Netflix hat in dieser Woche die Streichung von rund 1.000 Stellen angekündigt und damit den größten Stellenabbau seiner Geschichte. Doch nicht nur auf den unteren Ebenen wurden Kündigungen verschickt. Wie Netflix am Donnerstagabend bekanntgab, muss Bela Bajaria nach knapp zehn Jahren in Diensten des Streamers gehen. 2016 kam sie als Vice President of Content zu Netflix und kümmerte sich schon da um den Ausbau des Non-Fiction-Angebots. Über die Jahre stieg sie immer weiter auf und wurde Anfang 2023 schließlich Chief Content Officer, hatte also die weltweite Verantwortung für alle Netflix-Inhalte.
Co-CEO Ted Sarandos dankte Bajaria zum Abschied für "ein Jahrzehnt voller Engagement, Innovation, Kreativität und Führung". "Sie trug dazu bei, unser Angebot zu erweitern – unter anderem durch den großangelegten Ausbau von ungeskripteten Inhalten sowie die Einführung von Live-Events und Sportformaten –, und war zudem für die Entwicklung und Leitung eines erstklassigen, globalen Portfolios an Filmen und Serien verantwortlich."
Netflix ist heute tatsächlich inhaltlich erheblich breiter aufgestellt als noch vor einigen Jahren, zuletzt wurde die Kritik an der programmlichen Aufstellung trotzdem zunehmend lauter. Viel war von Engagement-Problemen die Rede. Die Zeit, die Abonnentinnen und Abonnenten mit Netflix-Inhalten verbringen, wuchs kaum noch. Vor allem fehlten zuletzt prestigeträchtige Produktionen, teils schien die Devise eher Masse als Klasse. Diese subjektive Wahrnehmung lässt sich auch an der Zahl der Emmy-Auszeichnungen festmachen: 2021 waren es noch 44 - ein Allzeit-Rekord für eine einzelne Plattform. In diesem Jahr waren es nur noch 16, damit rangierte man weit hinter Apple TV sowie hinter HBO Max.
Das ist für Netflix sicherlich nicht der wichtigste Maßstab - dass Netflix bei der Präsentation von Bajarias Nachfolger explizit erwähnt, wie viele Emmy-Nominierungen Disney während seiner Zeit als TV- und Entertainment-Chef dort zuletzt erreichte, ist zumindest ein Fingerzeig. Dieser Nachfolger jedenfalls heißt Peter Rice und war bis 2022 Chairman von Walt Disney Television und Chairman of General Entertainment des gesamten Disney-Konzerns. Er verantwortete damals also beispielsweise ABC, die diversen Kabelsender und auch die TV-Produktionsstudios. Davor war er bis zur Übernahme durch Disney Chef von 21st Century Fox und der Fox Networks Group.
"Peter zählt zu den effektivsten Führungskräften in der Unterhaltungsbranche, wenn es darum geht, Projekte in großem Maßstab umzusetzen. Er verfügt über einen ausgeprägten Geschäftssinn, pflegt außergewöhnlich starke Beziehungen zu Kreativen und besitzt fundierte, umfassende Erfahrung in den Bereichen Film und Fernsehen", sagt Sarandos. "Er versteht, was Geschichten so wirkungsvoll macht, und hat seine gesamte berufliche Laufbahn darauf ausgerichtet, Kreative dabei zu unterstützen, die beste Arbeit ihres Lebens zu leisten. Ich freue mich sehr, ihn als Chief Content Officer bei Netflix willkommen zu heißen – gerade jetzt, da wir weiter wachsen und unseren Mitgliedern noch mehr von den Geschichten bieten, die sie lieben."
Peter Rice kommentiert: "Netflix hat die Art und Weise, wie Geschichten weltweit entstehen, geteilt und erlebt werden, grundlegend verändert. Das Unternehmen hat immer wieder bewiesen, dass es bereit ist, auf unverwechselbare Stimmen und frische Ideen zu setzen. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem Team dazu beizutragen, den Mitgliedern überall noch mehr großartige Geschichten zugänglich zu machen. Ich bin Bela dankbar dafür, dass sie ein so bemerkenswertes globales Team aufgebaut hat, und ich freue mich darauf, auf dem aufzubauen, was sie und das Team bereits geschaffen haben." Bela Bajaria selbst kommt in der Pressemitteilung von Netflix nicht zu Wort.
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