Kristen Bell in "The Good Place" © NBC
Meine Woche in Serie

Wie habe ich Kristen Bell vermisst

 

Unsere Kolumnistin Ulrike Klode wartet noch immer auf die vierte Staffel "Veronica Mars". Zur Überbrückung schaut sie sich immer mal wieder an, was Kristen Bell so treibt - und ist ziemlich begeistert von ihrer neuen Serie "The Good Place".

von Ulrike Klode
25.02.2017 - 11:00 Uhr

Ich gehöre zu der Gruppe von Leuten, die die Hoffnung auf eine vierte Staffel von "Veronica Mars" nicht aufgegeben haben. Und nein, der "Veronica Mars"-Film war kein Abschluss für mich, vielmehr ein Auftakt für die langersehnte Fortsetzung. Warum ist eigentlich Netflix noch nicht auf die Idee gekommen, sich der Serie anzunehmen? Es gibt eine starke Community - die hat schließlich den Film gecrowdfundet -, und es handelt sich um eine Serie, die neben einigen anderen Genres ins derzeit sehr angesagte Young-Adult-Fach einsortiert werden kann. Zwei sehr gute Gründe für Netflix, die alten Staffeln anzubieten und eine neue zu produzieren, finde ich. Und sowohl Hauptdarstellerin Kristen Bell als auch Erfinder Rob Thomas haben bereits mehrfach bekundet, dass sie mitmachen würden. Hallo, Netflix, aufwachen und zuschlagen! Oder, Amazon Video, wie wär's?

Während ich warte, dass einem Sender/Streaminganbieter endlich auffällt, welches Noir-Schätzchen da gehoben werden kann, versuche ich, mir die Zeit angemessen zu vertreiben. Und angemessen bedeutet in diesem Fall: Ich nehme "Veronica Mars"-verwandte Dinge mit, wo ich sie finden kann. Natürlich habe ich das Buch "Veronica Mars: The Thousand Dollar Tan Line" von Rob Thomas und Jennifer Graham gelesen, gleich 2014, als es erschien. Das Faszinierende daran: Sie haben wirklich geschafft, den Erzählton der Figur zu treffen. Ich hatte beim Lesen die ganze Zeit das Gefühl, dass mir Veronica Mars gerade mit Kristen Bells Stimme diesen Fall erzählt. (Das zweite Buch steht auch auf meiner Lese-Liste.)

Dazu gehört auch, dass ich verfolge, was Kristen Bell macht und anschaue, was mir zusagt. Es gibt einiges, was nichts für mich ist, "Bad Moms" zum Beispiel - hier reichte es mir schon, den Trailer anzuschauen, um das zu entscheiden. Und auch "House of Lies" war nicht mein Fall, nach zwei Folgen habe ich aufgegeben. Als dann 2016 verkündet wurde, dass es eine Sitcom geben wird, in der Bell die Hauptrolle spielt, war ich neugierig und hoffte, dass die Serie dieses Mal auch etwas für mich sein würde. Zufälligerweise war ich in den USA, als im September der Pilot von "The Good Place" veröffentlicht wurde - habe ich natürlich sofort angeschaut. Juchhuu! Jubelte ich innerlich, beschloss aber, dass das eine Serie ist, die ich möglichst am Stück gucken wollte. Also wartete ich. Und freute mich, wenn ich die begeisterten Überschriften (ja, natürlich habe ich nur die Überschriften gelesen) der Rezensionen und Recaps in den USA sah. Und in den vergangenen zwei Wochen endlich habe ich die ganze Serie gesehen. Welch' Freude, welch' Lachen!

Natürlich hat "The Good Place" überhaupt nix mit "Veronica Mars" gemein - mit Ausnahme der Hauptdarstellerin. Es geht um das Leben nach dem Tod: Hauptfigur Eleanor Shellstrop (Kristen Bell) stirbt und landet im "good place", da, wo die Guten hinkommen, wird ihr versichert. Also, diejenigen, die im Leben auf der Erde nur gute Taten vollbracht haben. Das Problem an der Sache: Es scheint eine Verwechslung vorzuliegen, denn Eleanor hat nie Gutes getan. Sie war gemein, arrogant und egoistisch. Sie gehört also nicht hier hin. Was soll sie machen? So tun, als gäbe es kein Problem? Allerdings passieren im Paradies plötzlich verstörende Dinge, und es könnte sein, dass die mit Eleanors Anwesenheit zu tun haben.

