Quoten © DWDL
Die Monatsmarktanteile im Februar

TV-Markt: ProSieben größter Gewinner, RTL II bleibt im Keller

 

ProSieben stand auch im Februar erheblich besser da als ein Jahr zuvor - dank Erholung am Vorabend und Erfolgen in der Primetime. RTL II verharrte hingegen auf dem 16-Jahres-Tief aus dem Januar. Und RTL landete ohne Dschungel wieder auf dem Boden der Tatsachen

von Uwe Mantel
01.03.2019 - 08:58 Uhr

Im Januar wird das Fernsehen traditionell von RTL (das Dschungelcamp lässt grüßen) und den Öffentlich-Rechtlichen dominiert, der Februar verschaffte den übrigen Privatsendern daher nun fast durchweg etwas mehr Luft zum Atmen und meist deutlich steigende Marktanteile - mit einer Ausnahme: RTL II verharrte nach dem sehr schwachen Januar, als der schwächste Monat seit 2002 eingefahren wurde, auf dem Vormonatswert. Und der liegt bei den 14- bis 49-Jährigen somit nach wie vor bei nur 4,7 Prozent, das waren 0,9 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Weil kabel eins gleichzeitig zulegte, beträgt der Rückstand auf kabel eins nun schon einen halben Prozentpunkt.

Es ist dabei weniger die Primetime, die RTL II Probleme bereitet. Mit den "Wollnys" und den "Geissens" befinden sich im Gegenteil gleich zwei altgediente Dokusoaps dort derzeit in bester Verfassung. RTL II leidet stattdessen vor allem unter einer Schwäche im Tagesprogramm. Nachmittags sind in diesem Jahr mit "Chartbreaker" und "Ibiza Diary" schon zwei Formate gefloppt, erst in den letzten Tagen gelang es, mit der Allzweck-Waffe "Hartz und herzlich" die Quoten wieder zu stabilisieren. Dazu kommt, dass die Soaps am Vorabend weit unter den üblichen Werten liegen, insbesondere "Berlin - Tag & Nacht".

"Berlin - Tag & Nacht" erreichte im Februar 2019 im Schnitt 6,7 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. Das ist natürlich nicht schlecht, aber ein Jahr zuvor waren es noch 9,3 Prozent. Für "Köln 50667" ging es im Jahresvergleich von 9,3 auf 7,1 Prozent nach unten. Dazu kam noch, dass die Wiederholungen am Nachmittag miserabel liefen (und daher inzwischen gestrichen wurden). Doch es gibt Lichtblicke: Die letzten Tage waren die erfolgreichsten in diesem Monat, gut möglich also, dass die Filmpool-Produktionen wieder die Kurve bekommen haben. Der Aufschwung verhinderte in jedem Fall schonmal ein neues Monats-Tief, das lange Zeit noch zu befürchten stand. Von der weiteren Entwicklung wird es maßgeblich mit abhängen, ob sich RTL II generell wieder fangen kann.

Bei kabel eins sieht es genau andersherum aus: Nachmittag und Vorabend zeigten sich dort zuletzt gestärkt und weil auch die Primetime ziemlich gut lief - besonders die "Trucker Babes" machen hier neben diversen Film-Erfolgen Freude - steht der Sender deutlich besser da als im Vorjahr. 5,2 Prozent betrug der Monatsmarktanteil beim Gesamtpublikum, 0,3 Prozentpunkte mehr als im Januar, 0,6 Prozentpunkte mehr als im Februar des vergangenen Jahres. Beim Gesamtpublikum beträgt der Vorsprung auf RTL II sogar einen ganzen Prozentpunkt: 3,7 Prozent Monatsmarktanteil stehen da 2,7 Prozent gegenüber.

