Austria-Update vom 1. April
Joyn: Der Status als österreichischer Superstreamer wackelt
© Joyn
ServusTV zieht seine Sportübertragungen von Joyn ab, für die Plattform ist das ein herber Schlag. Außerdem: Schrecksekunde in einer Volksmusikshow des ORF, Jan Böhmermann und Olli Schulz wieder beim ESC und die Topverdiener im ORF.
© Gerry Frank
Es ist ein herber Rückschlag für ProSiebenSat.1Puls4. ServusTV zieht seine hochkarätigen Sport-Übertragungen von der Streamingplattform Joyn ab, weil man diese künftig lieber exklusiv auf dem eigenen ServusTV On auswerten will. Die ProSiebenSat.1-Tochter in Österreich hatte Joyn vor rund drei Jahren gestartet und konnte den Dienst in dieser Zeit tatsächlich - anders als in Deutschland - als eine Art Superstreamer positionieren. In Österreich sind nicht nur die wichtigsten Sender mit ihren Live-Signalen auf Joyn vertreten, sondern auch mit ihrem On-Demand-Inhalten. So konnten die Nutzerinnen und Nutzer auf Joyn bislang auch alle Programme des ORF oder auch ServusTV sehen. Die jeweiligen Klicks gehen dann auf das Konto der verschiedenen Anbieter. RTL macht auch in Österreich nicht mit, spielt dort aber nicht eine annähernd so wichtige Rolle wie in Deutschland.
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Dadurch, dass ServusTV jetzt seine hochkarätigen Sport-Übertragungen von Joyn abzieht, schwächt man die Plattform. Auch die Vermarktung und das Marketing dürfte nun schwieriger werden, wenn man nicht mehr damit werben kann, alle wichtigen Österreich-Sender mit ihren Inhalten auf der Plattform zu haben. Formel 1, MotoGP, UEFA-Klubwettbewerbe, Fußball-WM, Fußball-EM und Grand-Slam-Turniere im Tennis will ServusTV künftig nur noch auf der eigenen Streamingplattform anbieten. Und auch rund um den ORF-Verbleib auf Joyn gibt es seit Wochen Spekulationen. Gegenüber dem "Kurier" sagt der öffentlich-rechtliche Sender jetzt: "Mit der zunehmend herausfordernden Situation am Medienmarkt gewinnt die Frage nach den Rechten und der fairen Abgeltung von Kreativleistungen jedoch immer stärker an Bedeutung. Der ORF hat daher eine Evaluierung dieser Zusammenarbeit eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen ist." Rund 25 Prozent der Online-Reichweite des ORF kommt aktuell über Joyn. Eine Lizenzvereinbarung hatten die Unternehmen übrigens nicht abgeschlossen - ProSiebenSat.1Puls4 nutzt das Embedding, um die ORF-Inhalte auf Joyn zu integrieren. Es ist ein Vorgehen, mit dem man in Deutschland spektakulär gescheitert ist.
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Wenn im Mai der Eurovision Song Contest (ESC) in Wien steigen wird, sind auch Jan Böhmermann und Olli Schulz wieder mit dabei. Sie kommentieren zum mittlerweile vierten Mal in Folge den Musikwettbewerb für den ORF-Radiosender FM4. Im ORF spricht man bereits von einer "bewährten Tradition". Die Übertragung beginnt am Finaltag um 20:45 Uhr bei FM4, neben dem reinen Audiosignal gibt es auch einen Videostream auf ORF On und der Webseite von FM4. Einen Tag nach dem ESC-Finale haben Böhmermann und Schulz außerdem ihren ersten Live-Auftritt von "Fest & Flauschig" in Österreich. Im Wiener Burgtheater heißt es ab 11:30 Uhr "Frivoles Treiben auf der Burg – Die Fest & Flauschig Eurovision-Matinee".
