Tim, du bist an Followerzahlen und Reichweite gemessen einer der erfolgreichsten Creator in Deutschland. Wenn du meiner Oma erklären müsstest, was du beruflich machst: Was sagst du und wie siehst Du Dich selbst?

Tim: Süß, das mit der Oma! Ich würde sagen, ich unterhalte Menschen. Deswegen erkläre ich immer: “Ich bin nicht nur Sänger, nicht nur Influencer, nicht nur dies oder das – ich bin Entertainer.” Das umfasst alles, ohne dass man irgendjemandem auf den Schlips tritt. Würde ich mich als Comedian betiteln, würde das einigen Leuten auch wieder nicht gefallen. Deswegen bin ich Entertainer.

Was bekommt man heute, wenn eine Firma dir 5.000 Euro bietet?

Tim: Also auf jeden Fall kriegt man ein Posting. Kooperationen mache ich für deutlich weniger oder auch deutlich mehr, es kommt immer darauf an. Ich unterscheide, ob es ein Herzensprojekt oder ein regulärer Auftrag ist. Das eine ist Geld, das andere ist die emotionale Komponente. Am Ende des Tages werde ich auch nicht nach der Härte meiner Arbeit bewertet, sondern an der medialen Leistung. Klar, habe ich es mir erarbeitet, wie viele Menschen mir zuschauen, aber daran mache ich es nicht abhängig. 

Mit einer Story verdienst du so viel wie eine durchschnittliche Familie im Monat. Muss man sich da manchmal selbst kneifen?

Tim: Ja, wenn du das jetzt so sagst, definitiv. Wenn du gutes Geld verdienst, macht man auch fleißig weiter. Ich versuche immer, originellen Content zu produzieren, lustige Sachen eben. Ich möchte jüngere Leute mit kinderfreundlichem Content auf TikTok abholen. Mein Ziel ist es, viele Bandbreiten und Zielgruppen abzudecken.

Ist das leichtverdientes Geld? 

Tim: Der Weg dahin ist nicht leicht. Kooperationspartner kommen irgendwann von alleine, aber es ist auf jeden Fall nicht einfach, langfristig erfolgreich zu sein. Es muss alles funktionieren: Kommunikation, Performance, Produktion. Aber ja, es ist irgendwo leicht verdientes Geld. Aber wäre es “so” simpel, würden es mehr Menschen machen. Der Weg dahin wird nie gesehen, ein bisschen Glück gehört dazu.  

Was ist das härteste an deinem Job?

Tim: Natürlich die Privatsphäre, die man aufgibt. Aber auch dieser ständige Druck, online zu sein und dass man auch jeden Tag wieder bei Null anfängt. Was du heute gepostet hast, ist morgen alt und morgen erwartet das Publikum natürlich wieder was Neues. 

Kommen wir zu den schönen Seiten: Was ist dein „Guilty Pleasure“ auf Social Media?

Tim: Boah, gute Frage. Also ich schaue wenig andere Influencer, um ehrlich zu sein. Das setzt mich wirklich unter Druck, weil ich dann merke, dass ich an mir selber zweifle und mich vergleiche. So meine Mutter vielleicht und mein Freund irgendwie, aber sonst weiß ich es nicht. Ich versuche immer, selbst zu kreieren und dann merke ich auch oft, dass mir nachgemacht wird. Aber das ist eigentlich ein Lob. Wenn, dann sind es eher Inhalte aus Amerika, die ich dann auch in meinen deutschen Content einbauen kann.

 

"Ich habe noch nie mit Fake-Tränen gearbeitet, wie es zum Beispiel im Fernsehen üblich ist."

 

Den Traum vom Influencer-Leben haben viele junge Menschen. Würdest Du sie ermutigen oder ist das nicht alles potenzielle Konkurrenz?

Tim: Oh Gott, “Konkurrenz” auf keinen Fall. Ermutigen aber eher auch nicht. Vorher müssten sie den Umgang mit dem Internet lernen, bevor man sie ahnungslos losschickt. Du verdienst ja auch kein Geld nur, weil du gerade irgendwo rumtanzt – das muss man fairerweise sagen. Stattdessen ist dein Leben auf dem Präsentierteller. Man muss sich kleine Ziele setzen, die einen wirklich glücklich machen, anstatt die ganze Zeit performanceorientiert zu denken.