ProSieben bestätigt deutlichen Aufschwung, Sat.1 etwas erholt

Wie stark das Abschneiden eines Senders von der Lage am Vorabend und der Daytime abhängt, kann man auch bei den beiden größeren Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe beobachten. Vor einem Jahr ging es ProSieben auch deshalb schlecht, weil die "Simpsons" und "Galileo" schwächelten. Dass beides wieder bedeutend besser läuft (+3 Prozentpunkte für "Die Simpsons", +2 Prozentpunkte für "Galileo") und sich auch "taff" in Höchstform präsentiert (+2,8 Prozentpunkte) legte den Grundstein für den deutlichen Aufschwung bei ProSieben.

Wenn dann auch noch eine an vielen Tagen gut laufende Primetime - von den Sitcoms am Montag über "Das Ding des Jahres" am Dienstag, die "Topmodels" am Donnerstag, die Shows am Samstag und nun auch "Mysterious Mermaids" am Mittwoch - dazu kommt, dann spiegelt sich das in einem um 1,5 Prozentpunkte höheren Monatsmarktanteil als im Vorjahr wieder: Statt für 9,1 reichte es diesmal für 10,6 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Kein andere Sender konnte ähnlich stark zulegen. Auch im Vergleich zum Januar ging es 1,1 Prozentpunkte nach oben. Einen bessern Monat hat ProSieben zuletzt im Herbst 2016 erlebt.

Sat.1 hingegen hängt am Vorabend im tiefen Quotental fest, was nur dadurch teilweise ausgeglichen wird, dass es nachmittags wieder besser aussieht als im Vorjahr. In der Primetime hingegen läut es weiterhin nicht rund. Die eigenproduzierten Serien enttäuschten auf der ganzen Linie, die US-Ware blieb ebenfalls blass und konnte sich erst gegen Ende des Monats etwas berappeln, ähnlich wie "Das große Promi-Backen", das mit erheblichen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Wie gut, dass zumindest der Sonntag mit  "The Voice Kids" und "The Biggest Loser" ein Erfolg bleibt.

Vom miserablen Januar konnte sich Sat.1 damit wieder etwas erholen, mit 7,8 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen sah es aber trotzdem nicht allzu gut aus. Immerhin: Der Februar des vergangenen Jarhes war sogar noch etwas schwächer, das war allerdings damals nach dem WM-Juni auch der zweitschwächste Monat des Jahres. Beim Gesamtpublikum erreichte Sat.1 6,0 Prozent Marktanteil, ProSieben kam hier auf 4,6 Prozent.

Dschungel-Effekt: RTL unter Vorjahr, Vox erholt sich

Nach dem fulminanten Januar, in dem RTL mit 15,1 Prozent Marktanteil auch deutlich besser abschnitt als im vergangenen Jahr, folgte im Februar die Landung auf dem Boden der Tatsachen - und das bedeutete für RTL einen Marktanteil von 11,7 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Damit wurde der Vorjahreswert noch um 0,4 Prozentpunkte unterboten - was sich allerdings teilweise auch dadurch erklären lässt, dass das Dschungelcamp diesmal komplett in den Januar fiel, während im vergangenen Jahr die Endphase im Februar lief. Das stärkte also 2019 den Januarwert, drückte aber die Februar-Quoten.

Dazu kommt noch, dass die Nachmittags-Schiene weiterhin Probleme bereitet - dort muss man sich derzeit wieder mit der doppelten Portion Scripted Reality behelfen, befindet sich also noch in der Umbau-Phase, dazu liefen die Dienstags-Serien ernüchternd, donnerstags sah mit dem "Lehrer" und den Sitcoms nicht mehr ganz so gut aus wie im Vorjahr und auch "Der Bachelor" oder "Big Bounce" blieben zwar Erfolge, liefen aber etwas schwächer als im vergangenen Jahr. Mit einem Vorsprung von 1,2 Prozentpunkten blieb RTL aber natürlich Marktführer bei den 14- bis 49-Jährigen und beim Gesamtpublikum zumindest der stärkste Privatsender. 7,7 Prozent Marktanteil sind hier allerdings trotzdem ein zunehmend ernüchternder Wert, das ZDF hotle fast sechs Prozentpunkte mehr.

