Austria Update vom 11. März
ORF bleibt nach Weißmanns Rücktritt in Aufruhr
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Nach dem überraschenden Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann herrscht helle Aufregung. Sein Anwalt hat nun scharfe Kritik am Vorgehen des Stiftungsratsvorsitzenden geäußert. Dessen Aussagen seien "unwahr".
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Überraschend wurde am Montag der Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann in Folge von Vorwürfen sexueller Belästigung bekannt. Der ORF-Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer hat nun im "Standard" klargestellt, dass Weißmann selbst zurückgetreten sei. Zuvor hatte dessen Anwalt erklärt, der Stiftungsrat habe dies verlangt (DWDL.de berichtete). "Wir sind am Mittwoch mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Wir haben ihn damit konfrontiert und ihm gesagt, er soll das im Interesse des ORF rasch klären", sagte Lederer gegenüber dem "Standard". "Er sollte umgehend mit dem Anwalt der Betroffenen sprechen und eine Lösung vorlegen. Er sah da offenbar keine Lösungsmöglichkeit und erklärte seinen Rücktritt." Lederer weiter: "Es wäre in meiner Zuständigkeit gelegen, ihn zu beurlauben und in der Zuständigkeit des Stiftungsrats, über weitere Schritte zu entscheiden, ob Kündigung oder Entlassung." Die Wahl zur neuen Generaldirektion des öffentlich-rechtlichen Senders soll indes wie geplant in einigen Monaten stattfinden. "Enorm viele Männer und Frauen interessieren sich, einige aus dem Haus, viele interessanterweise aus dem deutschsprachigen Raum", sagte der Stiftungsratsvorsitzende. Zu konkreten Namen äußerte er sich allerdings nicht.
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Widerspruch zu Lederers Aussagen kamen unterdessen von Oliver Scherbaum, dem Anwalt Weißmanns. Es sei etwa "unwahr", dass Weißmann seinen Rücktritt freiwillig erklärt habe. Vielmehr hätten Vertreter des Stiftungfsrats Weißmann "nach Vorhalt der ungeprüften Vorwürfe einer Mitarbeiterin am Freitagabend unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, dass er von einer Verteidigung seiner Person Abstand nehmen solle und – wie von der Mitarbeiterin gewünscht – seinen Rücktritt erklären solle", wird Scherbaum vom "Standard" zitiert. Weißmann sei "dazu gedrängt" worden, "ungeachtet der Wahrheit oder Unwahrheit der Vorwürfe zurückzutreten". Weißmann sei überzeugt, dass er "kein Fehlverhalten gesetzt hat". Er habe sich "schweren Herzens und ausschließlich in reiner Verbundenheit zum ORF, für den er mehr als 30 Jahre zum Wohl des Unternehmens tätig war", entschlossen, zurückzutreten.
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Auch die österreichische Politik reagierte auf Weißmanns Rücktritt. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) sprach von einem notwendigen Schritt, damit das hohe Ansehen des ORF keinen Schaden nehme. ÖVP-Mediensprecher Nico Marchetti wiederum erklärte, man nehme die Entscheidung zur Kenntnis. Nun seien Aufklärung und Transparenz geboten, die weiteren Schritte habe der Stiftungsrat zu definieren. Erwartungsgemäß drastische Worte kamen dagegen von der FPÖ. Der ORF habe jetzt "die Chance, seine selbstgewählte Rolle als zwangssteuerfinanzierter Regierungslautsprecher aufzugeben und sich wieder seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag zu widmen", sagte Generalsekretär und Mediensprecher Christian Hafenecker.
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Noch vor dem Weißmann-Paukenschlag gab es Ärger um eine Redezeitbeschränkung im ORF-Stiftungsrat. Diese wurden vor allem von FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler scharf kritisiert - mit seinen ausführlichen Wortmeldungen in dem Gremium gilt es auch als Grund für die vorgenommenen Verschärfungen. So sieht der Entwurf etwa Ordnungsrufe, den "völligen" Entzug des Wortes und Sitzungsunterbrechungen vor. Noch nicht entschieden ist laut "Standard" die Möglichkeit, Mitglieder des Stiftungsrats per Abstimmung auszuschließen. Westenthaler hatte schon in der Vergangenheit öffentlich von "Maulkörben" gesprochen, die aus seiner Sicht dazu dienen sollen, ihn "mundtot" zu machen.
Österreich in Zahlen
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Die ORF-Serie "Die Fälle der Gerti B." ist am Montababend in die zweite Staffel gestartet. Mit durchschnittlich 378.000 Zuschauerinnen und Zuschauern fiel die Reichweite der ersten Folge um 20:15 Uhr in ORF 1 allerdings niedriger aus als beim Serienstart im Jahr 2024. Die zweite Folge musste zudem Verluste hinnehmen und kam noch auf 302.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Mit Marktanteilen von 15 beziehungsweise 13 Prozent bewegte sich die Serie dennoch klar über dem Senderschnitt. Bei den 12- bis 29-Jährigen überzeugte "Gerti B." zum Auftakt mit 16 Prozent Marktanteil.
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Die Formel 1 ist am frühen Sonntagmorgen bei ServusTV mit starken Quoten gestartet. Durchschnittlich 239.000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten schon ab 5:03 Uhr den Großen Preis von Australien und machten die Übertragung damit - trotz der frühen Sendezeit - zur meistgesehenen Sendung der Woche eines österreichischen Privatsenders. Der Marktanteil belief sich nach Angaben des Senders auf herausragende 55,7 Prozent und betrug in der Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen sogar 61,2 Prozent. Beim Streamingdienst ServusTV On kam das erste Rennen der Saison zudem auf 497.000 Video Views, zehn Prozent mehr als noch bei ersten Live-Rennen des Vorjahres.
ORF bleibt nach Weißmanns Rücktritt in Aufruhr
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