Austria-Update vom 18. Februar
Kehrtwende: ORF-Chef wehrt sich gegen FPÖ-Angriffe
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Lange hat das ORF-Management die polemischen Angriffe der FPÖ auf den Sender und seine Mitarbeitenden passieren lassen, nun schreitet Roland Weißmann ein. Der Generaldirektor droht mit rechtlichen Schritten und richtet auch mahnende Worte an einen Stiftungsrat der Partei.
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Seit Jahren schon polemisiert die FPÖ immer wieder gegen den ORF. Inzwischen hat man mit Peter Westenthaler auch einen Vertreter im Stiftungsrat, der seine Abneigung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk kaum verbergen kann. Die Mitglieder des Stiftungsrats sind allerdings dem Wohle des Unternehmens verpflichtet - diesen Eindruck konnte man bei Westenthaler in der Vergangenheit nicht wirklich bekommen. Zusammen mit der FPÖ hatte er einst sogar eine Webseite initiiert, in der vermeintliche Verfehlungen des ORF dokumentiert werden. Einzelne Journalisten des Senders griff er direkt an. Lange hat das ORF-Management diesen Dingen tatenlos zugesehen - bis jetzt. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hat sich nun in deutlichen Worten gegenüber FPÖ und Westenthaler positioniert.
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Roland Weißmann
Aus einem Schreiben, das ORF-Chef Weißmann an Westenthaler verschickte und das auch an alle anderen Mitglieder des Stiftungsrat ging, geht hervor, dass Weißmann Westenthaler vorwirft, "mehrfach Grenzen überschritten" zu haben. Der ORF-Chef erinnert den Stiftungsrat in seinem Schreiben auch noch einmal daran, dass er im Wohle des Unternehmens handeln müsse. Es sei zwar "legitim und wichtig", Kritik zu äußern. "Sie soll aber im Rahmen der vorgegebenen Institutionen und Verfahren in erster Linie und jedenfalls zuerst innerhalb der Organe, insbesondere in den Sitzungen des Stiftungsrates, offen und konstruktiv vorgebracht werden und nicht durch mediale Zuspitzungen, die das Ansehen des ORF und die Reputation seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beeinträchtigen können." Gleichzeitig fordert Weißmann Westenthaler dazu auf, bei öffentlichen Äußerungen alles zu unterlassen, "was den Ruf des ORF oder die persönliche Integrität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unzulässiger Weise beeinträchtigen könnte".
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Der Brief wurde nur wenige Tage nach einer Ansage Weißmanns an die FPÖ öffentlich. Den Rechtspopulisten drohte der ORF-Chef sogar mit rechtlichen Schritten, sollten diese ihre "kreditschädigenden Behauptungen" fortsetzen. Konkret wandte sich Weißmann an FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker. Dieser solle zuletzt erhobene Vorwürfe künftig unterlassen. Hafenecker sprach zuletzt von "massiven Malversationen" im ORF - auch der ORF-Radiosender Ö3 stand zuletzt in der Kritik der FPÖ, weil ein Lied der Partei dort nur kurz gespielt und schließlich eingeordnet wurde (DWDL.de berichtete). Die Vorwürfe der Misswirtschaft wies Weißmann zuletzt jedenfalls "mit Nachdruck" zurück. Weißmann in seinem Schreiben an die FPÖ weiter: "Pauschale Schlagworte und Polemisierungen wie 'Privilegienstadl', 'Zwangssteuerzahler', 'Zwangseintrittsgeld', 'Abzocke' oder der Vorwurf 'massiver Malversationen' leisten einer faktenfreien Skandalisierung Vorschub und können den wirtschaftlichen Ruf des ORF und das Vertrauen von Publikum, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Vertragspartnern ernsthaft beschädigen." Der ORF-General verwies zudem auf gesetzliche Vorgaben und diverse Kontrollen - interne und externe - denen man unterliege. "Ich erwarte mir, dass Kritik an unserem Haus auf Basis von Fakten erfolgt und nicht durch unrichtige oder verzerrende Darstellungen, die geeignet sind, dem ORF nachhaltig Schaden zuzufügen", so Weißmanns.
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Peter Westenthaler
FPÖ und Westenthaler verhielten sich nach den Äußerungen vom Küniglberg auffallend ruhig - sie haben die Situation nicht noch weiter eskalieren lassen. Der Zeitpunkt der Weißmann-Aussagen ist durchaus interessant. In wenigen Monaten wählt der Stiftungsrat die neue ORF-Führung ab dem kommenden Jahr. Noch gibt es offiziell keine Bewerberinnen und Bewerber um die Stelle des Generaldirektors. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass Weißmann seinen Hut nochmals in den Ring werfen wird. Da macht es normalerweise Sinn, gute Gesprächskanäle in alle Lager zu haben. Gleichzeitig weiß Weißmann auch, dass er nicht auf die FPÖ angewiesen ist, um wiedergewählt zu werden. Zudem wurde zuletzt der Druck auch aus den eigenen Reihen größer, sich endlich zu den diffamierenden Äußerungen zu verhalten.
