Neues Jahr, neues Glück. Das dachte sich wohl auch die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" und erstellte dafür im Dezember kurzerhand einen eigenen TikTok-Kanal. Damit reiht sich das Regionalmedium in die Liste der 140 Publisher-Accounts, die für die Analyse beobachtet werden. 

Das ist jedoch nicht die einzige Veränderung rund um den Jahreswechsel: Nachdem sich Stern und Spiegel in den vergangenen Monaten und Jahren vor allem mit Foto-Karussellen auf der Kurzvideoplattform etablierten, folgt nun wohl auch hier der große Umschwung. Beide Redaktionen experimentieren seit kurzer Zeit mit Presenter-Videos. Wie in diesem Fall:

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Zahlentechnisch scheint sich die Inhaltsanpassung (noch) nicht zu lohnen. Ein Großteil der moderierten Videos bleibt bisher in einem niedrigen Aufrufbereich und verzeichnete lediglich  wenige hundert Likes. Strategisch gesehen kann sich die Veränderung jedoch auszahlen, Accounts wie RTL Aktuell, WDR-Kanal “nicetoknow” oder die Zeit zeigen regelmäßig, wie reichweitenstark etablierte Host-Inhalte werden können.  

Zudem hat der Umgang mit Hosts weitere Vor- und Nachteile. So bekommen Videos in erster Linie eine persönliche Note und die Gesichter fungieren als visuelle Anker. Gleichzeitig erhöht sich der Produktionsaufwand, weil eine weitere Komponente berücksichtigt werden muss. 

Allerdings nehmen viele TikTok-User die Einbindung von Gesichtern als Anlass, Medienmarken eine politische Agenda vorzuwerfen. Der Hintergrund: Personen werden durch ihre äußerlichen Merkmale von der Community nicht mehr als neutral wahrgenommen und sorgen je nach Themenlage bereits für Furore. Vor allem der Stern scheint Mut zu beweisen und veröffentlicht fortan auf der Plattform neben journalistischen Inhalten sogar ganze Meinungsstücke: 

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Trotz der großen Bemühung - ob mit oder ohne Hosts -  waren Nachrichteninhalte im Dezember augenscheinlich chancenlos. Denn ein Video mit über 13,3 Millionen Aufrufen lief den restlichen Medienmarken den Rang ab. Um welchen Account es sich handelt oder in den Worten von TikTok: 

TikTok-Pause © DWDL

Mit diesen Themen waren Publisher im Dezember auf TikTok erfolgreich

TikTok-Ranking Dezember 2025 © DWDL

10. Platz: FAZ 
Der Gerichtsprozess um Melanie Müller sorgte auf dem Kanal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für mehr als 3,8 Millionen Aufrufe und damit den Sprung in die Charts. Ebenfalls viral: Welcher Alkohol am schnellsten betrunken macht, interessierte 2,4 Millionen Konten. Der Unfall eines Lastwagens auf der B93 führte zu tausenden Scherben sowie 1,2 Millionen Klicks.

9. Platz: Spiegel  
Nach dem Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen generierten Aufnahmen aus einem Parkhaus auf dem Kanal des Spiegels mehr als 4,2 Millionen Aufrufe. Eine weitere Veröffentlichung über den Andrang und Frust der Betroffenen verursachte zusätzliche 1,3 Millionen Sichtungen. Insgesamt wurde die Thematik von diversen Accounts auf TikTok aufgegriffen.

8. Platz: Focus Online 
So konnte auch der Focus den Vorfall in Gelsenkirchen für sich nutzen: Das Interview mit einem Anleger registrierte 4,2 Millionen Klicks sowie mehr als 125.000 Likes. Dafür landet der Kanal auf dem  achten Platz der Publisher-Charts für Inhalte aus dem Dezember.

