© NDR
Austria-Update vom 28. Mai

ORF-Aufsichtsratschef pausiert, Zappn und Joyn werden eins

 

Der ORF-Aufsichtsratschef, der früher auch mal FPÖ-Vorsitzender war, pausiert aus gesundheitlichen Gründen und ProSiebenSat.1Puls4 hat angekündigt, wie es mit der Streaming-App Zappn weiter geht. Beim ORF kann man sich weiterhin über reges Zuschauerinteresse freuen.

von Timo Niemeier
28.05.2019 - 13:44 Uhr

Zappn© P7S1P4
In Deutschland startet ProSiebenSat.1 gemeinsam mit Discovery bald die neue Streaming-Plattform Joyn, in Österreich hat man in den vergangenen Jahren bereits die App Zappn aufgebaut. Nun hat ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker angekündigt, wie es künftig mit den beiden Angeboten weitergehen wird. So wird Joyn Ende dieses Jahres in Österreich starten, bis dahin wird Zappn "laufend ausgebaut und zu Joyn migriert". Das Angebot umfasst dann wie in Deutschland auch die Discovery-Sender, ARD, ZDF, Nickelodeon und weitere, auch der Eurosport Player wird dann verfügbar sein. Unter welchem Namen die neue App künftig verfügbar sein wird, wolle man in den kommenden Monaten entscheiden, so Breitenecker. Fest steht: Zappn ist mit mehr als einer Million Downloads und 150.000 bis 160.000 monatlich aktiven Usern recht erfolgreich unterwegs. Der erfolgreichste Tag der App war der Samstag, nachdem "SZ" und "Spiegel" das Ibiza-Video veröffentlichten. Inzwischen gibt es auf der App auch nicht mehr nur die Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe. Seit Anfang April sind bei Zappn auch ORF 1 und ORF 2 zu empfangen. Daher wird nun auch der Claim geändert. Statt "Voll TV, null Gebühr" heißt es ab sofort "Voll TV, frei gestreamt". Im Juni kommt zudem ServusTV hinzu, auch SchauTV wird bald über die App zu sehen sein. Ganz neu ist außerdem der Pop-Up-Channel Puls 24, auf dem ProSiebenSat.1Puls4 wichtige aktuelle Ereignisse bringen will - davon gibt es in Österreich derzeit ja wahrlich einige. Die Sendungen können zeitgleich auch bei Puls 4 oder ATV zu sehen sein, möglich seien aber auch exklusive Inhalte, die nur auf dem Pop-Up-Channel laufen würden, so Breitenecker am Dienstag in Wien.

Norbert Steger© NDR
Der ORF-Stiftungsratsvorsitzende Norbert Steger ist oberster Aufseher über den Österreichischen Rundfunk und gibt sein Amt nun vorerst ab. Das hat allerdings nichts mit der Regierungskrise zu tun, Steger war mal FPÖ-Chef, sondern mit einer geplanten Operation. Das hat Steger nun gegenüber den "Salzburger Nachrichten" angekündigt. Wie lange er ausfällt, ist nicht klar. Steger spricht von "Wochen oder Monaten". Der ORF-Stiftungsrat wird bis zu Stegers Rückkehr von seinem Vize Franz Medwenitsch (ÖVP) geleitet. Steger war zuletzt immer wieder in der Kritik und will den ORF massiv umbauen. Zuletzt legte er "ZiB 2"-Anchorman Armin Wolf eine Auszeit nahe, nachdem der einen FPÖ-Politiker kritisch interviewt hatte (DWDL.de berichtete).

Kronen Zeitung© Kronen Zeitung
"Krone"-Chefredakteur Klaus Herrmann hat dem "Standard" ein Interview gegeben und darin vor allem über das Ibiza-Video gesprochen, in dem der ehemalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache ja auch viel über die Tageszeitung sprach. Unter anderem ging es darum, wie man die Kontrolle über die "Krone" erlangen könne. "Verrückt, verrückt, verrückt", sei das alles, was Strache da gesagt habe, so Herrmann. "Wir konnten uns nicht vorstellen, dass man so denken kann, dass man solche Ideen haben kann, so absurde, so wahnsinnige Ideen, die uns in unserer Existenz bedrohen oder sogar vernichten würden." Ihm sei innerhalb der ersten halben Minute des Videos klar gewesen, dass das das Ende von Strache sein muss. Hätte Strache seine Pläne in die Tat umgesetzt, so Herrmann, hätte sich die "Krone" gewehrt. Der Zeitung selbst sei das Video "definitiv nicht angeboten" worden. "Auch nach unseren Informationen war das Video im Jänner oder noch früher auf dem Markt. Aber wir waren nicht involviert."

