Foto: Rose d'OrEinig waren sich die Referenten alle, dass der Medienmarkt vor gravierenden Veränderungen steht oder besser gesagt bereits mittendrin ist. Die Zeit, in der der Zuschauer zuhause im Wohnzimmer saß und darauf wartete, von den Sendern Inhalte serviert zu bekommen, sei vorbei. Stattdessen werden immer mehr Leute die medialen Angebote konsumieren wann sie wollen und wo sie wollen - und als besondere Herausforderung für Inhalte-Anbieter: auf den verschiedensten Geräten.

Gefragt: Inhalte für unterschiedlichste Plattformen 

Dies bringe natürlich erhebliche Umwälzungen für die traditionellen Content-Producer mit sich, die neben Gefahren vor allen Dingen auch Chancen böten, wie der israelische TV- und Filmproduzent Avi Armoza betonte. Dabei könne die Riege der Inhalte-Produzenten eigentlich aber noch am entspanntesten den Veränderungen entgegensehen. Denn auch wenn sich der Weg der Inhalte zum Zuschauer ändert: Eine gute Story werde trotzdem immernoch gebraucht.

Wie oft habe man bei den derzeitigen Veränderungen aber zuerst auf die Technologie geschaut und teilweise Milliardenbeträge dafür ausgegeben, ohne ein Konzept für die Nutzung dieser Technologie zu haben. Nun würden dafür händeringend nach passendem Content gesucht, so Armoza Als Folge daraus gebe es derzeit praktisch fast nur traditionelle TV-Formate, die via mobilem Endgerät zu empfangen sind. Andere Versuche wie eine rein für das Handy produzierte Telenovela, müssten hingegen wieder eingestellt werden, da sie sich wirtschaftlich nicht rechneten.

Die Aufgabe für erfolgreiche Content-Provider sei es also, echte "cross-platform"-Inhalte herzustellen, die von vornherein darauf ausgelegt seien, auf allen möglichen Plattformen zu funktionieren. Zudem müsste sich ähnlich wie beim traditionellen TV-Geschäft noch eine strukturierte Wertschöpfungskette bilden, um dem Mobile TV zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu verhelfen.

Arten des Mobile Content: Von Retransmission bis zu eigenen Formaten

Imogen O'Rorke, seit kurzem bei Endemol für Mobile Content zuständig, gab daraufhin einen Einblick in den derzeitigen Stand und die Planungen bei Endemol hinsichtlich dieser Thematik. Sie machte dabei vier grundsätzliche Arten des mobile Contents aus. Einmal gebe es natürlich "Retransmission", also die Übertragung von bereits im TV ausgestrahlten Inhalten auf mobile Endgeräte. Beispielsweise könne es sich da um Highlights aus Shows handeln oder auch die 24-stündige Live-Übertragung aus dem "Big Brother"-Haus.

Eine zweite Möglichkeit seien Spin-Offs klassischer TV-Formate mit neuen, nicht gesendeten Inhalten. So gebe es beispielsweise "Behind the scenes"-Ausschnitte von "Fame Academy" zum mobilen Abruf. Als drittes nannte O'Rorke das Einrichten völlig neuer Kanäle für das mobile Fernsehen, wie es sie bereits mit "Extreme Reality" und "Home Video Junk" von endemol gebe. Die Inhalte werden dort in Dauerschleife gesendet, wobei es wöchentlich etwa 15 Minuten frischen Content gebe.

Als vierte und spannendste Möglichkeit nannte Imogen O'Rorke schließlich völlig neue Formate. So starte beispielsweise im Mai 2005 in Großbritannien eine interaktive Reality-Soap mit einer bekannten Band, die in dem auf sechs Wochen angelegten Format täglich drei jeweils ca. 90-sekündige Beiträge produzieren soll.

Rikard Steiber von der skandinavischen Telekom- & Medien-Consultingfirma XLENT betonte außerdem noch, dass reine filmische Inhalte das Potential des mobilen Fernsehens bei weitem nicht ausschöpfen. Stattdessen seien kontextbezogene Services rund um die aktuellen Programm nötig, wie beispielsweise bei Sportsendungen weiterführende Informationen, Statistiken, Wettangebote oder auch Chats mit anderen Zuschauern.

Und das liebe Geld? Die Finanzierung von Mobile TV

Um erfolgreiches Mobile TV zu machen, müssen natürlich entsprechende Einnahmen generiert werden. Dafür gebe es drei prinzipielle Möglichkeiten, so Imogen O'Rorke von Endemol: Entweder die Netzbetreiber müssen für den Content zahlen, oder die Kunden müssen per Abo oder für jede Nutzung einzeln zahlen - oder es gibt Sponsoren und Werbung in den Angeboten. Ein Zweig, der sich nach Ansicht O'Rorkes in der nächsten Zeit noch gut entwickeln wird.

Rikard Steiber von XLENT regte an, von den inzwischen funktionierenden mobilen Musikdiensten, allen voran natürlich iTunes, zu lernen. Zudem böten sich durch solche Angebote exzellente Chancen für personalisiertes Marketing, wie es etwa Google praktiziert. Besonders für Sportangebote seien mobile Live-Wettangebote darüberhinaus geradezu prädestiniert.

Bevor die Teilnehmer der Konferenz sich beim Mittagessen ihrer liebsten Beschäftigung - dem Networking - widmeten, sprach Steiber noch zu lösende Probleme für das mobile Fernsehen an. So dürfe es keinesfalls für den Nutzer zu teuer werden. Mobiles TV ist kein Mittel, um den Kunden massiv das Geld aus der Tasche zu ziehen, die Nutzer würden die Angebote nur akzeptieren, wenn sie nicht wesentlich mehr als für andere Mediennutzung zahlen müssten.

In diesem Zusammenhang seien vor allem die Netzbetreiber gefordert, die beispielsweise mit minutenabhängigen Nutzungspreisen eine sinnvolle Nutzung von Mobile TV ausschlössen. Zudem gebe es Probleme bei der Bildqualität und - was häufig vergessen wird - auch bei der Akku-Laufzeit der mobilen Geräte zu lösen. So mache es keinen Sinn, längere Inhalte anzusehen, wenn zwischendurch mangels ausreichender Akkulaufzeit das Bild weg ist. Da es sich meist um Mobiltelefone handelt, müsste außerdem sichergestellt sein, dass man auch während der Nutzung der mobilen TV-Inhalte telefonisch erreichbar ist.

Auch wenn es noch einige Probleme gibt und es häufig noch an passendem Content mangelt, gibt sich Rikard Steiber dennoch überzeugt, dass Mobile TV ein Erfolg wird, da es Vorteile für alle Seiten bringe. So ergäben sich neue Einnahmequellen für Netzbetreiber aber auch für die Hersteller der Endgeräte, die daher an einem Erfolg des mobilen Fernsehens starkes Interesse haben müssten. Und auch der Zuschauer würde profitieren, da er selbst bestimmen könne, wann und wo er sich was anschauen wolle.