7. Platz: Stern 
Bei einem Attentat am Bondi Beach in Sydney wurde der Angreifer von einer Privatperson übermannt, die Aufnahmen gingen mit 4,5 Millionen Aufrufe auf dem Kanal des Sterns viral. Ebenfalls reichweitenstark: Die Proteste vor der Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen mit 2,1 Millionen Klicks sowie die dazugehörigen Diebstahl-Aufnahmen im Parkhaus mit 1,8 Millionen Sichtungen.

6. Platz: Deutsche Welle 
Wie sieht eine Massenpanik aus? Für eine Polizeiübung in Taiwan verwandelte sich die Taipei-Metro zum Schauplatz, das Video der Deutschen Welle erreichte mehr als 5,2 Millionen Konten. Spannend: ein zweiter Upload am selben Tag führte zu weiteren vier Millionen Aufrufen für das gleiche Video. Die Diskussion über den Verkauf von Feuerwerkskörpern spielte dem Kanal zudem 2,9 Millionen Klicks ein. 

5. Platz: RTL West 
Für die Blaulichtmeldung von RTL West  über die Festnahme eines 16-jährigen “Intensivtäters” in Herne gab es ebenfalls 5,2 Millionen Aufrufe und mehr als 122.000 Likes. Zudem viral: ein Dachziegel-Hagel in Hagen löste 3,4 Millionen Klicks aus, ein Leichenfund auf der A45 provozierte 1,9 Millionen Sichtungen. 

4. Platz: Tagesschau
“Warum soll ich für dieses Land kämpfen, wenn es mir nicht das Gefühl gibt, dass es für mich kämpft?”, fragte ein junger Mann den Bundeskanzler. Auf dem Kanal der Tagesschau trifft das Video mit 5,9 Millionen Klicks einen Nerv. Zwei weitere Meldungen konnten punkten: Wie Prime-Kunden ihr Geld zurückbekommen, produzierte 4,5 Millionen Sichtungen. Die Meldung zum Putschversuch im westafrikanischen Benin kreierte mehr als zwei Millionen Aufrufe.

3. Platz: ntv
8,4 Millionen Klicks folgten auf die ntv-Aufnahmen von hilflosen Rehen im eisigen Sibirien. Der RTL-Kanal landete damit auf dem dritten Platz der TikTok-Charts. Der “6-7”-Hype bricht mit 4 Millionen Aufrufen ebenfalls nicht ab: eine amerikanische Burgerkette nahm die Nummer aus dem System, nachdem sich öffentliche Tumulte entwickelten. Auch die Gefahrensituation im Zuge des EU-Gipfels in Brüssels bescherte dem Account mehr als 3,3 Millionen Sichtungen.  

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2. Platz: RTL Aktuell
Mit den identischen Aufnahmen wie der Stern zum Amoklauf am Bondi Beach in Sydney kann auch RTL Aktuell das eigene Publikum überzeugen: den zweiten Platz erklimmt der Kanal mit 8,6 Millionen Aufrufen. Die Strategie zieht, denn auch die Szenen des Sparkasseneinbruchs (exakt wie beim Stern zu sehen), gingen mit 7,2 Millionen Klicks viral. Der Sturz der nachgebildeten Freiheitsstatue in Brasilien führte zusätzlich zu 6,9 Millionen Sichtungen. 

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1. Platz: Sky Sport
Reichweitenstärker als alle News-Inhalte im Dezember: der “Denkzettel für Salah” mit 13,3 Millionen Aufrufen. Sky Sport kann sich mit der Fußball-Berichterstattung zum ausbleibenden Einsatz des Star-Spielers den ersten Platz des Publisher-Rankings sichern. Weitere Interaktionstreiber: Der Einlauf mit Kindern von Diogo Jota mit 5,1 Millionen Klicks sowie eine unsportliche Reaktion auf eine Auswechslung von Adeyemi mit 2,1 Millionen Sichtungen. 

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Stand der letzten Abrufe: Freitag, 2. Januar 2026, 18 Uhr.

Offenlegung: Simon Pycha ist als freier Medienanalyst auch für den Westdeutschen Rundfunk tätig und zuständig für die regelmäßige Evaluation des TikTok-Accounts von 1LIVE.