Alexander Wrabetz, ORF© ORF/Thomas Ramstorfer
Auch ORF-Chef Alexander Wrabetz hat in einem Interview mit "Horizont" bestätigt, das Video nicht angeboten bekommen zu haben. 2018 habe man aber Hinweise erhalten, dass ein solches Video für "viel Geld" angeboten würde. Die aktuelle Regierungskrise hat ja auch ganz akute Auswirkungen auf den ORF, das haben wir bereits vor einer Woche an dieser Stelle beleuchtet. Wrabetz sagt nun: "Nach den Nationalratswahlen werden die Karten neu gemischt." Er bedauere das einerseits, "weil es natürlich auch wichtige Gesetzesänderungen betrifft, die wir dringend für die Entwicklungsfähigkeit für unsere Plattformstrategie und unser Player-Projekt gebraucht hätten". Andererseits seien die Drohpotenziale nun vom Tisch. "Und das ist gut", so der ORF-Chef.

Matthias Strolz© Parlamentsdirektion/Photo Simonis
Der ehemalige Politiker Matthias Strolz, der auch lange Vorsitzender der Partei Neos war, bekommt nun tatsächlich sein eigenes Format bei Puls 4. Das hatte vor einigen Wochen bereits die Gratis-Zeitung "Heute" in Aussicht gestellt. Nun hat der Sender das Format unter dem Titel "Strolz trifft..." bestätigt. Die Pilotausgabe ("Strolz trifft Nonne") ist am 4. Juni um 21:50 Uhr zu sehen. Angekündigt ist ein "außergewöhnlicher Dialog mit Menschen unseres Landes zu Themen, die jeden Bürger und jede Bürgerin beschäftigen". In "Strolz trifft Nonne" will Matthias Strolz "erforschen, verstehen, begreifen". Er selbst sagt: "In einer Zeit, in der wir alle in unserer eigenen Blase leben, will ich diese Blasen aufstechen. Ich will, dass wir uns einander zeigen, in Reibung gehen, in Verbindung kommen."

Peter Rapp© ORF/Thomas Ramstorfer
Der ORF arbeitet offenbar an einem Comeback von Peter Rapp. ORF-2-Chef Alexander Hofer erklärte in der vergangenen Woche vor dem Publikumsrat, dass man überlege, was man mit dem früheren Moderator machen könne. Rapp war ein langjähriges ORF-Gesicht, Ende 2018 stellte der Sender dessen "Brieflos-Show" ein. Seither ist der 75-Jährige teilweise in der ProSiebenSat.1Puls4-App "Quipp" zu sehen, dort moderiert er an einzelnen Tagen die Fragerunden. Was genau der ORF mit Rapp plant, ist nicht bekannt. Hofer bestätigte aber, dass ein neues Format mit Rapp im Zusammenhang mit dem "großen Archivangebot" des ORF stehen könnte.

Facebook© Facebook
Die EU-Wahl ist vorbei, viele Parteien haben in den zurückliegenden Wochen auch bei Facebook, Google und anderen großen US-Diensten geworben. Der Online-Vermarkterkreis im iab austria hat nun heftige Kritik an den Digital-Spendings der wahlwerbenden Parteien geübt. So seien der heimischen Medienbranche seit März mehr als 500.000 Euro entzogen worden. Die Partei-Spendings an die US-Digitalgiganten seien ein "Affront für den österreichischen Medienstandort". Eugen Schmidt (AboutMedia), Leiter des Online-Vermarkterkreises, sagt: "Die Digitalsteuer entpuppt sich als Lippenbekenntnis, wenn hohe sechsstellige Beträge an US-Digitalgiganten fließen. Die Parteien zeigen sich unbeeindruckt von den Steuermodellen der US-Digitalgiganten und schieben Gelder an der heimischen Medienbranche vorbei, anstatt ein klares Bekenntnis zum österreichischen Medien- und Digitalstandort abzugeben."

Fernseher mit Bildstörung© Photocase/fleißiges Faultier
Der Fachbereich Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR Medien) und die Arbeitsgemeinschaft Teletest (AGTT) haben im Rahmen der österreichischen Screenforce Days ihre jährliche Bewegtbildstudie veröffentlicht. Das Ergebnis: Lineares Fernsehen ist und bleibt stark, drei Viertel der Nutzer über 14 Jahren schaut täglich TV. Der gesamte Online-Bewegtbild-Konsum, also Fernseh-Inhalte in Mediatheken sowie Videos auf YouTube, Netflix und Co., steht bei einem Marktanteil von 18 Prozent, das ist nur ein sehr leichter Anstieg im Vergleich zu 2018 (17 Prozent). Nur fünf Prozentpunkte davon entfallen auf Mediatheken von TV-Sendern. Bei den jungen Menschen im Alter bis 29 Jahre steigt der Anteil der Bewegtbildnutzung im Internet gegenüber dem Vorjahr leicht und macht nun 47 Prozent der gesamten Bewegtbildnutzung aus. In gesamten Zahlen bedeutet das: Jeder Österreicher schaut täglich rund 219 Minuten Bewegtbild. Das Fernsehen (linear, non-linear, on demand) macht dabei 186 Minuten aus. Auf YouTube entfallen demnach pro Tag acht Minuten, alle Video-Plattformen zusammen kommen auf 29 Minuten.

