Logo: Der TagesspiegelDa haben Unbekannte eine E-Mail verfasst, die vortäuschte von einer Schauspieleragentur zu stammen. Es handelte sich aber um eine perfide Fälschung. In dieser Mail gab die Agentur vermeintlich den Tod ihrer Klientin Birge Schade bekannt, die sich das Leben genommen haben sollte. Der "Tagesspiegel" machte eine Meldung draus, die man auch flugs den Agenturen in der Hoffnung auf Verbreitung übermittelte.

Nachrichtenagenturen kommt bekanntlich als journalistische Quelle eine bedeutende Rolle zu: Was sie vermelden, soll dem Anspruch genügen, unhinterfragt übernommen werden zu können. Dem entsprechend sorgfältig sollten die gelieferten News dann auch auch recherchiert sein. Sollten. Denn die "Agence France Press" übernahm den Text des Tagesspiegel – wenn auch mit Berufung auf den Tagesspiegel, der wiederum sich auf die Agentur berief.

Die Causa Schade wirft einige grundsätzliche Fragen auf, die man sich zum Nachrichtengeschäft in Zeiten des Internet und der immer rasanteren Verbreitung von Meldungen stellen kann. So sieht die "Süddeutsche Zeitung" hier ein Versagen der AFP, die die Vorab-Meldung des "Tagesspiegel" ungeprüft übernahm - und fehlerhaft nur kurze Zeit später widerrief. Zwar erfreut sich Frau Schade bester Gesundheit, doch zu melden, der "Tagesspiegel" melde ihren Tod ist zunächst sachlich richtig - wenn auch höchst bedauerlich.

Grundsätzlich erwartet eine Agentur von ihren Meldungsgebern journalistische Sorgfalt - genauso von denen, die die Neuigkeiten übernehmen. Zwar wird die eigentliche Nachrichtenquelle - in diesem Falle der "Tagesspiegel" - beim Weiterverwursten der Meldung sicherlich von der einen oder anderen Redaktion geschlabbert, doch ist das der Agentur anzulasten?
 
 
Viel wichtiger die Frage, wie eine Redaktion, die ohnehin schon durch die selbst produzierte Meldung von der Grimme-Preis-Nominierung der Irak-Geisel Susanne Osthoff - die just in diesen Tagen ihren arbeitsrechtlichen Abschluss fand - nicht gerade positiv auffiel, eine derlei heikle Informationen übernehmen kann, wenn sie lediglich auf einer E-Mail beruht? Immerhin einem Medium das weder vor Gericht noch von den Finanzbehörden ohne Weiteres anerkannt wird. Dass die E-Mail auch von der textlichen Gestaltung her hätte stutzig machen können: Geschenkt. Schließlich ist man hinterher immer klüger und weiß erst seit dieser Woche, dass Schauspieler-Agenturen Todesmeldungen nicht mit der Anrede "Liebe Freunde" verfassen.

Ist es die Frage wert, wie vertrauenswürdig eine E-Mail als nachrichtliche Quelle sein kann? Wie leicht sich ein E-Mail-Absender fälschen lässt, sollte sich, bereits - als Problem schon aus Zeiten des Web 1.0 - herumgesprochen haben. Doch wem kann man dann eigentlich noch vertrauen? Wie ist es um Fax und Post bestellt? Letztlich könnte ja alles und jeder die Unwahrheit verbreiten. Wie weit geht die journalistische Sorgfaltspflicht? Doch sich mal eben den Hörer zu schnappen, kann ja in derlei persönlichen Angelegenheiten nicht schaden. Hier sind Boulevard-Journalisten besser dran und vor Fehlern gefeit: Schließlich hätten sie bestimmt noch mal angerufen und nachgefragt. Schon allein in der Hoffnung, noch ein paar pikante Details mehr zu erfahren.