Was für ein Jahresstart für die öffentlich-rechtlichen Sender: Der neuerliche Lockdown spielte niemandem so sehr in die Karten wie dem Ersten und dem ZDF. Das lag zum Teil sicherlich an dem tendentiell älteren Publikum, das noch weniger stark auf Streaming-Dienste ausweicht und den klassischen Sendern dadurch erheblich mehr Zuschauer bescherte. Man denke dabei nur an die Krimireihen auf beiden Sendern, die Reichweitenrekorde am laufenden Band aufstellen. Besonders bemerkenswert: Im Ersten knackte "Nord bei Nordwest" die 10-Millionen-Marke - was sonst allenfalls dem "Tatort" gelingt. Im ZDF lag "Reqium für einen Freund" bei rund neuneinhalb Millionen Zuschauern.

Doch auch bei den Unter-50-Jährigen waren die beiden öffentlich-rechtlichen Sender weit überdurchschnittlich gut unterwegs. Im Januar zog nun auch das ZDF bei den 14- bis 49-Jährigen an Sat.1 vorbei und erreichte 7,2 Prozent Marktanteil in der jungen Altersgruppe, 0,9 Prozentpunkte mehr als noch ein Jahr zuvor. Vor allem war es aber Das Erste lag im Januar schon den dritten Monat in Folge vor Sat.1 - und zwar deutlich. Mit nun 8,6 Prozent Marktanteil in dieser Altersgruppe - nochmal ein halber Prozentpunkt mehr als im Dezember und zwei Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor - rückte sogar schon ProSieben langsam in Sichtweite, nur 0,2 Prozentpunkte trennten die beiden Sender noch. Bemerkenswerte Zahlen, zu denen neben den Krimis natürlich auch die Info-Angebote rund um Corona und die USA sowie Wintersport und Fußball beigetragen haben, im Ersten liefen aber auch Shows wie "Wer weiß denn sowas XXL" und "Klein gegen Groß" mit über 15 Prozent Marktanteil bei den jüngeren Zuschauern.

Beim Gesamtpublikum behielt in der Endabrechnung das ZDF einem Monatsmarktanteil von 15,1 Prozent die Oberhand. Im Vergleich zum Januar 2020 war das ein Zugewinn von 1,2 Prozentpunkten und bedeutete den stärksten Januar-Wert seit sage und schreibe 25 Jahren. Das Erste übertraf sein Ergebnis des Vorjahresmonats um 1,1 Prozentpunkte und kam auf 13,0 Prozent. Bei beiden Sendern muss man bis in den Sommer 2018 zu den WM-Monaten zurückgehen, um noch höhere Werte zu finden, auch im Frühjahrs-Lockdown wurde das Quotenniveau aus dem Januar bei Weitem nicht erreicht.

RTL ohne den typischen Januar-Boost

Normalerweise ist der Januar auch für RTL ein Selbstläufer. Das Dschungelcamp und drumherum auch "DSDS", "Bachelor", Serien wie "Der Lehrer". Doch wegen der Corona-bedingten Reisebeschränkungen musste RTL auf seinen größten Quotenbringer des Jahres bekanntlich verzichten, die ersatzweise angesetzte "Dschungelshow" war mit im Schnitt fast 19 Prozent Marktanteil über zwei Wochen hinweg zwar ebenfalls ein Erfolg, aber natürlich auf ganz anderem Niveau wie das reguläre Dschungelcamp. Und obendrein schwächelten dann auch noch die Klassiker wie "DSDS", das dienstags mehrfach das Show-Duell mit ProSieben verlor, aber auch "Der Bachelor" und die Serien am Donnerstag erreichten nicht die Flughöhe der vergangenen Jahre. Die immer zahlreicheren, erfolgreichen Corona-Specials um 20:15 Uhr konnten das nicht kompensieren.

Wenig hilfreich war dann natürlich auch, dass der Nachmittag so desolat da steht wie lange nicht. Jedenfalls kam RTL im Januar 2021 nur auf einen Marktanteil von 11,0 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, das waren ganze vier Prozentpunkte weniger als noch ein Jahr zuvor. Zwar wurde der Dezember-Wert wieder leicht übertroffen, doch RTL lag damit noch unter dem Quotenniveau, das im Oktober und November erreicht worden war. Beim Gesamtpublikum belief sich der Monatsmarktanteil diesmal auf 7,5 Prozent, 2,1 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Statt wie seit zwei Jahrzehnten üblich mit viel Rückenwind startet RTL nun also ohne Dschungel-Schub ins neue Jahr - das wird auch auf Jahressicht schwer wettzumachen sein.

Sat.1 rutscht unter 7 Prozent, ProSieben hält sich wacker

Während bei RTL nur der übliche Aufschwung ausblieb, steckte Sat.1 zum Start ins Jahr 2021 in richtig großen Problemen. Zwar konnte das "Frühstücksfernsehen" den besten Monatsschnitt seit 2011 verzeichnen, doch dafür waren im weiteren Verlauf des Tages die Sorgen um so größer. Nachdem sich der Sender im Herbst stabilisiert zu haben schien, rutschte der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen nun sogar unter die 7-Prozent-Marke. 6,9 Prozent stehen am Ende des Monats nur auf dem Konto - ähnlich schlecht lief es in den letzten Jahrzehnten nur einmal, im WM-Monat Juni 2018. Doch diesmal war eben keine WM, mit dem passenden Programm hätten auch die Privaten im Lockdown punkten können.