Dein Markenversprechen ist Authentizität. Wie „real“ können Tränen sein, wenn du vorher die Kamera dafür aufstellen musst oder zeigst du nur ausgewählte Momente?

Tim: Ich habe noch nie mit Fake-Tränen gearbeitet, wie es zum Beispiel im Fernsehen üblich ist. Ein Otto-Normalverbraucher denkt sich, ich habe ein Rad ab, wenn ich mich beim Heulen filme, aber ich bin darauf konditioniert. Ich mache das reaktionsmäßig. Wenn ich mich beim Weinen filme, denke ich mir: “that's part of my job”. Natürlich fließen auch Tränen hinter der Kamera und ich filme es nicht, diese Themen kommen auch nicht ins Internet. Ansonsten gehört es zu meinem Job, die Trauer zu teilen.

Hattest Du auch schon Veröffentlichungen, bei denen Du danach gemerkt hast, dass sie nicht gut ankamen?

Tim: Dass Videos nicht gut ankommen, hat man immer mal. Manchmal gibt es Ideen, die man selber total gut findet, aber andere überhaupt nicht verstehen. Ich habe mich noch nie intensiv politisch geäußert. Mal habe ich Stellung bezogen, da predige ich vor allem Nächstenliebe und “Mensch ist Mensch”. Aber manche Slogans von Parteien bei Demos, die würde ich niemals unterstützen. Klar ist: du kannst niemals alle Menschen glücklich machen. Alle Meinungen teilen, das geht gar nicht. Deswegen ist auch irgendwann die Followerzahl beschränkt. Ein deutscher Creator mit deutschem Content wird niemals 10 Millionen Follower knacken. Oder 20 Millionen. 

 

"Woher soll ich wissen, was gut ist, wenn ich es nicht ausprobiere?"

 

Musikkarriere, mehrere Brand-Produkte, Moderationen für Fernsehformate und eine eigene Datingshow – was kann deine Community in Zukunft noch von dir erwarten – außer ein iPhone zu gewinnen?

Tim: iPads. Ich habe gesehen, jetzt kommt auch das MacBook mit Touch. Also kommt ja ein bisschen auf Apple an. (lacht) Musik wird auf jeden Fall wieder ein ganz großes Thema, vor allem nächstes Jahr. Wir sind gerade schon in Planungen und freuen mich auf meine Weiterentwicklung und die Reaktion der Leute. Vielleicht lasse ich auch mal den Geburtstag ausfallen und mache dafür aber eine fette Halloween-Party.

Früher war das Fernsehen das Ziel vieler Menschen, die vor der Kamera stehen wollten. Da konnte man nicht einfach selbst veröffentlichen. Was bedeutet dir TV/Streaming in 2026?

Tim: Man will ja immer das, was man nicht hat, ne? Hat man Locken, will man glatte Haare. Macht man Social Media, will man eine Doku auf Netflix. Woher soll ich wissen, was gut ist, wenn ich es nicht ausprobiere? Deswegen habe ich zum Beispiel schon Beauty-Eingriffe gemacht, weil ich einfach so bin, ich will alles ausprobieren.

Wenn du eine Sache an Social Media ändern könntest, welche wäre es und warum?

Tim: Dass man sich im Internet mit Perso anmelden muss. Und auch direkt gesperrt werden, wenn sie sich nicht angemessen verhalten. Für eine Beleidigung, egal welchen Grades, direkt weg. Man kann sich keinen neuen Account machen und es ist die Zeit zu sehen, bis man wieder online darf. Das ist mir scheißegal, dann wäre mal wieder ein bisschen mehr Ruhe. Es gibt fliegende Autos, aber das können wir nicht regulieren? Am besten müssen alle unter Klarnamen posten. Auch der “Wolfgang Hütte”, oder wie sie alle heißen, die mir Böses wünschen. Ich will sehen, wie sie wirklich heißen und ich will, dass es die Chefs sehen, wenn es weitergeleitet wird.

Ein nachvollziehbarer Gedanke für ein schwieriges Thema. Vielen Dank für deine Offenheit, Tim!