ORF © ORF
Im ORF steht schon bald die nächste richtungsweisende Wahl bevor - und so langsam wird es spannend. Am 11. Juni entscheidet sich, wer das öffentlich-rechtliche Rundfunkunternehmen ab 2027 für fünf Jahre führen wird. Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann war Ingrid Thurnher mit der Aufgabe betraut worden - allerdings nur bis zum Ende dieses Jahres. Die Bewerbungsfrist endet am morgigen Donnerstag, den 28. Mai. Bis dahin müssen alle Interessierten ihren Hut in den Ring geworfen haben, und das Bewerberfeld füllt sich langsam. 

Markus Breitenecker © LinkedIn / Markus Breitenecker
Der im deutschsprachigen Raum wohl bekannteste Medienmanager, der sich bereits beworben hat, ist Ex-ProSiebenSat.1-Vorstand Markus Breitenecker (DWDL.de berichtete). Darüber hinaus hat aber auch schon Lisa Totzauer ihre Bewerbung angekündigt. Sie hatte sich bereits bei der letzten Wahl 2021 beworben und musste sich letztlich Roland Weißmann (und Alexander Wrabetz) geschlagen geben, damals kam Totzauer jedoch auf fünf Stimmen - ein respektables Ergebnis. Totzauer, aktuell Magazinchefin im ORF, erklärte vor einigen Tagen, der ORF befinde sich in einer "fundamentalen Krise". Er müsse jetzt reformiert werden. "Wir können es nicht mehr aufschieben. Ich bin bereit, diese Verantwortung zu übernehmen." Die Unterstützung der Korrespondenten und Korrespondentinnen des ORF hat sie, diese haben sich für Totzauer ausgesprochen. 

Clemens Pig © IMAGO / Eibner Europa Clemens Pig
"Exxpress"-Gründerin Eva Schütz, die nach wie vor Anteile am rechten Krawallportal hält, wird sich ebenso um die ORF-Spitze bewerben wie Unternehmensberater und PR-Profi Ernst Primosch. Ihnen werden jedoch keine realistischen Chancen eingeräumt. Interessant ist aktuell vor allem auch, wer sich noch nicht deklariert hat. Ingrid Thurnher beispielsweise, die aktuelle ORF-Chefin. Sie hat sich noch immer nicht in die Karten schauen lassen, ob sie sich bewirbt. Auch über eine mögliche Bewerbung von APA-Chef Clemens Pig gibt es noch keine Informationen, er wird nun schon aber seit einiger Zeit als Favorit gehandelt, der auch in der Gunst der Regierung sehr weit oben stehen soll. Die Regierung, allen voran die ÖVP, favorisiert Pig angeblich auch deshalb, weil er von außen kommt. Das würde aber auch auf Markus Breitenecker zutreffen. 

ORF Stiftungsrat © ORF/Roman Zach-Kiesling
Die Politik stellt traditionell einen Großteil der 35 Stiftungsräte. So werden sechs Mitglieder direkt von der Bundesregierung entsandt, sechs weitere kommen von den Parteien und darüber hinaus schickt auch jedes der neun Bundesländer noch einen Stiftungsrat. Das alles führt dazu, dass die Freundeskreise von SPÖ und ÖVP aktuell relativ gleich groß sind. Mit einigen unabhängigen Mitgliedern, die tendenziell eher zur SPÖ neigen, hätten die Sozialdemokraten einen kleinen Vorsprung. Alleine entscheiden könnte aber keine der beiden Seiten - deshalb wird es spannend, was die anderen Mitglieder im Gremium machen. Also die Stiftungsräte, die von FPÖ, Grünen und Neos entsandt wurden. Leonhard Dobusch, früher Fernsehrat und Verwaltungsrat im ZDF, gilt als unabhängig, sodass man ihn keiner Seite zuordnen kann. 

© ORF/Thomas Ramstorfer
Sollten sich Freundeskreise von ÖVP und SPÖ einig sein, dürfte es ein ziemlich eindeutiges Ergebnis am 11. Juni geben. Entscheiden sie sich für unterschiedliche Kandidaten, hängt es an den anderen Mitgliedern im Gremium. Am Ende entscheidet die einfache Mehrheit. Roland Weißmann kam 2021 auf 24 Stimmen. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti erklärte vor einigen Tagen gegenüber der "Presse", dass der neue ORF-Generaldirektor von außen kommen müsse. "Unbelastet von all diesen Verstrickungen und Intrigen", so der Politiker. Zu den Spekulationen rund um APA-Chef Clemens Pig erklärte Marchetti: "Er ist definitiv ein Profi und ich würde mich freuen, wenn er sich bewirbt." Das liest sich wie eine ziemlich unverblümte Unterstützungserklärung. Kritik daran kommt vom Koalitionspartner, den Neos. Dass sich die ÖVP so wohlwollend über Pig äußerten, sei eine "klare Einschüchterung all jener, die sich noch nicht beworben haben". Die Neos fordern zudem einen verkleinerten und anders als bislang aufgestellten Stiftungsrat.

Was sonst noch passiert ist

Team Arnautovic © ProsiebenSat1Puls4
Schon zuletzt hatte ProSiebenSat.1Puls4 unter dem Titel "Team Arnautovic" eine Personality-Doku rund um Fußball-Nationalspieler Marko Arnautovic angekündigt (DWDL.de berichtete), nun gibt es einen konkreten Starttermin. Das Format ist erstmals am Sonntag, den 7. Juni, um 20:15 Uhr bei Puls 4 zu sehen und soll darüber hinaus auch bei Joyn für hohe Abrufzahlen sorgen. Im Mittelpunkt des Formats steht die Familie Arnautovic, neben Marko sind das auch seine Frau Sarah sowie ihre gemeinsamen Töchter Emilia und Alicia.

Geldscheine © Chobe / photocase.com
In der vergangenen Woche hatten wir an dieser Stelle über die Pläne der Regierung rund um eine Streamingabgabe berichtet (DWDL.de berichtete). Beim Verband Österreichischer Privatsender stieß das Vorhaben der Politik schon damals auf breite Kritik - auch die Mitgliedsunternehmen des Verbands wären wohl von der Abgabe betroffen. Bei den Produzentenverbänden Film Austria und aafp sieht man das naturgemäß anders, gegenüber dem "Kurier" sprechen deren Chefs von einer "angeblichen Belastung" des österreichischen Privatfernsehens. Sie verweisen darauf, dass der Gesetzesentwurf das lineare TV ausschließe und die Verpflichtung erst ab zwei Millionen Euro Umsatz gelte. Damit würden nach Darstellung der Verbände neben den großen Streamingdiensten wie Netflix und Prime Video nur zwei Unternehmen mit Sitz in Österreich 12 Prozent ihrer Österreich-Umsätze im Land lassen müssen: ProSiebenSat.1Puls4 und Bertelsmann bzw. RTL. Die scharfe Kritik der Privatsender bezeichnen die Produzentenverbände als "großen TV-Theaterdonner, gesteuert und finanziert von Gewinninteressen internationaler Großkonzerne". Der VÖP geht davon aus, dass auch andere Unternehmen von der Regelung betroffen wären.