Susanne Aigner-Drews © Discovery
DWDL.de-Interview über Olympia-Entscheidung

Aigner-Drews: "Wir werfen alles in die Waagschale"

von Alexander Krei
28.11.2016 - 14:48 Uhr

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Discovery hat entschieden: ARD und ZDF werden keine Olympia-Rechte bekommen. Mit DWDL.de spricht Susanne Aigner Drews, Geschäftsführerin von Discovery Networks Deutschland, über die Verhandlungen und weitere Pläne.

Frau Aigner-Drews, die Olympischen Spiele werden bis 2024 exklusiv bei Eurosport laufen. An welchem Punkt der Verhandlungen haben Sie gemerkt, dass es schwierig wird, sich mit ARD und ZDF auf eine Sublizenzierung zu verstanden?

In den zurückliegenden zwölf Monaten haben wir sehr viele und sehr intensive Gespräche mit ARD und ZDF geführt. Wir haben allerdings in Bezug auf die Olympia-Berichterstattung eine Zurückhaltung von Seiten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gespürt. Für uns bedeutet die Entscheidung jetzt jedenfalls Klarheit, weil wir wissen, wohin das Schiff steuert.

Was ist in Deutschland anders als in anderen Ländern, wo ja etwa mit der BBC, dem ORF und dem Schweizer Fernsehen Einigungen erzielt werden konnten?

Warum ARD und ZDF derart zurückhaltend reagiert haben, kann ich Ihnen nicht sagen. Deutschland ist jedoch nicht das einzige Land, in dem wir die Olympia-Rechte selbst auswerten. In Schweden und Norwegen haben wir einen signifikanten Free-to-Air-Anteil und wollten daher von vornherein die Olympischen Spiele selbst übertragen. Die Sublizenzierungen in vielen anderen Märkten basieren darauf, dass wir sublizenzieren müssen, weil wir dort gar kein eigenes Free-to-Air-Geschäft haben.

Hat Sie eigentlich geärgert, als Hans-Joachim Strauch, der Chefs des ZDF-Werbefernsehens, vor einiger Zeit sagte, dass Discovery mit Olympia erst "auf die Schnauze fallen" müsse?

Ob diese Aussage wirklich sein musste, müssen Sie Herrn Strauch fragen. Aber das ist so lange her und war auch nicht der ausschlaggebende Punkt dafür, dass wir uns für den Alleingang entschieden haben.

Am Ende mussten Sie abwägen zwischen einer schwierigeren Refinanzierung auf der einen und einer enormen Aufwertung der Marke Eurosport auf der anderen Seite. Wie schwer fiel die Entscheidung?

Wir treffen unsere Entscheidung grundsätzlich nach unternehmerischen Gesichtspunkten. Das ist für ein kommerziell agierendes Unternehmen das A und O. Eine schwere Entscheidung war es aber nicht. Die Olympischen Spiele und die Bundesliga in einem Atemzug mit Eurosport nennen zu können, zeigt doch die großen Ambitionen, die wir mit unseren Plattformen haben.

Was genau haben Sie nun vor?

Wir machen Eurosport zur exklusiven Olympia-Heimat und werden mit DMAX auch unseren zweiten Free-TV-Sender nutzen. Eurosport 1 wird im Zuge dessen kräftig lokalisiert, sodass die deutschen Medaillen-Entscheidungen mit all ihren Olympia-Helden für jeden Fan frei empfangbar sein werden. Hinzu kommen Eurosport 2 und unser Eurosport Player, der vom Stunden-Volumen her das größte Olympia-Angebot liefern wird. Da können wir in einem Umfang senden, der im Free-TV nicht machbar wäre. Wir werfen alles in die Waagschale und sind damit bestens aufgestellt.

Wann sind Sie eingestiegen in die Planungen, die Olympischen Spiele alleine zu übertragen?

Schon im Sommer stand für uns fest, dass die exklusive Übertragung bei Eurosport ein möglicher Weg für uns ist. Ein Riesen-Projekt wie die Olympischen Spiele braucht eine lange Vorbereitungszeit, sodass wir schon jetzt konkrete Vorstellungen darüber haben, mit welchem Konzept wir aus PyeongChang senden werden. Erst in der vorigen Woche fand vor Ort ein Broadcaster-Meeting statt, bei dem wir mit einem lokalen Team vor Ort vertreten waren. Nach der endgültigen Entscheidung können wir uns jetzt mit aller Konzentration in die weiteren Planungen stürzen.

Eurosport-CEO Peter Hutton sprach gerade mit Blick auf die exklusive Olympia-Übertragung von Eurosport von "erheblichen Investitionen" für den Sender. Was genau kommt da jetzt auf Eurosport zu?

Schauen Sie sich doch mal an, was wir schon jetzt auf die Beine gestellt haben. Gerade erst haben wir unser Wintersport-Team mit Sven Hannawald verstärkt, dem bereits Martin Schmitt angehört. Zudem haben wir den Sender Eurosport 1 HD aus der Exklusivität mit Sky herausgenommen, um ihn ab Dezember bei HD+ für mehr Zuschauer verfügbar zu machen. Das alles sind Zeichen dafür, wie sehr wir auf eine Transformation des Geschäfts gepolt sind. Die Pläne dafür liegen auf dem Tisch.

Personell ist Eurosport schon jetzt durch viele Sport-Übertragungen gut aufgestellt. Wird da dennoch mit Blick auf Olympia mehr kommen müssen?

Mehr als die Hälfte des aktuellen Programms besteht schon jetzt aus olympischen Sportarten. Wir fangen also nicht von Null an. Wir werden die Zuschauer aber langfristig darauf hinführen, dass Olympia bei Eurosport zu sehen sein wird. Schon ab Januar 2017 werden wir  Olympia sichtbarer machen. Ab diesem Zeitpunkt gerät die Marketing- und Promotion-Maschinerie ins Rollen.

Zuletzt kam häufiger die Sorge auf, dass künftig unter journalistischen Gesichtspunkten weniger kritische Stücke bei Eurosport ihren Platz finden werden – also etwa mit Blick auf die zunehmende Kommerzialisierung von Olympia, zu der ja auch Discovery selbst beiträgt.

Bei Eurosport bringen wir 25 Jahre Expertise bei Sport-Übertragungen mit und sind uns unserer journalistischen Verantwortung bewusst. Da muss sich niemand Sorgen machen, dass das eine reine Kommerz-Veranstaltung wird.

Ihre Olympia-Entscheidung gilt nun bis 2024. Das letzte Wort ist also gesprochen?

Wir konzentrieren uns auf 2018, bis 2024 ist noch eine lange Zeit. Uns ist nur wichtig, dass wir erst mal Planungssicherheit haben. Aber die Entscheidung ist gefallen – und sie lautet: Wir machen's selber.

Frau Aigner-Drews, vielen Dank für das Gespräch.


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