Für den Monat November lassen sich zwei klare Gewinner und zwei klare Verlierer benennen. Richtig gut lief es für die Öffentlich-Rechtlichen, nicht zuletzt, weil es auch ein nachrichtlich starker Monat war, getrieben von Corona und der US-Präsidentschaftswahl. Und dass die Öffentlich-Rechtlichen aufgrund des höheren Durchschnittsalters und der dadurch geringer ausgeprägten Streaming-Begeisterung ihres Stammpublikums in Lockdown-Zeiten überdurchschnittlich profitieren, hatte man darüber hinaus ja auch im Frühjahr schon beobachten können.

Alles in allem führte es jedenfalls dazu, dass das ZDF seinen Marktanteil beim Gesamtpublikum weiter auf nun 14,2 Prozent beim Gesamtpublikum ausbauen konnte - das waren ein halber Prozentpunkt mehr als noch im Oktober und sogar 1,2 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Das Erste war ebenfalls deutlich im Aufwind und steigerte sich auf einen Marktanteil von 11,9 Prozent beim Gesamtpublikum. Noch deutlicher legten Das Erste als auch das ZDF beim jüngeren Publikum zu. Auch hier ist der Vergleich zum Vorjahres-November besonders beeindruckend. Das Erste steigerte sich um 1,3 Prozentpunkte auf nun 7,8 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen - und zog damit sogar an Sat.1 vorbei. Das ZDF lag mit nun 7,0 Prozent Marktanteil sogar zwei Prozentpunkte besser im Rennen als ein Jahr zuvor. Besonders bemerkenswert: Zuletzt gelang dem ZDF freitags bei den 14- bis 49-Jährigen mit der "heute-show" sogar der Tagessieg - und das Zusammenspiel mit Böhmermann funktioniert blendend und macht das ZDF auch nach 23 Uhr noch locker zum Marktführer.

Vox und Kabel Eins mit den schwächsten Quoten seit vielen Jahren

Die großen Verlierer des Monats November muss man ebenfalls nicht lange suchen: Sie heißen Vox und Kabel Eins. Vox fiel auf einen Monatsmarktanteil von nur noch 5,9 bei den 14- bis 49-Jährigen zurück. Einen Marktanteil von weniger als 6 Prozent in der klassischen Zielgruppe fuhr der Sender in den letzten Jahren nur in den WM/EM-Monaten im Sommer 2014 und 2016 ein, doch lässt man diese Sonder-Situation mal außen vor, dann muss man schon bis in den November 2004 zurückgehen, um einen schwächeren Vox-Monat zu finden. Im Vergleich zum November des Vorjahres stürzte der Marktanteil massiv um 1,4 Prozentpunkte ab.

Während es Vox in den letzten Jahren meist gelungen ist, stets einen Quotenhit als Stützpfeiler im Programm zu haben, so sah es im November hier düster aus. "Grill den Henssler" offenbarte am Sonntagabend überraschende Schwächen und unterbot sein einst so tolles Quotenniveau sonntags deutlich. Und "Die Höhle der Löwen", die in den letzten Jahren noch bis in den November lief, war zugunsten einer Frühjahrsstaffel diesmal eben auch schon im Oktober zu Ende. Mit "Lucie. Läuft doch!" scheiterte die nächste Serien-Eigenproduktion - und die serielle US-Ware machte ebenfalls weiterhin größte Sorgen. Trotz Sommerhaus-PR war mit "Caro und Andreas" Montag nicht viel zu holen, "Prince Charming" floppte in Staffel 2 trotz kürzerer Wartezeit nach der TVNow-Premiere. Und dann kippte zuletzt auch noch die Bastion am Sonntag-Vorabend, wo Anfang des Monats noch die "Beet-Brüder" stark liefen, "Wilkes Welt" dann aber total floppte. Dass auch die "Schönste Braut" am Nachmittag kein Hit ist und der Vorabend sich ebenfalls nicht in Bestform präsentierte, machte die Misere komplett.

Bei Kabel Eins deutete sich die Talfahrt schon im Oktober an, im November ging's aber noch weitere 0,2 Prozentpunkte nach unten auf nur noch 4,3 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Unser Archiv reicht bis Anfang 2002 zurück - seither haben wir noch erst einmal einen so schlechten Wert für Kabel Eins notiert, und zwar während der WM 2006 im eigenen Land. Ob "PS-Perlen", Rosin oder "Die Klinik" - mit Eigenproduktionen konnte Kabel Eins nicht punkten, selbst die "Trucker Babes" taten sich schwerer als gewohnt. Dazu fiel der Vorabend in alte Schwächen zruück, "Achtung Kontrolle" kam im Schnitt eben auch nicht mehr über 4,2 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe hinaus, "Mein Lokal, Dein Lokal" schlug sich zwar ein wenig besser, hat aber den schwächsten Monat seit zwei Jahren hinter sich.

