Wie sehr der Fernseh- und Streamingmarkt in Bewegung ist, ließ sich in den vergangenen Wochen und Monaten gut beobachten. Erst im Sommer wurde Sky Deutschland durch RTL übernommen und die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount - nun unter dem gemeinsamen Markennamen Skydance am Markt - liegt noch nicht einmal zwei Wochen zurück. "Next Level Streaming", der Name des VAUNET-Panels auf den Medientagen München, hätte so gesehen kaum passender sein können. Es gab also viel zu diskutieren für Nicole Agudo Berbel von der Seven.One Entertainment Group, Matthias Heinze von Skydance, Henning Nieslony von RTL Deutschland und Rene Rummel-Mergeryan von Netflix.

Einig war sich die Runde im Gespräch mit DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath darin, dass der Markt noch Wachstumspotenzial bietet. Zugleich stehen die Anbieter vor der Aufgabe, ihre Angebote, Technologien und Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Für RTL Deutschland steht nach der Übernahme von Sky zunächst die Integration im Vordergrund. Seit Juni habe man "Riesenschritte nach vorne gemacht", sagte Executive Vice President Streaming Henning Nieslony, räumte aber ein, dass es sowohl technisch als auch organisatorisch noch viel zu tun gebe. Aufhorchen ließ dabei eine Aussage zur künftigen Markenstrategie: Weil Wow gewissermaßen zwischen RTL+ und Sky positioniert sei, könnte die Marke an Bedeutung verlieren. "Ich glaube, dass perspektivisch Wow eher in den Hintergrund treten wird", sagte Nieslony. Ins Detail ging er allerdings nicht.

Skydance-Manager Matthias Heinze zog derweil für HBO Max eine positive Bilanz der ersten Monate in Deutschland. "Kern der Inhalte sind ganz klar die HBO-Serien", sagte er. Die Herausforderung bestehe nun darin, über diese etablierte Stärke hinaus zu wachsen. Lokale Produktionen wie "4 Blocks Zero" sollen dabei helfen, neue Zielgruppen zu erreichen. Mit Blick auf die gerade erfolgte Übernahme sei es dagegen noch zu früh für eine abschließende Strategie, betonte Heinze, SVP Commercial & Managing Director bei Skydance, auf den Medientagen.

Next Level Streaming © Medientage München

Auch Netflix sieht trotz des zunehmenden Wettbewerbs weiterhin Potenzial im deutschen Markt. Rene Rummel-Mergeryan beschrieb die aktuelle Phase als "sehr intensiv": Es werde zwar zunehmend schwieriger, Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Gleichzeitig sei die Neuordnung der Branche eine Chance, sich weiterzuentwickeln. "Alles wird neu sortiert, alles ist möglich", sagte der Senior Director Business Development von Netflix. Deutschland sei im internationalen Vergleich beim Streaming noch nicht so weit wie andere Märkte. Mit Blick auf die weiterhin hohe Reichweite des linearen Fernsehens sieht Mergeryan deshalb noch Wachstumschancen.

Bei ProSiebenSat.1 setzt Nicole Agudo Berbel derweil weiterhin auf Joyn als zentralen Baustein der Digitalstrategie. "Wir lieben Joyn nach wie vor und das ist nach wie vor wirklich das absolute Zentrum unserer Digitalstrategie", sagte Agudo Berbel, Chief Distribution and Partnerships Officer bei ProSiebenSat.1, wo man nach der Übernahme durch MFE nun nicht zuletzt auf Kostensynergien bei der Technik setzt. Im Hintergrund werde an einer Vereinheitlichung der technologischen Basis verschiedener Angebote des Konzerns gearbeitet. Für die Nutzerinnen und Nutzer solle davon nichts unmittelbar zu bemerken sein. Neben dem Streaminggeschäft bleibe aber auch das lineare Fernsehen ein wichtiger Bestandteil der Strategie. Ziel sei es, beide Bereiche aufeinander abzustimmen und den Rückgang im klassischen Fernsehgeschäft durch das Digitalgeschäft aufzufangen.

Ein weiteres Thema des Streaming-Panels waren Kooperationen und der Zugang zu Inhalten. ProSiebenSat.1-Managerin Nicole Agudo Berbel bekräftigte dabei das Vorhaben, dass ZDF-Inhalte noch vor Jahresende auf Joyn eingebunden werden sollen, nachdem sich beide Seiten jüngst auf eine Zusammenarbeit verständigt hatten. Das ZDF behalte dabei die vollständige Gestaltungshoheit darüber, welche Inhalte wann und in welchem Umfang zur Verfügung gestellt werden. Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre rechneten die Teilnehmer schließlich mit einer leichten Konsolidierung. Vor allem bei den großen Generalisten könnte die Zahl der Angebote sinken, während Nischenangebote weiter bestehen oder hinzukommen könnten. Heinze erwartet zugleich eine stärkere Konzentration bei den Aggregatoren. Entscheidend sei, dass der Zugang für das Publikum einfacher werde: "Niemand gewinnt etwas davon, wenn er sich für zwölf Dienste jeweils einzeln entscheiden muss."