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Es sind Wochen der Wahrheit für den ORF: Weil die Bundesregierung dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk recht kurzfristig 93 Millionen Euro an Zuschuss gestrichen hat, muss das Unternehmen die Finanzen für das kommende Jahr aktuell ganz genau planen. Dass es zu Einsparungen kommen wird, war schon bekannt. ORF-Chefin Ingrid Thurnher sagte schon vor Wochen, dass der Wegfall des Zuschusses an den Grundfesten des ORF rüttele. Bereits bekannt war, dass der ORF seine eigenproduzierten Vorabend-Quizshows beendet, auch hinter der "Millionenshow", der österreichischen Version von "Wer wird Millionär?", steht schon länger ein Fragezeichen. Jetzt sind weitere Einsparungen beschlossen worden - und die reichen noch viel weiter. 

Ingrid Thurnher © ORF/Thomas Ramstorfer Ingrid Thurnher
So hat Thurnher jetzt angekündigt, dass in der ORF-Marketing-Tochter die Vermittlungsagentur "ORF Stars" ebenso geschlossen wird wie der ORF-Shop. Alleine dadurch sollen nach Angaben der "Salzburger Nachrichten" 20 Stellen abgebaut werden. Generell soll es künftig weniger Führungskräfte geben und damit auch deutlich weniger Hauptabteilungen als bislang. Zu spüren bekommen werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Sparrunden. "Wir werden auch über Nulllohnrunden nachdenken müssen", erklärte Thurnher demnach nach Angaben der Nachrichtenagentur APA intern. Die ORF-Chefin kündigte auch einen Stellenabbau an. "Die Zahlungen an die Pensionskassen werden ausgesetzt, bei Mehrdienstleistungen und Pauschalen müssen ganz harte Grenzen gesetzt werden, alle Zusatz-Zahlungen werden strikt evaluiert", so Thurnher.  

© ORF/Thomas Ramstorfer
Thurnher befindet sich aktuell in den letzten Zügen ihrer Amtszeit, sie hatte den Posten als ORF-Chefin nach dem unrühmlichen Abgang von Roland Weißmann übernommen. Für die Zeit ab 2027 ist Clemens Pig als Generaldirektor bestellt worden, er und sein Team bereiten sich aktuell auf die neue Geschäftsführungsperiode vor. Thurnher und ihr Team wollen Pig derweil weitere Möglichkeiten für Einsparungen aufzeigen, einige Entscheidungen wird dann der neue ORF-Chef treffen müssen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob ORF III weiterhin von einer eigenständigen Gesellschaft geführt werden soll oder in das Hauptunternehmen eingegliedert wird. Auch die Frage, ob man sich perspektivisch noch ein Orchester leisten kann, dürfte bald aufploppen. Und dann geht’s aus Sicht des Publikums konkret darum, welche Sendungen eine Zukunft haben - und welche nicht. 

Geldscheine © Chobe / photocase.com
Der Stiftungsrat des ORF wird in seiner Sitzung am 26. November das Budget für das kommende Jahr beschließen und sich mit der Finanzvorschau für die Jahre danach befassen. Die 93 Millionen Euro, die der ORF ab dem kommenden Jahr einsparen muss, sind eine zusätzliche Belastung für das Unternehmen, das seit Jahren sparen muss - unter anderem weil der ORF-Beitrag von der Regierung eingefroren wurde. Im Falle der Streichung des Bundeszuschusses hatte man aber schon angekündigt, rechtlich dagegen vorgehen zu wollen. Ob das letztlich erfolgreich sein kann - und wenn ja, wann mit einer finalen Entscheidung zu rechnen wäre - ist derzeit unklar. 

Clemens Pig © ORF/Thomas Ramstorfer Clemens Pig
Der designierte ORF-Chef will angesichts der massiven Einsparungen, die dem Sender bevorstehen, übrigens mit gutem Beispiel vorangehen. Clemens Pig hat die Einführung einer Gehaltspyramide angekündigt. In diesem Zuge werde er "erheblich weniger" verdienen als sein Vorgänger, erklärte Pig gegenüber der Tageszeitung "Kurier". Pig betonte, dass er "aus eigener Initiative" heraus ein geringeres Jahresgehalt vorschlagen wolle. Gleichzeitig wolle er auf Bonuszahlungen verzichten. "Es braucht keine Bonuszahlungen oder sonstige Gehaltsbestandteile, die draußen niemand versteht. Es soll ein Fixum geben und das wird geringer sein als die Gesamtvergütung meines Vorgängers", sagte er. Auch einer neuen ORF-Führungsstruktur steht Pig offen gegenüber. Seit Jahren wird kritisiert, dass der Generaldirektor als Alleingeschäftsführer agiert. Immer wieder wird die Idee eines Vorstands ins Spiel gebracht, ändern müsste das letztlich aber die Politik. 

Österreich in Zahlen

9 Plätze 9 Schätze © ORF/Roman Zach-Kiesling
ORF 2 hat am vergangenen Montag wieder seine Bundesländer-Show "9 Plätze - 9 Schätze" ausgestrahlt. Als Sieger der Sendung, in der alle Bundesländer um den schönsten Platz im Land rittern, ging Vorarlberg hervor. Durchschnittlich waren 956.000 Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Live-Show mit dabei, der Marktanteil lag bei sehr starken 39 Prozent. In der Altersklasse der 12- bis 49-Jährigen wurden 27 Prozent gemessen. Sowohl insgesamt als auch beim jungen Publikum erzielte "9 Plätze - 9 Schätze" damit einen so hohen Marktanteil wie niemals zuvor. 

Einschaltquoten © DWDL.de
Am Wochenende ist der alpine Ski-Weltcup in Sölden in die neue Saison gestartet und hat dem ORF mal wieder gute Quoten beschert. Den Riesenslalom der Damen sahen am Samstagvormittag teilweise mehr als 400.000 Menschen und der Marktanteil lag bei mehr als 50 Prozent. Als die Herren einen Tag später in die Saison starteten, sahen sogar 607.000 Menschen zu, das entsprach 56 Prozent Marktanteil. Den zweiten Herren-Durchgang sahen sogar 717.000 Zuschauerinnen und Zuschauer.