ProSieben gelang das etwas besser. Positiv bleibt dort nicht nur der erfolgreiche Show-Neustart "Wer stiehlt mir die Show?" in Erinnerung, auch die Entscheidung, mehr Football denn je zu übertragen, zahlte sich aus. Alles in allem belief sich der Marktanteil auf 8,8 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen und lag damit zumindest auf dem Niveau des Vorjarhesmonats - das gelang sonst keinem anderen großen Privatsender. Der miserable Dezember-Marktanteil wurde um einen 0,4 Prozentpunkte übertroffen. Zum Vergleich: Sat.1 lag 0,8 Prozentpunkte unter dem Dezember und 0,7 Prozentpunkte unter dem Vorjahresmonats-Wert.

Kabel Eins bricht völlig ein, RTLzwei erobert 5-Prozent-Marke zurück

Neben Sat.1 hat Seven.One Entertainment gleich noch ein zweites großes Sorgenkind: Kabel Eins. Nach einem erfolgreichen Sommer 2020 brachen die Quoten dort schon im Oktober deutlich ein und pendelten im Herbst nur noch um 4,4 Prozent. Zum Start ins neue Jahr wackelte nun gar die 4 vor dem Komma, letztlich reichte es für genau 4,0 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Unser Monatsmarktanteils-Archiv reicht zwanzig Jahre zurück - einen so niedrigen Wert haben wir noch nie notiert. Im Vergleich zum Januar 2020 ging es um auf dem geringen Marktanteilsniveau um so heftigere 0,8 Prozentpunkte nach unten. Schon das einst so starke Tagesprogramm machte im Januar Probleme, die sich am Vorabend fortsetzten, in der Primetime lief es zwar für die "Trucker Babes" gut, dafür funktionierten diesmal viele der Film-Klassiker nicht wie gewohnt. Die Probleme treten also an zahlreichen Stellen auf.

Bei RTLzwei dürfte man unterdessen durchatmen, nach dem mauen Dezember wurde im Januar die 5-Prozent-Marke wieder problemlos zurückerobert, der Marktanteil in der klassischen Zielgruppe zog auf 5,1 Prozent an. Damit lag man nur minimal unter dem Wert des Vorjahres. Beim Gesamtpublikum verharrte RTLzwei bei 2,8 Prozent Marktanteil. Vox hielt sich programmlich im Januar noch spürbar zurück. Dass es ähnlich wie im Vorjahr auch diesmal nicht für mehr als 6,2 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen reichte, dürfte daher kaum überraschen. Immerhin war das aber schon wieder ein kleines bisschen mehr als im November und Dezember. Doch der Winter 2020/21 wird Vox aus Quotensicht nicht in guter Erinnerung bleiben.

Die Monatsmarktanteile im Überblick

  MA ab 3
+/-
Vormonat
+/-
Jan 20
MA 14-49 +/-
Vormonat
+/-
Jan 20
Das Erste
13,0 +0,9
+1,1
8,6
+0,5
+2,0
ZDF
15,1 +1,7
+1,2
7,2
±0 +0,9
RTL
7,5
±0 -2,1
11,0
+0,3
-4,0
Sat.1
5,1
-0,3
-0,7
6,9
-0,8
-0,7
ProSieben
3,6
-0,2
-0,2
8,8
+0,4
±0
Vox
4,3
+0,1
-0,1
6,2
+0,1
-0,1
RTLzwei
2,8 ±0 ±0 5,1
+0,3
-0,1
Kabel Eins
3,0
-0,3
-0,4
4,0
-0,5
-0,8

Die Spalte +/- gibt die Veränderung im Vergleich zum Vormonat bzw. zum Vorjahresmonat an. Quelle: AGF / DWDL-Recherche

Die meistgesehenen Sendungen des Monats

  Gesamtpublikum Zielgruppe 14-49
Das Erste Tatort: Der Tod der Anderen
Tagesschau (3.1.)
ZDF Requiem für einen Freund
Handball-WM: Spanien - Deutschland
RTL RTL aktuell (10.1.)
Ich bin ein Star - Die große Dschungelshow (Folge 1)
Sat.1 Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer
Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer
ProSieben Avengers: Infinity War
Wer stiehlt mir die Show?
Vox Harte Hunde - Ralf Seeger greift ein
Hot oder Schrott - Promi Spezial
RTLzwei
Und täglich grüßt das Murmeltier
Und täglich grüßt das Murmeltier
Kabel Eins
Miss Marple: Mörder Ahoi
Trucker Babes - 400 PS in Frauenhand

Quelle: DWDL-Recherche / nur vorläufig gewichtete Quoten