Quoten © DWDL
Endgültig gewichtete Daten nach der Panne

ARD/ZDF etwas schwächer, RTL/ProSieben stärker als gedacht

 

Nach dem Quotenausfall vor wenigen Wochen liegen nun auch wieder die endgültig gewichteten Zahlen vor. Ein kurzer Check zeigt: RTL und ProSieben wurden in den vorläufigen Daten etwas zu niedrig ausgewiesen, ARD und ZDF eher etwas zu stark.

von Timo Niemeier / Uwe Mantel
06.02.2018 - 13:10 Uhr

Mitte Januar gab es aufgrund technischer Probleme bei der GfK für eine Woche lang keine täglichen TV-Quoten. Seit dem 19. Januar lohnt sich das frühe Aufstehen wieder, doch die seither veröffentlichten Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Sie basierten bei Wiederaufnahme der Quotenmessung zunächst nur auf rund 93 Prozent der 5.000 Panel-Haushalte, die eigentlich täglich ihre Daten übermitteln sollen. Aus diesem Grund ließen auch die endgültig gewichteten Daten, die im Normalfall drei Tage nach der Veröffentlichung der ersten Zahlen vorliegen, auf sich warten. Nun wurden diese Daten von der GfK veröffentlicht.

Beim Blick auf die endgültig gewichteten Quoten vom 11. Januar bis zum 1. Februar zeigen sich dabei einige Verschiebungen. So wurden die öffentlich-rechtlichen Sender tendenziell in den bislang veröffentlichten Zahlen etwas zu hoch ausgewiesen, bei den Privaten profitierten vor allem RTL und ProSieben von der Neugewichtung der Zahlen. Wichtig dabei: Ein Stück weit sind Verschiebungen natürlich, da in die endgültigen Daten auch die zeitversetzte Nutzung mit einfließt, die Unterschiede fielen aber deutlich er aus als man das normalerweise gewohnt ist.

Die Veränderungen pro Tag sind nicht in sonderlich groß, aber sie läppern sich: Summiert man alle Änderungen der Tagesmarktanteile zwischen dem 11. Januar und dem 1. Februar auf, dann wurde beispielsweise das ZDF um zusammengenommen rund drei Prozentpunkte höher ausgewiesen, die Veränderungen beim Ersten fallen nur etwas geringer aus. Pro Tag liegt der Unterschied in der Regel damit im Schnitt zwischen 0,1 und 0,2 Prozentpunkten. ARD und ZDF waren also nicht ganz so stark, wie die vorläufigen TV-Quoten es vermuten ließen. Beim Gesamtpublikum profitiert vor allem RTL, das in den 25 Tagen des Zeitraums in Summe ähnlich stark zulegte wie das ZDF verlor.

Ausnahmen bestätigen übrigens die Regel: Beim ZDF ist es die ohnehin schon starke "heute show", die nun im Nachhinein noch einmal deutlich nach oben gewichtet wurde. So erreichte die Ausgabe am 26. Januar 470.000 Zuschauer mehr als ursprünglich ausgewiesen. Der Marktanteil beim Gesamtpublikum stieg von 14,6 auf 16,0 Prozent. Und auch beim jungen Publikum ging es von 10,5 auf 12,5 Prozent nach oben. Besser lief es zudem für "Friesland" (13. Januar) und "Nord Nord Mord" (15. Januar). "Friesland" erhielt im Nachgang noch 160.000 weitere Zuschauer und kam damit auf eine Reichweite von 7,08 Millionen. "Nord Nord Mord" kletterte von zunächst 8,87 auf 9,03 Millionen.

Bei den 14- bis 49-Jährigen ein ähnliches Bild: ARD und ZDF verlieren, während vor allem RTL und ProSieben profitieren. Für beide Privatsender ging es im Schnitt um etwas mehr als 0,1 Prozentpunkt pro Tag nach oben. An einigen Tagen gab es aber ungleich größere Verschiebungen. So lag ProSieben am 15. Januar nicht bei 9,4 Prozent Tagesmarktanteil, sondern eigentlich bei 10,1 Prozent. Einen Tag später waren es eigentlich 9,7 anstatt der zunächst ausgewiesenen 8,9 Prozent. RTL wiederum wurde am 19. Januar, am Tag des Dschungel-Starts, ursprünglich um 0,7 Prozentpunkte zu niedrig ausgewiesen. Diesen Unterschied gab es dann auch noch einmal am 23. Januar.

Auffällig: Bei ProSieben wurde sehr häufig die Sitcom-Schiene am Nachmittag hochgewichtet. Dort gab es plötzlich also mehr Zuschauer als ursprünglich ausgewiesen, auch der Sitcom-Montag profitierte. "Young Sheldon" etwa holte oft noch deutlich bessere Quoten als ausgewiesen, am 22. Januar waren es nicht 18,1, sondern eigentlich 19,3 Prozent - hier schlägt sicherlich zum Teil aber auch die zeitversetzte Nutzung zu Buche, die in der Nachmittagsschiene hingegen kaum zum Tragen kommen dürfte. Bei RTL traf es unter anderem den Dschungel: Alleine die Auftaktshow wurde von 250.000 Menschen mehr gesehen, der Marktanteil in der Zielgruppe wurde nun um 0,8 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Der "Bachelor" lag am 31. Januar nicht bei 20,8, sondern eigentlich bei 21,9 Prozent. Das sind alles Zahlen, die durchaus relevant für die Vermarktung sind.

Es gibt aber auch Privatsender, der nun im Nachgang niedrigere Quoten erzielt haben als zunächst gedacht. Sat.1 und RTL II etwa wurden immer mal wieder nach unten korrigiert. So etwa am 13. Januar, als Sat.1 statt 9,1 eigentlich nur 8,6 Prozent erreichte. Hier waren es vor allem die Scripted Realitys am Nachmittag, die eigentlich schlechter liefen. Aber auch "Harry Potter und der Orden des Phönix" wurde um 0,6 Prozentpunkte nach unten korrigiert. RTL II dagegen büßte im Nachgang am 24. Januar einen halben Prozentpunkt Tagesmarktanteil ein.

Die Schwankungen an einigen, ausgewählten Tagen sind wahrlich enorm. Grundsätzlich profitierten eher die Privaten von den nachgewichteten Daten, während die Öffentlich-Rechtlichen nachträglich etwas verloren. An den grundsätzlichen Machtverhältnissen im Fernsehen, insgesamt als auch beim jungen Publikum, ändert sich jedoch nichts: Das ZDF ist klarer Marktführer beim Gesamtpublikum mit einem hervorragenden Start ins Jahr - statt eines zunächst ausgewiesenen Monatsmarktanteils von 14,2 Prozent, waren es aber nur 14,1 Prozent, auch Das Erste wurde um 0,1 Prozentpunkt auf 12,4 Prozent nach unten korrigiert. RTL hingegen lag beim Gesamtpublikum im Januar nicht bei 9,6, sondern bei 9,7 Prozent, bei den 14- bis 49-Jährigen ging es sogar um 0,2 Prozentpunkte auf 14,3 Prozent nach oben. ProSieben riss beim Gesamtpublikum doch nicht die 4-Prozent-Marke, sondern hielt sie ganz knapp mit 4,0 Prozent, bei den 14- bis 49-Jährigen waren es 8,7 statt 8,6 Prozent. Ein Fehlstart ins Jahr blieb es trotzdem.

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