Am morgigen Freitag veröffentlicht die IVW wieder die Auflagenzahlen der Print-Branche - seit vielen Jahren ja für den Großteil der Titel kein allzu vergnügliches Event angesichts der teils rapide sinkenden Verkaufszahlen. Da sticht es heraus, dass "Der Spiegel" und "Die Zeit" seit einiger Zeit gegen den Trend ein deutliches Auflagen-Wachstum ausweisen können, im letzten Quartal lag das beim "Spiegel" bei über sechs, bei der "Zeit" sogar bei mehr als zehn Prozent im Vorjahrsvergleich. Zurückzuführen ist dieser Aufschwung allerdings weniger auf neue Print-Käufer als auf die Tatsache der rapide steigenden Digital-Abos für Spiegel+ und Zeit+, die die jeweiligen E-Paper, aber auch die übrigen Bezahl-Artikel auf der Website umfassen, und aufgrund eines ähnlichen Preis-Niveaus im Vergleich zum reinen Print-Abo auch mit in die vermeintliche "Print"-Auflage einfließen.

Bei anderen Angeboten wie "Bild" und "Welt" ist das in dieser Weise nicht möglich - wie erfolgreich Springer mit diesen beiden Marken online im Paid-Content-Bereich ist, weist die IVW aber einzeln in einer eigenen Aufstellung auf. So zählte "Bild+" im Dezember im Schnitt 592.796 zahlende Nutzerinnen und Nutzer pro Tag und ist damit mit Abstand das meistgenutzte journalistische Paid-Content-Angebote im Web in Deutschland. Eigentlich noch bemerkenswerter ist allerdings eigentlich, dass die "Welt", die gedruckt zumindest unter der Woche inzwischen nur noch auf eine harte Auflage von etwas mehr als 40.000 Exemplaren kommt (3. Quartal, Abo+Einzelverkauf), online im Dezember 180.621 Personen zur Nutung des Bezahl-Angebots bewegen konnte. Binnen eines Jahres stieg diese Zahl um über 42.000 oder mehr als 30 Prozent an.

Entwicklung der Paid-Content-Nutzung 2021

Um dieses Diagram sehen zu können, aktivieren Sie bitte Javascript in den Einstellungen Ihres Browsers.
Quelle: IVW; Aufbereitung: DWDL
dwdl.de/zahlenzentrale
Bild+
Welt+
SZ Plus
F+ (FAZ)

Das prozentual stärkste Wachstum verzeichnete online zuletzt aber die "Süddeutsche Zeitung", die mit ihrem "SZ Plus" später am Markt war, inzwischen aber auch schon 113.554 Kundinnen und Kunden zählt. Binnen eines Jahres stieg ihre Zahl um sagenhafte 54,3 Prozent. Von einem Aufholen auf die Springer-Titel kann man allerdings trotzdem nicht reden - denn der absolute Zugewinn lag trotzdem noch etwas unter dem von "Welt+". Und während Bild+ zwar relativ binnen eines Jahres nur um 16,5 Prozent wuchs, waren das absolut gesehen trotzdem fast 84.000 zahlende Leserinnen und Leser mehr.

"SZ Plus" hängte im vergangenen Jahr aber definitiv die "FAZ" mit ihrem Angebot F+ recht deutlich ab. Unterschied sich die Zahl der Paid-Content-Nutzerinnen und Nutzer der beiden Angebote im Dezember 2020 noch um weniger als 10.000, so wuchs der Vorsprung von "SZ Plus" auf "F+" bis zum Dezember 2021 auf fast 35.000 an. Trotzdem kann man sich bei der "Frankfurter Allgemeinen" noch über ein deutliches Wachstum von 23,3 Prozent im Jahresvergleich freuen.

  Nutzungsrechte / Tag
Dezember 2021
Vergleich
zum Vorjahr
Vergleich
zum Vorjahr
Bild+ 592.796 +83.915 +16,5%
Welt+ 180.621 +42.115 +30,4%
SZ Plus 113.554 +39.948 +54,3%
F+ (FAZ) 78.806 +14.908 +23,3%
Rheinpfalz Plus 45.568 --- ---
FP+ (Freie Presse) 36.760 --- ---
RP+ (Rheinische Post) 26.453 +4.819 +22,3%
Augsburger Allgemeine Plus+ 21.953 +4.328 +24,6%
KN Mobil (Kieler Nachrichten) 20.399 -111 -0,5%
M-Plus (Mittelbayerische Zeitung) 12.578 --- ---

Quelle: IVW. Die Angaben beziehen sich auf Nutzungsrechte pro Tag im Monatsdurchschnitt

Während in den ersten Jahren praktisch nur Springer seine Paid-Content-Zahlen von der IVW prüfen und veröffentlichen ließ, so hat sich die Zahl der Angebote, die an dem (inzwischen etwas vereinfachten) Verfahren teilnehmen inzwischen zumindest auf 20 erhöht - von denen zwei allerdings zum Jahresende auch zwei schon wieder ihren Austritt erklärt haben. Zumindest lassen die derzeit vorliegenden Zahlen auch einen Blick auf die Entwicklung einiger kleinerer Angebote zu.

Die "Rheinpfalz" etwa meldet seit Juni ihre Zahlen. Hier zeigte sich in der zweiten Jahreshälfte eine ziemlich gemächliche Zunahme auf zuletzt 45.568 Paid-Content-Nutzerinnen und Nutzer. Dynamischer entwickelte sich das Angebot "FP+" der "Freien Presse" aus Sachsen: Allein von Juli bis Dezember stieg die Zahl der Paid-Content-Nutzungsrechte um fast zehn Prozent auf zuletz 36.760. Für die "Rheinische post" und das Paid Content-Angebot der "Augsburger Allgemeinen" liegen schon Jahresvergleiche vor, hier ging's um 22,3 bis 24,6 Prozent nach oben. "KN Mobil" der "Kieler Nachrichten" verzeichnet als einziges der Angebote ein Minus, hier gab es im Juli einen einmaligen deutlichen Rückgang, seither gibt's wieder ein Wachstum.

Entwicklung der Paid-Content-Nutzung 2021

Um dieses Diagram sehen zu können, aktivieren Sie bitte Javascript in den Einstellungen Ihres Browsers.
Quelle: IVW; Aufbereitung: DWDL
dwdl.de/zahlenzentrale
Rheinpfalz
FP+(Freie Presse)
RP+ (Rheinische Post
Augsburger Allgemeine PLUS
KN Mobil (Kieler Nachrichtein)

Ein sehr starkes Wachstum zeigt sich bei der "Nordwest Zeitung". Seit März liegen hier IVW-geprüfte Zahlen vor, damals waren es noch knapp unter 7.000 zahlende Nutzerinnen und Nutzer, im Dezember nun schon 10.208 - binnen zehn Monaten also ein Wachstum von 46 Prozent. Damit zog die "NWZ" auch am "Donaukurier" vorbei, der bei im Dezember bei 9.535 Paid-Content-Nutzungsrechten pro Tag lag und diese Zahl seit April nur ganz leicht um 259 steigern konnte.