darüber machen musste, was es für die Zukunft meiner Tochter bedeutet, dass ein unberechenbarer Narzisst im Weißen Haus sitzt und mit der Weltordnung rumspielt. Da wirkte die Serie etwas anders auf mich - ich war fasziniert von der Leichtigkeit, mit der hier das Genre Telenovela karikiert und doch nie lächerlich gemacht wird. Ich war begeistert davon, wie liebevoll mit den komplexen Figuren umgegangen wird. Und ja, ich freute mich über die absurden Wendungen und den sehr ironischen Erzähler, der in einem lateinamerikanischen Akzent das Geschehen kommentiert.

Zwar haben die Drehbuchautoren für die zweite Staffel, die von Oktober 2015 bis Mai 2016 in den USA lief, eine Portion Absurdität draufgepackt und an der Erzählstruktur noch ein bisschen gedreht (neue Stilelemente tauchen auf, der Erzähler wird für die Meta-Ebene wichtiger). Und doch wurde mein Blick auf die zweite Staffel, die ich in den Tagen vor und nach der Trump-Machtübernahme geguckt habe, plötzlich ein anderer: Der oben bereits angesprochene unerschütterliche Glaube an das Gute im Menschen trat für mich in den Vordergrund, genauso wie der Optimismus und die innere Stärke, die Jane und ihre Familie antreiben. Und: wie mutig Jane ist. Egal, was passiert, egal, wie tragisch die Geschehnisse sind, Jane steht wieder auf und stellt sich der Herausforderung. Es ist ein Plädoyer für das Gute, für Freundschaft, für Familie - und für Tatendrang. 

Natürlich wird die Welt nicht dadurch besser, dass ich "Jane the Virgin" gucke. Aber ich fühle mich danach etwas weniger schlecht und habe zumindest wieder Hoffnung, dass doch nicht alles so schlimm wird, wie es gerade scheint.

Und ich weiß jetzt ganz sicher: Es ist immer der böse Zwilling!

Und zum Schluss noch zwei Gucktipps: 

Teuflisch: "Lucifer" startet am 1. Februar bei ProSieben, ist aber zum Beispiel auch bei Amazon Video (die erste Staffel ist im Prime-Paket enthalten). Der Teufel, der ausgerechnet in der Stadt der Engel der Polizei beim Ermitteln hilft, wird vom Briten Tom Ellis herrlich dämonisch gespielt. (Hier gibt's übrigens ein DWDL.de-Interview mit ihm.) Reingucken!

Mysteriöse Dinge, die in einem mysteriösen Örtchen passieren: "Wayward Pines" läuft ab 31. Januar bei ZDFneo, gibt's zum Beispiel auch bei Amazon Video, iTunes oder Maxdome.

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"Jane the Virgin": Die beiden bisherigen Staffeln gibt's bei Amazon Video, iTunes und Netflix. Auf Sixx lief die zweite Staffel im Sommer. In den USA läuft seit Oktober die dritte Staffel.

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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