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Nachdem IP Österreich im vergangenen Jahr zu RTL AdAlliance Österreich wurde, hat das Unternehmen jetzt seinen Sales-Bereich neu aufgestellt. Ab sofort sind nationale und internationale Vermarktung in einer Integrated Sales Unit zusammengeführt, Kundinnen und Kunden können also das gesamte Portfolio der Gruppe über den Wiener Standort buchen, bislang war das nicht möglich. Die Gesamtverantwortung für die neu strukturierte Sales Unit übernimmt Ricarda Lederle als Multichannel Sales Director (National & International). Ihre Schwerpunkte liegen neben Total Video, auf kanalübergreifenden Lösungen und einer noch engeren strategischen Zusammenarbeit mit Kunden und Agenturen.
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Die Rundfunk- und Telekom Regulierung GmbH (RTR) hat in ihrer ersten Förderrunde 2026 rund 22,7 Millionen Euro an kommerzielle Privatsender vergeben, damit ist ein Großteil des 25 Millionen Euro schweren Topfes schon verbraucht. Die höchste Förderung eines einzelnen Senders ging an ServusTV mit 1,86 Millionen Euro. ProSiebenSat.1Puls4 erhielt als Gruppe die höchste Summe, rund 4,5 Millionen Euro sind hier geflossen. Die Mediaprint (also zB. Kronehit, Krone TV und Kurier TV) erhielt 2,64 Millionen und damit gruppenweit die zweithöchste Summe. Mehr als eine Million Euro ging auch noch an die oe24-Gruppe (1,55 Mio.). Darüber hinaus haben jetzt auch eine Reihe von nichtkommerziellen Sendern eine Förderung erhalten, die höchste Summe (719.999 Euro) ging an Okto. Nach Angaben der RTR haben sich die Anträge der Sender zuletzt spürbar erhöht - zurückzuführen ist das auch auf die Erhöhung der Förderung im Jahr 2024.
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Am kommenden Freitag entscheidet sich beim Vorentscheid, wer Österreich in diesem Jahr beim ESC in Wien vertreten wird. Nun hat der ORF einen Einblick in das geplante Voting gegeben, schon klar war ja, dass neben dem Publikum auch eine Jury zum Zuge kommen wird. Nun steht fest: Stimmen von Jury und Zuschauern zahlen jeweils die Hälfte. Konkret läuft das Voting so ab: Die Jurorinnen und Juroren der Fachjury vergeben ihre Wertung auf Basis der Generalprobenauftritte der zwölf Acts. Nach der Präsentation der Songs aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer in "Vienna Calling – Wer singt für Österreich? Die Show" hat das Publikum die Möglichkeit, via Telefonvoting für ihre Lieblinge abzustimmen. Zur Jury gehören viele ORF-Gesichter wie Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz sowie Mitarbeitende aus den Landesstudios sowie von den ORF-Radiosendern. Hinzu kommen aber auch Musiker und Experten wie Jamala (ESC-Siegerin), Produzent Jakob Rabitsch, Sänger Michael Schulte, Sängerin Shari Short oder auch DJ Parov Stelar und Sascha Mutavdzic von Eurovision Austria. Hinzu kommen Personen aus privaten Medien wie Wolfgang Pammer (Kronehit), Heide Rampetzreiter (Die Presse) und Alina Rauch (Radio NRJ). Auch ProSiebenSat1Puls4-Geschäftsführer Thomas Gruber und sein Programmchef Patrick Schubert sowie ServusTV-Unterhaltungschef Peter Wolfgruber sind Teil der Jury.
Österreich in Zahlen
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Die Olympischen Winterspiele haben ORF 1 auch in den zurückliegenden Tagen hervorragende Quoten beschert, überstrahlt wurde in der vergangenen Woche jedoch alles vom Wiener Opernball. Die Eröffnung des Balls sahen durchschnittlich 1,41 Millionen Menschen, der Marktanteil in ORF 2 lag bei starken 56 Prozent. Die Ankunft der Gäste und die Vorberichterstattung kamen zuvor auf 1,17 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sowie 43 Prozent. Später war im Anschluss an die "ZiB 2" noch "Das Fest" zu sehen. Die gesamte ORF-2-Live-Übertragung erreichte im Schnitt 1,12 Millionen Zuschauende und einen Marktanteil von 50 Prozent. Tagsüber punktete ORF 1 mit Olympia-Wettbewerben. Zusammengerechnet kamen die Sender der Gruppe am vergangenen Donnerstag auf einen Tagesmarktanteil in Höhe von 53,1 Prozent - das ist der höchste Wert seit dem 28. September 2008, dem Tag der damaligen Nationalratswahl.
Kehrtwende: ORF-Chef wehrt sich gegen FPÖ-Angriffe
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