Entwickelt und geschrieben wurde "The Good Place" von Michael Schur, der auch die wunderbare Serie "Parks and Recreation" erfunden hat. Und genau wie "Parks and Recreation" durchweht die neue Serie ein positives Gefühl. Es tut gut, Eleanor und ihr neues Lebens anzuschauen. Denn sie will bei den Guten bleiben und gibt sich alle Mühe, das zu erreichen. Ja, sie bemüht sich tatsächlich, besser zu werden, im Leben nach dem Tod ein anderer Mensch zu werden. Eine verrückte Botschaft, wenn man sich das genau überlegt. Aber ja, was hier mitschwingt, ist genau das: Jeder kann sich verändern. Sogar die eigentlich widerliche Eleanor Shellstrop.

Und Kristen Bell macht das wunderbar. Sie ist eine tolle Komödiantin. Eigentlich hatte ich daran keine Zweifel, denn auch in der Comedy "Forgetting Sarah Marshall" an der Seite von Jason Segel war sie großartig. Dennoch: Sie zeigt, dass sie auch Sitcom kann. Ihr Mienenspiel macht Spaß, ihr Timing stimmt, und sie ist variabel, ihre Diesseits-Eleanor (bei Rückblicken) ist wirklich herrlich widerlich gespielt, ganz ohne Comedy-hafte Überzeichnung. Ich habe mich schnell mit ihrer jenseitigen Figur identifiziert, weil Kristen Bell sie von Anfang an mit einer Herzenswärme spielt, die überrascht. So, dass bei mir die Frage im Kopf aufpoppte: Wie würde ich reagieren? Eine weitere interessante Frage, die mir allerdings nicht in den Kopf gekommen ist, sondern die ich bei Nerdist.com entdeckt habe: Würde Veronica Mars Eleanor Shellstrop mögen? Diese Frage hat ein Reporter Kristen Bell gestellt, ihre Antwort findet sich hier

Ich finde es wirklich schade, dass die Serie nur 13 Folgen hat und es noch einige Zeit dauert, bis Staffel 2 kommt, denn Kristen Bell hat es mir (mal wieder) angetan. Vielleicht sollte ich in der Zwischenzeit "House of Lies" doch eine zweite Chance geben. Und auf jeden Fall sehr bald mal wieder "Forgetting Sarah Marshall" gucken. (Und "Veronica Mars" sowieso.)


(via Giphy)

Und zum Schluss noch ein Gucktipp: 

Trockener Humor aus Norddeutschland: "Dittsche" geht weiter. Und zwar ab 3. März im WDR. Zwölf neue Folgen mit Olli Dittrich soll es geben - wie gewohnt live am Freitagabend aus einem Imbiss in Hamburg. Wenn auch ohne den Stammgast "Schildkröte": Anfang des Jahres ist der Schauspieler Franz Jarnach gestorben. Aber ich bin mir sehr sicher, dass Olli Dittrich das Fehlen von Schildkröte aufgreift.

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken und lesen, über das ich schreibe?

"Veronica Mars": Alle drei Staffeln gibt es unter anderem bei Amazon Video, iTunes oder Maxdome. Und in meinem DVD-Regal.

"Veronica Mars", der Film: Ist ebenfalls zum Beispiel bei Amazon Video, iTunes oder Maxdome verfügbar. Und auf DVD.

"Veronica Mars: The thousand dollar tan line" von Rob Thomas und Jennifer Graham: Taschenbuch: 336 Seiten - Verlag: Vintage - ISBN-10: 0804170703 - ISBN-13: 978-0804170703

Und auf Deutsch: "Veronica Mars: Zwei Vermisste sind zwei zuviel" von Rob Thomas und Jennifer Graham: Taschenbuch: 336 Seiten - Verlag: script5 - ISBN-10: 3839001757 - ISBN-13: 978-3839001752

"The Good Place": Die erste Staffel ist zum Beispiel bei Amazon Video, iTunes oder Videoload zu sehen.

"Forgetting Sarah Marshall" (hat auf Deutsch übrigens den blöden Titel "Nie wieder Sex mit der Ex"): Gibt es unter anderem bei Amazon Video, iTunes oder Netflix. Und auf DVD.

"House of Lies": Staffel 5 ist derzeit im deutschen Pay-Sender AXN zu sehen. Bei Streaminganbietern ist leider nur Staffel 1 verfügbar und zwar bei folgenden: Amazon Video und iTunes. Staffel 1 bis 5 gibt es auf DVD.

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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