Schwestersender Vox konnte sich nach dem vermasselten Jahresstart im Februar wieder berappeln. Der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen zog um einen ganzen Prozentpunkt auf an und lag nun bei 7,1 Prozent - und damit wieder auf Vorjahres-Niveau, das man im Januar noch deutlich verpasst hatte. Geholfen hat dabei unter anderem die gelungene Rückkehr des Highlights "Kitchen Impossible" am Sonntag, "Wir sind klein und ihr seid groß" lief am Montag auch nicht schlecht. Beim Gesamtpublikum setzte sich Vox mit einem Marktanteil von 4,7 Prozent unterdessen zum ersten Mal seit November wieder gegen ProSieben durch.

Das ZDF gibt ab und dominiert trotzdem

Wie gerade schon angesprochen: Beim Gesamtpublikum konnten die Privaten den Öffentlich-Rechtlichen auch im Februar wenig entgegen setzen. Marktführer war hier einmal mehr das ZDF, das allerdings weniger stark dominierte als noch im Januar. Der Monatsmarktanteil ging um 1,5 Prozentpunkte auf 13,5 Prozent zurück, während Das Erste im Vergleich zum Januar nur 0,1 Prozentpunkte einbüßte und damit den Rückstand ein bisschen verkürzte. Mit einem Monatsmarktanteil von 11,9 Prozent kann man aber weiterhin nicht von Schlagdistanz sprechen.

Fürs ZDF gilt aber auch im Februar zu konstatieren: Das Publikum des Hauptprogramms war ziemlich alt. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag der Monatsmarktanteil nämlich nur bei 5,6 Prozent, das waren 1,1 Prozentpunkte weniger als im Januar. Das Erste war hier wie üblich deutlich besser aufgestellt und erzielte gute 6,9 Prozent Marktanteil in der jüngeren Altersgruppe.

Die Monatsmarktanteile im Überblick

  MA ab 3
+/-
Vormonat
+/-
Feb 18
MA 14-49 +/-
Vormonat
+/-
Feb 18
Das Erste
11,9 -0,1
-1,5
6,9
-0,3
-0,9
ZDF
13,5
-1,5
-1,1
5,6
-1,1
-1,6
RTL
7,7
-1,9
-0,7 11,7
-3,4
-0,4
Sat.1
6,0
+0,4
+0,3
7,8
+0,7
+0,2
ProSieben
4,6
+0,4
+0,5 10,6
+1,1
+1,5
Vox
4,7
+0,5
-0,1
7,1
+1,0
+/-0
RTL II
2,7
+/-0
-0,4 4,7
+/-0
-0,9
kabel eins
3,7
+0,3
+0,5
5,2
+0,3
+0,6

Die Spalte +/- gibt die Veränderung im Vergleich zum Vormonat bzw. zum Vorjahresmonat an. Quelle: DWDL-Recherche

Die meistgesehenen Sendungen des Monats 

  Gesamtpublikum Zielgruppe 14-49
Das Erste Tatort: Das verschwundene Kind Tatort: Das verschwundene Kind
ZDF Die Toten vom Bodensee - Der Stumpengang Die Toten vom Bodensee - Der Stumpengang
RTL Wer wird Millionär?
DSDS
Sat.1 The Voice Kids
Fack ju Göhte 2
ProSieben The Big Bang Theory
The Big Bang Theory
Vox Kitchen Impossible
Kitchen Impossible
RTL II Die Wollnys
Die Wollnys
kabel eins Auf der Jagd
Trucker Babes - 400 PS in Frauenhand

Wie sich die kleineren Sender geschlagen im Januar geschlagen haben, lesen Sie am Nachmittag in Teil 2 unserer Monatsmarktanteils-Analyse

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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