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Meine Woche in Serie

"The Orville" - mit extra viel "Star Trek"-Gefühl

 

Seth MacFarlane hat mit "The Orville" eine Serie erschaffen, die viele "Star Trek"-Fans erfreuen dürfte, findet unsere Kolumnistin Ulrike Klode. Denn er hat sich dem Original überraschend ernsthaft genähert.

von Ulrike Klode
31.03.2018 - 08:36 Uhr

Seth MacFarlanes Serien-Werk hat sich mir bisher nicht erschlossen: Ich kann weder mit "Family Guy" noch mit "American Dad!" was anfangen. Und doch gucke ich "The Orville", sein neues Serien-Werk, mit Vergnügen. Wer - wie ich - eine "Star Trek"-Parodie erwartet hatte, wird enttäuscht: "The Orville" ist im Verhältnis zu "Star Trek" nicht das, was "Spaceballs" im Verhältnis zu "Star Wars" ist. "Spaceballs" ist herrlicher, riesengroßer Quatsch, gespickt mit Anspielungen, und die Witze sind wichtiger als die Geschichte. Hab ich bei "Spaceballs" gerne gesehen, hätte ich mir hier auch angeschaut - doch ob ein solches Konzept tatsächlich eine komplette Serie getragen hätte? 

Was "The Orville" stattdessen ist: eine Hommage mit Augenzwinkern. MacFarlane hat im Grunde das gemacht, was viele "Star Trek: The Next Generation"-Fans gerne machen würden, wenn man sie ließe: Er hat die beliebteste Serie aus dem "Star Trek"-Universum in seinem Sinne fortgesetzt. Natürlich durfte sie nicht so heißen, und natürlich gibt es auch keine anderen namentlichen Anspielungen, schließlich hat der ausstrahlende Sender Fox nicht die entsprechenden Rechte. Dennoch: Wer "Star Trek: The Next Generation" kennt, fühlt sich von der ersten Szene "The Orville" daran erinnert. Und auf eine besondere Art zu Hause. Die Titelmelodie ist sehr nah an der Originalmelodie. Der Vorspann ist so nah an "Star Trek: Voyager", dass er aus einem Paralleluniversum stammen könnte (einen interessanten Vergleich der Intros gibt's hier). Die Brücke und das Innere des Raumschiffs insgesamt sehen aus, als wären sie dem Setdesign der frühen 90er Jahre entsprungen. Die sehr unterschiedlichen Charaktere gehen freundlich und wertschätzend miteinander um. Die Weltordnung der Sternenflotte spiegelt sich in der Weltordnung der Union wider. Und so weiter - die Liste der Parallelen ist lang. Im Grunde auch kein Wunder: Seth MacFarlane hat hinter den Kulissen einige "Star Trek"-Veteranen engagiert.

Zwei weitere Parallelen möchte ich dennoch hervorheben: die Art des Erzählens und die Konflikte. MacFarlane hält sich an der Struktur, die wir von "The Next Generation" kennen: ein Abenteuer pro Episode. Die Crew der "Orville" ist im Weltraum unterwegs, trifft auf unterschiedliche Situationen, mit denen sie umgehen muss. Die Konflikte, um die es in den Abenteuern geht, drehen sich oft - ähnlich wie bei Captain Picard und seiner Besatzung - um moralische Fragen. Und ich ertappe mich dabei, bei manchen Geschichten zu überlegen, wie sie wohl als "Star Trek"-Folge ausgegangen wären.

Ich bin selbst überrascht davon, wie gut die alte Art des Serienerzählens in der alten Verpackung bei mir ankommt. Das Original "The Next Generation" entstand vor 30 Jahren, Serien haben sich seitdem stark verändert. Geschichten, die bei "The Orville" über 43 Minuten erzählt werden, hätten durchaus das Zeug für mehr Wendungen oder einen verschachtelteren Aufbau, also für drei bis zehn Folgen, wenn man es darauf anlegt. Und doch reicht es mir, diese Geschichte nur auf 43 Minuten erzählt zu sehen, deutlich weniger komplex, als ich das von anderen Serien (ja, auch "Star Trek: Discovery") gewohnt bin. 

Ja, es kommen hin und wieder Penis-Witze vor, was nun mal MacFarlanes Handschrift ist. Ja, manchmal ist mir der Pennälerhumor zu übertrieben. Ja, Witze werden hin und wieder auf Kosten anderer Lebensformen gemacht, was bei "Star Trek" undenkbar wäre - und was mich bei "The Orville" sehr stört. Und ja, manchmal ist der Humor gänzlich unpassend - ich denke da zum Beispiel an Folge 6, "Krill", in der der spaßige Ton, den Captain Ed Mercer (Seth MacFarlane) und Lieutenant Gordon Malloy (Scott Grimes) bei ihrem Undercover-Einsatz anschlagen, im Widerspruch steht zu der relativ düsteren Handlung. Vielleicht sollte es ein Stilmittel sein, das ich nicht erkannt habe - für mich hat es nicht zusammengepasst. Doch je mehr Folgen ich schaue, desto eher habe ich den Eindruck, dass da etwas wächst, dass sich da etwas entwickelt, dass Seth MacFarlane sich an den richtigen Ton herantastet. 

Trotz der Schwächen macht es mir Spaß, diese fremde und gleichzeitig wohlbekannte Serienwelt zu betreten, mir die Abenteuer der Besatzung der Orville auf ihrer Reise durchs All anzuschauen. Einen klitzekleinen Wunsch hätte ich dennoch: Vielleicht kann Sir Patrick Stewart in Staffel 2 mal vorbeischauen? Nur ganz kurz?

"The Orville" läuft dienstags um 21.10 Uhr bei ProSieben. Nach Veröffentlichung in Deutschland sind die einzelnen Folgen auch bei Amazon, iTunes oder Maxdome verfügbar.


(via Giphy)

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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