Austria-Update vom 10. Juni
Nächster ORF-Manager freigestellt, doch keine Streamingabgabe?
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ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat den nächsten hochrangigen Manager freigestellt, in diesem Fall ist es sogar der bestbezahlte Mitarbeiter des Unternehmens. Außerdem: Die Streamingabgabe wird wohl doch (noch) nicht beschlossen wie geplant.
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Am morgigen Donnerstag, den 11. Juni, wird sich entscheiden, wer den ORF ab 2027 führen wird. Der Stiftungsrat wählt dann einen neuen Generaldirektor bzw. eine neue Generaldirektorin. Eine Übersicht über die noch im Rennen befindlichen Kandidatinnen und Kandidaten sowie ihre Stärken und Schwächen lesen Sie im Vorfeld der Wahl am Donnerstag bei DWDL.de. In diesem Austria-Update konzentrieren wir uns deshalb auf andere Ereignisse, die sich in den zurückliegenden Tagen in der österreichischen Medienlandschaft zugetragen haben. Die bevorstehende ORF-Wahl war aber auch zuletzt das bestimmende Thema in der Medienberichterstattung.
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Pius Strobl
Für viele Schlagzeilen hat die Tatsache gesorgt, dass ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher den Manager Pius Strobl bis auf weiteres beurlaubt hat. Strobl ist damit der nächste mächtige Mitarbeiter, dem es so ergeht. "Bei der ORF-Compliance-Stelle sind in den vergangenen Wochen zahlreiche Hinweise beziehungsweise Meldungen im Hinblick auf ein mögliches Fehlverhalten von Pius Strobl eingegangen", hieß es vom ORF. Man wolle mit der Freistellung, die keine Vorverurteilung darstelle, eine unvoreingenommene und unbeeinflusste Durchführung der Untersuchung durch die ORF-Compliance-Stelle sicherstellen. Mit Pius Strobl hat es den bestbezahlten ORF-Manager getroffen, er arbeitete zuletzt unter anderem als Leiter des 300-Millionen-Euro-Bauprojekts am Wiener Küniglberg. Die Frau, die dem zurückgetretenen ORF-Chef Roland Weißmann sexuelle Belästigung vorwirft, kommt aus Strobls Bereich, was Gerüchte befeuerte, er hätte die Frau zu dem Schritt ermutigt. Strobl lag mit Weißmann im Streit über seine Pension, die ihm noch vom Ex-Generaldirektor Alexander Wrabetz zugesichert worden war. Strobl kündigte bereits an, seine vermeintlichen Ansprüche nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen einklagen zu wollen. Gegenüber der APA teilte Strobl am Montag mit, er kenne die Gründe für seine Freistellung nicht.
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Jetzt ist es fix: Die Regierung streicht dem ORF einen Millionen-Betrag, dabei geht es um den Wegfall der finanziellen Kompensation für den Vorsteuerabzug (DWDL.de berichtete). Nun steht fest, dass 93 Millionen Euro gestrichen werden. Aktuell ist aber noch unklar, wie viel der ORF tatsächlich real sparen muss. Wie der "Standard" an diesem Mittwoch berichtet, darf der ORF durch die Streichung nämlich auch mehr Mittel aus den ORF-Beiträgen von den dafür vorgesehenen Sperrkonten holen, hier wird der Deckel von 710 auf 780 Millionen Euro angehoben. Generaldirektorin Ingrid Thurnher hatte bereits angekündigt, im Fall der Fälle gegen den Wegfall der Millionen klagen zu wollen. So eine kurzfristige Streichung so "eigentlich verfassungswidrig", würden Juristinnen und Juristen im ORF sagen, erklärte Thurnher zuletzt vor dem ORF-Publikumsrat. Das Geld müsste das Unternehmen wohl dennoch kurzfristig einsparen, denn bis zu einer möglichen Entscheidung der Gerichte würde viel Zeit vergehen. Zuletzt wurden schon Einsparungen im Unterhaltungsbereich öffentlich, zwei Vorabend-Quizshows werden eingestellt und auch die "Millionenshow" steht auf der Kippe.
