Austria-Update vom 25. März
Kritik an Stiftungsräten, starker "Alpentod"-Krimi bei ServusTV
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Die Krise im ORF sorgt nun auch für deutliche Kritik am Stiftungsrat, allen voran der Vorsitzende Heinz Lederer steht im Kreuzfeuer. Außerdem: Neuigkeiten zum ESC, hohe Quoten für den "Alpentod"-Krimi bei ServusTV und die Zahlen zum "Braunschlag"-Comeback.
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Nachdem Ingrid Thurnher zunächst die Stelle der ORF-Generaldirektorin übernommen hatte, weil Roland Weißmann vor dem Hintergrund von Vorwürfen eines unangemessenen Verhaltens zurückgetreten war, ist die Stelle an der ORF-Spitze nun ausgeschrieben worden. Dabei geht es aber nur noch um den Rest des laufenden Jahres, also bis Ende 2026. Bewerbungen können noch bis Mitte April eingereicht werden, Thurnher hatte schon angekündigt, sich bewerben zu wollen. Ihr werden gute Chancen eingeräumt, am 23. April noch einmal mit großer Mehrheit gewählt zu werden. Wirklich spannend wird es aber danach, im Mai beginnt nämlich die Ausschreibung für den Posten für die Zeit ab 2027. Ob Thurnher ihren Hut dann noch einmal in den Ring werfen wird, ist aktuell unklar.
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Heinz Lederer
Durch die Verwerfungen im ORF stehen aktuell auch Mitglieder des Stiftungsrats in der Kritik, allen voran der Vorsitzende des Gremiums, Heinz Lederer. Das Nachrichtenmagazin "Profil" berichtete etwa, dass Lederer auch für andere Unternehmen arbeitete, die wiederum in der Vergangenheit Geschäfte mit dem ORF machten. Vor allem die rechtspopulistische FPÖ nutzte das für Kritik und forderte den Rücktritt von Lederer. Der Stiftungsratsvorsitzende wies die FPÖ-Behauptung, seine "Tätigkeit im Kontrollgremium für Geschäftemacherei gegen die Interessen des ORF benutzt zu haben" zurück. Lederer weiter: "Alle Beratungsleistungen im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als Unternehmer und nicht als Aufsichtsrat sind hinsichtlich der Vereinbarkeit mit meiner Funktion im ORF-Stiftungsrat geprüft und stehen in keinem Zusammenhang und schon gar nicht im Widerspruch zu den Interessen des ORF."
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Wie lange sich Heinz Lederer an der Spitze des Stiftungsrats wird halten können, wird man sehen. Er steht der SPÖ nahe und bekam zuletzt auch aus unerwarteter Richtung Gegenwind: Der mächtige SPÖ-Politiker Hans Peter Doskozil, seines Zeichens Landeshauptmann im Burgenland, forderte den Rücktritt von Lederer und dessen Vize Gregor Schütze. Er sei der Meinung, "dass der Vorsitzende des Stiftungsrates – auch, wenn er der SPÖ zugeordnet wird – nicht tragbar ist. In aller Klarheit: Es geht nicht, dass jemand bei einer Transaktion, bei der ORF-Immobilien betroffen sind, auf beiden Seiten sitzt", erklärte der Politiker in einem Interview mit der Zeitung "Heute". Lederer müsse ebenso wie sein Stellvertreter "und einige andere auch, die als politische Hypotheken den nötigen Neustart erschweren", zurücktreten, so Doskozil weiter, der fordert, der ORF solle "politikfrei" werden.
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Bereits in der vergangenen Woche berichtete DWDL.de an dieser Stelle, dass der ehemalige ORF-Chef Roland Weißmann Strafanzeigen gestellt habe. Die Rede war damals von Strafanzeigen gegen "mehrere Personen". Inzwischen ist klar, dass Weißmann juristisch gegen zwei Personen vorgeht. Unklar ist zum aktuellen Zeitpunkt aber noch, um wen es sich dabei handelt und welche angeblichen Tatbestände ins Feld geführt werden. Wie die "Krone" berichtet, ist eine der Personen die Frau, die Weißmann ein unangemessenes Verhalten vorwirft. Weißmann hat über seinen Anwälte sämtliche Anschuldigungen zurückgewiesen, seine Seite kritisierte zuletzt eine "laufende Vorverurteilung".
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Neuigkeiten gibt es inzwischen auch in Sachen Eurovision Song Contest, der im Mai bekanntlich in Wien steigen wird. So hat der ORF bestätigt, dass Opening Acts und Interval Acts in beiden Halbfinals sowie beim Finale für ein Showprogramm sorgen werden. Es gibt unter anderem eine filmische Zeitreise durch 70 Jahre ESC, außerdem sollen sich die Hosts Victoria Swarovski und Michael Ostrowski augenzwinkernd mit dem "Milkshake Man" aus dem vergangenen Jahr beschäftigen. Vorjahressieger JJ wird im zweiten Halbfinale außerdem seinen neuen Song präsentieren, auch im Finale tritt er auf. In der Voting-Pause des Finals sind Auftritte von einigen Eurovision-Allstars geplant, mit dabei sind etwa Verka Serduchka, Erika Vikman, Lordi und Il Volo. Parov Stelar und Cesár Sampson haben ebenfalls Auftritte im Finale. Apropos Finale: Fest steht mittlerweile auch, dass Österreich-Vertreter Cosmó als letzter Act in Wien auf die Bühne treten wird.
Österreich in Zahlen
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Den "Alpentod"-Krimi produzieren RTL und ServusTV bekanntlich gemeinsam. Anders als RTL am Dienstag zeigt ServusTV die Filme jedoch am Samstagabend - und dort war der jüngste Teil der Reihe zuletzt ein großer Erfolg. 224.000 Menschen sahen sich den Krimi beim Sender an, beim Gesamtpublikum holte der Sender damit ganz starke 9,9 Prozent Marktanteil. Und auch bei den 12- bis 49-Jährigen lief es angesichts von 7,4 Prozent sehr gut. Auf mehr Reichweite kam ServusTV in der vergangenen Woche übrigens nur mit der MotoGP, die es am Sonntagvorabend sogar auf 247.000 Zuschauerinnen und Zuschauer brachte.
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Das Comeback von "Braunschlag" ist erfolgreich verlaufen, zumindest der erste Teil erreichte am vergangenen Freitag sehr hohe Quoten. 415.000 Menschen sahen sich den Film mit dem Titel "Braunschlag 1986" zur besten Sendezeit in ORF 1 an, der Marktanteil lag bei starken 18 Prozent. ORF 1 lag damit nur knapp hinter ORF 2. In der klassischen Zielgruppe wurden 19 Prozent gemessen. Die schlechte Nachricht: Den zweiten Teil sahen einen Tag später schon nur noch 278.000 Menschen, der Gesamt-Marktanteil sackte auf 12 Prozent ab. "Schlagerspaß mit Andy Borg" kam zur gleichen Zeit in ORF 2 auf 471.000 Zuschauerinnen und Zuschauer sowie 21 Prozent.
Kritik an Stiftungsräten, starker "Alpentod"-Krimi bei ServusTV
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