Wenn sich in diesen Tagen wieder hunderte Teilnehmer und Journalisten aus aller Welt im schweizerischen Luzern treffen, feiern Sie das älteste Fernsehfestival der Welt dieser Größenordnung. 1961 fand es zum ersten Mal statt. Die Idee des Gründers Marcel Bezancon war simpel: Aus dem Bedarf heraus die schwachen Sommermonate mit Programm zu füllen, kam ihm die Idee, einen internationalen Austausch von Fernsehformaten zu ermöglichen und die besten Sendungen gleich mit einem Preis zu krönen. So wurde am 27. Mai 1961 die ersten Golden Rose (Rose d'Or) verliehen.
Die erste Auszeichnung ging damals an die BBC für die „Black and White Minstrel Show“. Seit dem ist das Festival zu einer festen Größe im Kalender der international Fernsehschaffenden gewachsen. Dabei schafft die Goldene Rose einen Spagat, den Preise wie der deutsche Adolf Grimme Preis inzwischen vermissen lassen: Die Balance zwischen fachlichem Urteil und Relevanz für das Publikum. Es bedarf nicht viel Kenntnis der Medienbranche um mit dem Terminus Goldene Rose etwas anzufangen zu wissen.
Die ausgezeichneten Formate waren nie auf bestimmte Genres beschränkt: Je nach Programmtrends in den vergangenen 46 Jahren wurden Musik- und Zirkusshows ebenso nominiert und ausgezeichnet wie zuletzt zur Jahrtausendwende der Trend zum Reality TV. Auch hier wurde Qualität gesucht und gefunden - die Nase aber wesentlich tiefer gehängt als bei manchem Kritikerpreis. Ganz ohne Kritik steht freilich auch die Goldene Rose nicht da: Ein Eigenlob der Branche für die Branche sei es, so hört man - und es stimmt auch. Immerhin lag der Sinn des Festivals seit der Gründung durch Marcel Bezancon vor 46 Jahren darin, Ideen auszutauschen und Trends zu finden. In erster Linie war und ist die Goldene Rose ein Preis für die Branche.
Trotzdem sind weder das Festival mit vergleichsweise umfangreichem gesellschaftlichem Rahmenprogramm noch die Gewinnerliste so elitär, dass sie dem Zuschauer fremd erscheinen. In den vergangenen Jahren gehörten Formate wie „Mr. Bean“, „Nikola“, „Who wants to be a Millionaire?“, „Will & Grace“, „Pop Idol“, „The Office“ oder die „Schillerstraße“ ausgezeichnet. Persönliche Preise gingen an Sir Bob Geldof, John de Mol, Thomas Gottschalk, Sir Peter Ustinov, Anke Engelke oder Felicitas Woll. Mehrfach wurde die Vergabepraxis der Preise geändert, wurden neue Preise eingeführt, neben den Format-Kategorien auch mehrere persönliche Kategorien hinzugefügt - und wieder gestrichen.
So verwirrend die Preisvergabe erscheinen mag, so unbestritten ist die Strahlkraft der Auszeichnung. Nicht selten feiern Fernsehsender die kassierten Preise in Programmtrailern der entsprechenden Formate. Man darf also gespannt sein, wieviel Preise in diesem Jahr nach Deutschland gehen.
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