Verglichen mit diesen Talfahrten hält sich RTLzwei, der dritte im Bunde der Privatsender der zweiten Generation derzeit sogar noch recht wacker. Nachdem der Sender ab März sechs Monate lang bei unter 5 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe festhing, stand nun zum dritten Mal in Folge wieder eine 5 vor dem Komma. Allerdings nur denkbar knapp, der Marktanteil lag bei genau 5,0 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Das war zwar im Vergleich zum Vormonat und Vorjahresmonat ebenfalls ein Rückgang, er fiel aber minimal aus und war nicht zu vergleichen mit dem Abrutschen von Kabel Eins und Vox.

ProSieben, Sat.1 und RTL halten sich stabil

Die Schwäche von Vox führte sogar dazu, dass ProSieben im November erstmals seit knapp zwei Jahren wieder einen höheren Marktanteil beim Gesamtpublikum al der Konkurrent aus Köln verzeichnete. Stabile 4,3 Prozent reichten, um knapp vor Vox zu landen, das 4,2 Prozent erzielte. Auch bei den 14- bis 49-Jährigen hielt sich ProSieben stabil und erzielte 9,5 Prozent - und das ist fast ein wenig verwundertlich, denn ProSieben fuhr etliche Quotenhits auf. "The Masked Singer", "The Voice", "Duell um die Welt", "Schlag den Star" - im Showbereich spartet man nicht an großen Geschützen und erzielte damit auch richtig gute Quoten. Doch zweistellige Marktanteile scheinen dem Sender einfach nicht mehr vergönnt. Zuletzt hatte man diese im März 2019 erreichen können.

Ebenso wie ProSieben bewegte sich auch Sat.1 zumindest beim jüngeren Publikum auf Vormonats- und Vorjahresmonatsniveau und erzielte 7,6 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. "The Voice" und "Das große Backen" hießen dort die größten Hits - zusätzlich zum erneut bärenstarken "Frühstücksfernsehen", das wieder über 16 Prozent Marktanteil holte und zudem mit der Vormittagsshow auch noch einen Ableger mit ordentlichem Einstand und Potential nach oben bekam. Mit "Pretty in Plüsch" landete man aber auch einen kapitalen Flop. Ein ungelöstes Problem bleibt überdies nach wie vor der Vorabend, an dem auch mit den Gameshows keinerlei Besserung in Sicht ist.

Die Marktführung in der klassischen Zielgruppe verteidigte einmal mehr RTL, das den Oktober-Wert von 11,4 Prozent ebenfalls verteidigte - allerdings damit den November-Wert des Vorjahres deutlich um 0,8 Prozentpunkte verpasste. Auf der Haben-Seite stehen hier vor allem "Bauer sucht Frau" und "Ninja Warrior Germany". Fraglos enttäuschend ist hingegen, wie stark das "Supertalent" früheren Quoten hinterherhinkt. Und ähnlich wie Sat.1 findet auch RTL keine Lösung für sein Dauerproblem, das dort am Nachmittag liegt.

Die Monatsmarktanteile im Überblick

  MA ab 3
+/-
Vormonat
+/-
Nov 19
MA 14-49 +/-
Vormonat
+/-
Nov 19
Das Erste
11,9 +0,6
+0,6
7,8
+0,6
+1,3
ZDF
14,2 +0,5
+1,2
7,3
+0,7
+2,0
RTL
8,2
+0,4
-0,5
11,4
±0 -0,8
Sat.1
5,4
-0,4
-0,7
7,6
±0 ±0
ProSieben
4,3
±0 +0,1
9,5
±0 -0,1
Vox
4,2
-0,3
-0,6
5,9
-0,8
-1,4
RTLzwei
2,8 +0,1
-0,1
5,0
-0,1
-0,2
Kabel Eins
3,2
±0 -0,5
4,3
-0,1
-0,7

Die Spalte +/- gibt die Veränderung im Vergleich zum Vormonat bzw. zum Vorjahresmonat an. Quelle: AGF / DWDL-Recherche

Die meistgesehenen Sendungen des Monats

  Gesamtpublikum Zielgruppe 14-49
Das Erste Tatort: Limbus
Tatort: Limbus
ZDF ZDF Sport Extra: Nations League: Deutschland vs. Ukraine
ZDF Sport Extra: Nations League: Deutschland vs. Ukraine
RTL RTL Fußball: Deutschland - Tschechien Bauer sucht Frau
Sat.1 The Voice of Germany
The Voice of Germany
ProSieben The Masked Singer
The Masked Singer
Vox Die Beet-Brüder
Die Beet-Brüder
RTLzwei
Die Reihmanns - Ein außergewöhnliches Leben
Hartes Deutschland - Leben im Brennpunkt
Kabel Eins
Der Tag, an dem die Erde stillstand
Jäger des verlorenen Schatzes

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