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Franz Posch
Schrecksekunde in der ORF-Volksmusikshow "Mei liabste Weis": Mitten in der Live-Sendung am vergangenen Samstag aktivierte sich offenbar der Defibrillator von Volksmusiker Toni Maier - der war da gerade mitten in einem Auftritt. Der 77-Jährige musste die Nummer daraufhin abbrechen und von Sanitätern behandelt werden. Schließlich wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Kurz nach dem Vorfall erklärte Moderator Franz Posch, dass es Maier schon wieder besser gehe. Am Sonntag gab es Entwarnung, Maier ist wohlauf. Bei ORF On ist die Live-Show durch die Generalprobe ersetzt worden. "Mei liabste Weis" spielt, anders als beispielsweise die Schlagershows von Florian Silbereisen, nicht auf einer großen Bühne. Als Kulisse dienen stattdessen Wirtshäuser.
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Der ORF ist in dieser Woche wieder seiner gesetzlichen Pflicht nachgekommen und hat die Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter veröffentlicht, die im vergangenen Jahr mehr als 170.000 Euro brutto verdient haben. Robert Kratky taucht darin nicht mehr auf, der Ö3-Moderator und zuletzt bestbezahlte ORF-Mitarbeiter schied 2025 aus dem Unternehmen aus. An der Spitze steht jetzt Manager Pius Strobl (rund 469.000 Euro), der den Neubau auf dem Wiener Küniglberg verantwortete. Dahinter folgen der mittlerweile zurückgetretene Ex-Generaldirektor Roland Weißmann (ca. 427.500 Euro), Werbechef Oliver Böhm (ca. 349.000 Euro) und der mittlerweile ebenfalls nicht mehr im Unternehmen beschäftigte Ex-Sportchef Hannes Aigelsreiter (ca. 340.000 Euro). In der Liste finden sich auch noch weitere Spitzenmanagerinnen und Spitzenmanager, etwa alle Direktoren und Hauptabteilungsleiter. Der ORF-Mitarbeiter auf der Liste, der die höchsten monatlichen Nebeneinkünfte hat, ist Moderator Andi Knoll, der zusätzlich zu seinem Bruttogehalt in Höhe von rund 191.000 Euro monatlich noch etwas mehr als 10.000 Euro einnahm. Drei weitere Mitarbeitende kommen auf noch mehr Nebeneinkünfte, tauchen in der Liste aber nicht auf, weil sie im ORF brutto weniger als 170.000 Euro verdienen. Eine vollständige Liste finden Sie bei den Kollegen von "Der Standard".
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ProSiebenSat.1Puls4 ist eine Kooperation mit dem Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) eingegangen. Demnach sind ab der Saison 2026/27 vier Spiele des ÖFB-Cups bei Puls 4 und Joyn zu sehen, dabei handelt es sich um Spiele bis inklusive zum Viertelfinale. Die Vereinbarung gilt für die kommenden vier Jahren, Puls 4 hat in dem Fall das Zweitwahlrecht für die Spiele. Wichtigster Free-TV-Partner für den ÖFB bleibt der ORF, mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk hatte man die Zusammenarbeit zuletzt verlängert. Im ORF sind künftig mindestens 15 Spiele live pro Saison zu sehen.
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Zu den Umständen, die zum Rücktritt von Ex-ORF-Chef Roland Weißmann geführt haben, hat sich nun auch Gerhard Zeiler geäußert. Der Manager von Warner Bros. Discovery hat den ORF selbst schon geleitet und wird in Österreich immer wieder genannt, wenn es darum geht, wichtige Posten zu besetzen. In den vergangenen Jahren wurde beispielsweise über eine mögliche Kanzlerkandidatur von Zeiler auf Seiten der SPÖ spekuliert. Zum Rücktritt von Weißmann sagte Zeiler auf einer Veranstaltung der "Salzburger Nachrichten", dass es für solche Fälle ein rechtliches Drehbuch gebe. Zunächst müsse man die jeweilige Person beurlauben, eine außenstehende Kanzlei mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragen und dann eine finale Entscheidung treffen. Dieses Drehbuch sei im Fall von Roland Weißmann "nicht eingehalten" worden, so Zeiler, der das als nicht nachvollziehbar bezeichnet. Zeiler fordert zudem eine Reform des ORF-Stiftungsrats. Dieser soll nach dem Willen des WBD-Managers von 35 auf weniger als 10 Personen verkleinert werden - einen Platz im Gremium sollen dann auch nur noch "richtige Experten" erhalten. Bislang ist der Stiftungsrat vor allem politisch besetzt.