Österreich in Zahlen

ORF© ORF
Auch die vergangenen Tage waren geprägt von einem großen Interesse auf News-Sendungen, großer Gewinner war dabei erneut der ORF. Am Sonntag, also dem Tag der EU-Wahl, lag der weiteste Seherkreis des ORF, also die Zuschauer, die zumindest eine Minute lang die Wahl-Berichterstattung ab 16:45 Uhr verfolgt haben, bei 3,7 Millionen. Puls 4 erreichte 917.000, ATV 621.000. Im Schnitt sahen sich bereits am Nachmittag 764.000 Menschen die Berichterstattung und die ersten Trendprognosen in ORF 2 an, hier wurden 44 Prozent Marktanteil gemessen. Die "Zeit im Bild" erreichte danach 1,29 Millionen Zuschauer und 49 Prozent. Zur besten Sendezeit setzte man auf einen "Tatort", der es auf 23 Prozent brachte. Mit der Wahl waren am späten Abend dann sogar mehr als 50 Prozent drin. Puls 4 zeigte am Sonntagabend eine Runde der Spitzenkandidaten, die sich immerhin 190.000 Menschen ansahen. Der Marktanteil in der Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen lag bei guten 6,9 Prozent.

Alexander van der Bellen© Screenshot ORF
Am Montag stand dann alles im Zeichen des Misstrauensantrags gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Die Sondersitzung des Nationalrats erreichte bei ORF 2 ab dem Mittag mehr als 50 Prozent Marktanteil. 661.000 Menschen sahen sich schließlich die Abstimmung an, das entsprach ebenfalls 50 Prozent Marktanteil. Die "Zeit im Bild" kam auf 1,59 Millionen Zuschauer und 51 Prozent, mit Sonderausgaben der "ZiB" und des "Report" waren zur besten Sendezeit ebenfalls noch deutlich mehr als 30 Prozent Marktanteil drin. Weit mehr als eine Million Menschen sahen nach 20:15 Uhr unter anderem, wie Bundespräsident Alexander van der Bellen (Foto) sich an die Nation wandte. Auch in der Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen wurden damit starke 36 Prozent erzielt.

Corinna Milborn© Puls 4
Auch die Puls4-Talkshow "Pro & Contra" profitiert von den innenpolitisch turbulenten Zeiten in Österreich. In der vergangenen Woche sahen sich im Schnitt 142.000 Menschen die neuste Ausgabe des Polit-Talks an, der Marktanteil in der Zielgruppe lag bei 10,1 Prozent und damit so hoch wie noch nie. Erst im April hatte man mit 8,4 Prozent einen neuen Rekord aufgestellt. In der Spitze sahen in der vergangenen Woche bis zu 165.000 Menschen zu. Auch beim Gesamtpublikum holte der Talk mit 9,0 Prozent übrigens den besten Wert seit Formatbestehen.

Finale von Germany's next Topmodel 2019© ProSieben/Willi Weber
Sehr erfolgreich war auch ProSieben Austria mit dem Finale von "Germany’s Next Topmodel". In Deutschland erzielte man damit mehr als 20 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe, das war in Österreich zwar nicht drin, mit 16,4 Prozent lief es trotzdem hervorragend. 263.000 Menschen sahen sich das Finale der klumschen Model-Show an. Damit war "Germany’s Next Topmodel" am vergangenen Donnerstag die erfolgreichste Sendung im österreichischen Privatfernsehen. Zeitgleich lief es aber auch bei ATV rund: "Pfusch am Bau" erzielte 10,3 Prozent Marktanteil, "Mein Gemeindebau" kam danach auf 7,9 Prozent.

DFB-Pokalfinale 2019© Screenshot Das Erste
ServusTV hat am Samstag das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und RB Leipzig übertragen, dabei machte dem Sender vor allem Das Erste große Probleme. Nur 111.000 Menschen sahen sich die Partie beim Sender an, Das Erste kam zur gleichen Zeit auf 238.000 und war damit deutlich erfolgreicher. ServusTV musste sich insgesamt mit 4,2 Prozent Marktanteil begnügen, beim jungen Publikum waren 3,7 Prozent drin. Damit lag die Partie zwar über den Normalwerten von ServusTV, ohne die Konkurrenz im Ersten wäre aber auch noch deutlich mehr drin gewesen.

Was noch zu sagen wäre…

 

 

Teilen

Kommentarbereich anzeigen