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Ingrid Thurnher
Schon Mitte Mai berichteten wir an dieser Stelle über Dokus, die in ORF III zu sehen gewesen sind, und die zu großen Teilen von externen Unternehmen und Organisationen, wie der ÖBB oder der Wirtschaftskammer, beauftragt und finanziert wurden. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer war das jedoch nicht ersichtlich, mittlerweile sind noch mehr derartige Fälle öffentlich geworden. Sah der ORF damals noch kein Problem in der Vorgehensweise, hat sich das mittlerweile geändert. Wie der "Standard" berichtet, prüft Generaldirektorin Ingrid Thurnher nun selbst die betroffenen Dokus. Es steht der Verdacht der käuflichen Berichterstattung im Raum. Der Produzent einer Reihe verlangte von Protagonisten demnach vierstellige Beträge, damit sie in der Sendung vorkommen. Die Programmrichtlinien würden derzeit überarbeitet, so Thurnher.
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Die von der Bundesregierung angestrebte Streamingabgabe in Höhe von 12 Prozent auf Umsätze von Streamingdiensten kommt nun wohl vorerst doch nicht. Eine offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, der in der Sache aber stets gut informierte "Kurier" hat nach eigenen Angaben aus mehreren Quellen erfahren, dass das entsprechende Vorhaben nicht Teil des am Mittwoch zu beschließenden Doppelbudgets sein wird. Demnach hätten sich ÖVP, SPÖ und Neos nicht über die Details einigen können. Geplant war, dass 7 Prozent direkt gezahlt werden müssen. Den Rest hätten sich die Streamer auch durch Investitionen in Produktionen anrechnen lassen können. Damit wollte die Regierung vor allem internationale Streamingdienste zur Kasse bitten, heimische Medienunternehmen liefen jedoch Sturm gegen das Vorhaben. Sie befürchteten, ebenfalls von der Abgabe betroffen zu sein und stellten einen Abbau von Arbeitsplätzen als Schreckensszenario in Aussicht. Einige Mitglieder des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP) wandten sich zuletzt in einem Offenen Brief an die Bundesregierung und forderten diese auf, "die Pläne für eine Streamingabgabe grundlegend zu überdenken". Sollte die Streamingabgabe jetzt nicht beschlossen werden, könnte der nächste Anlauf erst im Herbst erfolgen. Für die Produzenten sind das schlechte Nachrichten, sie fordern die Abgabe schon seit einiger Zeit und sahen in dem Proteststurm der privaten Medienanbieter zuletzt ein "TV-Theaterdonner, gesteuert und finanziert von Gewinninteressen internationaler Großkonzerne".
Österreich in Zahlen
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In der vergangenen Woche sorgten verschiedene Sportübertragungen für hohe Quoten auf mehreren Sendern. Als ServusTV am Sonntag das French-Open-Finale zwischen Alexander Zverev und Flavio Cobolli übertrug, sahen das im Schnitt 180.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, am Ende stieg die Reichweite sogar auf mehr als 250.000. Der Marktanteil in der klassischen Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen lag bei ganz starken 16 Prozent. Das gesamte Turnier erreichte 8,2 Prozent. Nach dem Turnier im vergangenen Jahr waren es die erfolgreichsten French Open aller Zeiten für ServusTV, bei ServusTV On kam das Männer-Finale am Wochenende übrigens noch auf 150.000 Views. Die höchste Reichweite der Woche erzielte der Privatsender jedoch mit dem Fußball-Freundschaftsspiel zwischen Österreich und Tunesien, das in der zweiten Halbzeit von 806.000 Personen verfolgt wurde.
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In ORF 1 sahen am vergangenen Sonntag durchschnittlich 466.000 Menschen das Formel-1-Rennen in Monaco, damit erzielte der Sender einen Gesamtmarktanteil in Höhe von 41 Prozent. Auch Vor- und Nachberichte waren sehr beliebt und lagen weit über den Normalwerten von ORF 1. Meistgesehene Sendung der gesamten Woche war in ORF 1 jedoch eine Folge von "SOKO Donau", die es sogar auf 519.000 Zuschauerinnen und Zuschauer brachte, in der Dienstags-Primetime der vergangenen Woche reichte das zu 26 Prozent Marktanteil.
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Unterdessen ist bei Puls 4 die neue Personality-Doku "Team Arnautovic" rund um Fußballprofi Marko Arnautovic und seine Familie gestartet. 76.000 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen zu, der Marktanteil in der klassischen Zielgruppe (12-49) lag bei guten 7,6 Prozent. Den Schnitt auf dem Sendeplatz am Sonntag um 20:15 Uhr hat das Format damit mehr als verdoppelt. Meistgesehene Sendung von Puls 4 in der gesamten Woche war das Format jedoch nicht, geschlagen geben musste sich Arnautovic dem Fußball-Freundschaftsspiel zwischen den Niederlanden und Algerien, das es einige Tage zuvor auf rund 100.000 Zuschauerinnen und Zuschauer brachte.
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