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Die Umstände des Rücktritts von Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann beschäftigt ab sofort auch die Medienbehörde KommAustria. Die beiden ORF-Stiftungsräte, die von der FPÖ nominiert wurden, Peter Westenthaler und Christoph Urz, haben vor der Behörde Beschwerde gegen den Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und seinen Stellvertreter Gregor Schütze eingereicht, darüber berichtet die Nachrichtenagentur APA. Lederer und Schütze sollen das Gremium übergangen und zu spät informiert haben. In der Beschwerde heißt es, dass "ganz offensichtlich" Druck auf Weißmann aufgebaut worden sei, damit er zurücktrete und sich der Stiftungsrat nicht mit der Frage einer potenziellen Abberufung befassen müsse. Eine solche Abberufung hätte mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden müssen - unklar ist, ob es dazu gekommen wäre. Lederer erklärte zuletzt, er habe Weißmann nicht zum Rücktritt gedrängt. Der ehemalige ORF-Chef fühlte sich wohl zumindest unter Druck gesetzt, so viel kann man den Pressemitteilungen seiner Rechtsvertreter entnehmen. Westenthaler und Urz kritisieren in ihrer Beschwerde zudem, dass in einer von der Stiftungsratsspitze verbreiteten Pressemitteilung von Vorwürfen der "sexuellen Belästigung" die Rede gewesen sei.
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Apropos KommAustria: Die Medienbehörde hatte sich in den vergangenen Monaten auch mit einer Beschwerde unter anderem der Israelitischen Kultusgemeinde Wien beschäftigt. Dort warf man dem ORF vor, in einem Beitrag des "Weltjournals" aus dem Jahr 2024 "Hamas-Lügen" verbreitet zu haben (DWDL.de berichtete). Über eine erste, nicht rechtskräftige Entscheidung der Behörde, berichtet nun der "Standard". Demnach hat die KommAustria tatsächlich Rechtsverstöße und journalistische Fehler festgestellt. Es sei unter anderem ein "verzerrter Eindruck" für das Publikum entstanden, weil eine der Protagonistinnen nicht ausreichend kontextualisiert worden sei. Die betroffene Frau äußerte zuvor immer wieder Sympathie für die Hamas, das fand in dem Beitrag aber keinen Niederschlag. In einem anderen Fall gab es einen Übersetzungsfehler und die Medienbehörde bemängelt zudem, dass behauptet wurde, Israel sei für einen Anschlag auf einen Flüchtlingskonvoi verantwortlich, obwohl bis heute unklar ist, wie es dazu kam. Nach dem Willen der Behörde soll der ORF die beanstandeten Fehler transparent machen und eine entsprechende Feststellung auf dem gleichen Sendeplatz verlesen. Dazu wird es vorerst aber nicht kommen. Der ORF hat Beschwerde gegen den Bescheid eingereicht. Das bestätigte der Sender gegenüber dem "Standard", darüber hinaus wollte man sich aber nicht äußern. Auch die Israelitische Kultusgemeinde Wien hat mittlerweile Beschwerde eingereicht, weil die KommAustria in einigen Punkten anders entschieden hatte als von der Organisation gefordert.
Joyn: Der Status als österreichischer Superstreamer wackelt
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