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Austria-Update vom 4. Juni

Anzeigen gegen "Spiegel" & "SZ", ORF muss umschichten

 

Im Zusammenhang mit dem "Ibiza-Video" hat es jetzt Strafanzeigen gegen Verantwortliche von "Spiegel" und "SZ" gegeben. Die Regierungskrise hat indes Auswirkungen auf das ORF-Budget und ORF 2 profitiert von zahlreichen Sondersendungen.

von Timo Niemeier / Alexander Krei
04.06.2019 - 11:29 Uhr

Heinz-Christian Strache© Spiegel/SZ
Mit der Veröffentlichung des "Ibiza-Videos" haben die "Süddeutsche Zeitung" und der "Spiegel" eine Regierungskrise in Österreich ausgelöst. Jetzt haben mehrere Privatpersonen Strafanzeigen gegen Verantwortliche der beiden Medien eingericht. Einem "Standard"-Bericht zufolge sind in diesem Zusammenhang inzwischen Staatsanwaltschaften in Deutschland tätig  geworden. Ermittelt wird sowohl in München als auch in Hamburg. So werde geprüft, "ob zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat vorliegen", wird die Hamburger Oberstaatsanwältin Nana Frombach vom "Standard" zitiert. Durch das Ibiza-Video könnte das Zugänglichmachen von Bildaufnahmen, die geeignet sind, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, verwirklicht worden sein, erklärte eine Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft. 


Geldscheine© Chobe / photocase.com
Die aktuelle Regierungskrise und die angekündigten Neuwahlen im September haben ganz konkrete Auswirkungen auf das diesjährige ORF-Budget. "Seit klar ist, dass die Wahlen kommen, laufen die Planungen in den Redaktionen. Gleichzeitig schauen auch die Kaufleute darauf, was wirtschaftlich irgendwie möglich ist und was nicht", sagt Roland Weißmann, Chefproducer ORF Fernsehen, gegenüber dem "Kurier". Es werde dennoch zu Budget-Umschichtungen kommen müssen, weil die Information auf allen Kanälen forciert werde, so Weißmann weiter. Wie hoch der zusätzliche Aufwand wird, will er nicht sagen. Weißmann aber verspricht: "Es wird sich das stärkste Programm-Angebot Österreichs ausgehen." Durch die angekündigten Neuwahlen hat der ORF aber auch wieder etwas mehr Luft zum Atmen bekommen, vor allem die FPÖ hatte den öffentlich-rechtlichen Senderverbund zuletzt immer wieder attackiert und unter anderem ein Ende der Gebühren gefordert.

Alexander Wrabetz, ORF© ORF/Thomas Ramstorfer
Diese FPÖ-Pläne hat ORF-Chef Alexander Wrabetz nun in einem Interview mit dem "Profil" kritisiert. Wäre das neue ORF-Gesetz gekommen, wie einige Politiker in der FPÖ das gefordert hatten, wäre es "das Ende des ORF" gewesen, so Wrabetz. Früher hätten sich Regierungen zwar schlecht behandelt gefühlt, "aber das Grundsystem nicht infrage gestellt". Bei der FPÖ sei das anders gewesen. Wrabetz sagte in den Interview, es sei die Aufgabe des ORF, "kritisch zu informieren". Der neue FPÖ-Chef Norbert Hofer hat die Aussagen Wrabetz’ kurz darauf in einer Pressemitteilung gekontert. So sagte Hofer, der ORF sei "zweifellos Eckpfeiler der vierten Macht im Staate" und es müsse sichergestellt werden, dass der Senderverbund in "eine positive Zukunft" gehe. Hofer betonte aber auch, die Kritik des ORF habe sich in den letzten Jahren "in zu vielen Fällen parteipolitisch einseitig gestaltet". Hofer: "Das entnehme ich auch den Kommentaren vieler Gebührenzahler." Der FPÖ-Chef bedauert, dass es jetzt erst einmal nicht zu einem neuen ORF-Gesetz kommt.

ORF© ORF
Der ORF wehrt sich gegen einen Bericht über seine Journalistin Tanja Malle, der in der kroatischen Zeitschrift "Hrvatski Tjednik" erschienen ist. Sie werde darin zusammen mit anderen Medienvertretern "in völlig ungerechtfertigter Weise diffamiert" und als "Feinde des Kroatentums" dargestellt. Bilder der Journalistinnen und Journalisten wurden in steckbriefartiger Form auf der Titelseite veröffentlicht, später folgten Drohungen und Diffamierungen in sozialen Netzwerken. Der ORF vermutet, dass man Malle wegen ihrer journalistischen Berichterstattung zu zeitgeschichtlichen Themen unter Druck setzen wolle. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat der kroatischen Botschafterin Vesna Cvjetković am Montag daher eine Protestnote übermittelet. "Diesen öffentlichen Einschüchterungsversuch weise ich auf das Schärfste zurück", sagte er. "Die mediale Kampagne werte ich als gefährliche Bedrohung unserer Journalistin und damit als einen Angriff auf die journalistische Freiheit. Dieser Attacke werden wir gemeinsam mit den anderen betroffenen Medien entgegentreten."

Ich, Bauer© ServusTV/Gloriafilm
Servus TV setzt schon bald seine Doku-Reihe "Ich, Bauer" fort. Ab dem 14. Juni gibt es jeweils freitags um 21:15 Uhr vier neue Folgen zu sehen. In der Sendung geht es um das Bauer-Sein auf Höfen in Niederösterreich, Kärnten, Tirol und Oberösterreich. Zum Auftakt geht es um ein junges Paar, das einen großen Traum hat: Eigentlich wäre Barbara als Hofübernehmerin des elterlichen Betriebes vorgesehen gewesen, doch Jim, ihr Lebensgefährte, ist Barbaras Mutter nicht gut genug. So bleibt den beiden nichts anderes übrig als ihr Glück anderswo zu suchen. In Niederösterreich haben sie schließlich einen Hof gefunden, der schon lange nicht mehr bewirtschaftet ist und jetzt zu neuem Leben erweckt wird.

Wolfgang Schaller© ORF/Schrotter
Wolfgang Schaller ist neuer Chefredakteur des ORF Steiermark. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat Schaller auf Vorschlag von Landesdirektor Gerhard Koch für diese Aufgabe berufen. Der bisherige Chefredakteur Gerhard Koch hat bereits zum 1. Mai die Nachfolge von Gerhard Draxler als Landesdirektor des ORF Steiermark angetreten, der kürzlich in den Ruhestand gegangen ist. "Wolfgang Schaller deckt ein breites Spektrum im aktuellen Bereich ab, von Politik, Wirtschaft über Chronik bis hin zum Sport. Als Radio-Chef vom Dienst hat er durch eine vorausschauende Planung und einen teamorientierten Führungsstil überzeugt, dadurch hat er sich in den vergangenen Jahren auch das Vertrauen der Redaktion erworben", so Gerhard Koch. Mit Schaller an der Spitze werde der ORF Steiermark "weiterhin für faire Berichterstattung und unabhängige Information auf Augenhöhe mit dem Publikum stehen".

Österreich in Zahlen

Tobias Pötzelsberger© ORF
Die innenpolitisch turbulenten Wochen haben sich auch in den Monatsmarktanteilen der Sender niedergeschlagen, vor allem ORF 2 profitierte von der Regierungskrise. Durch die zahlreichen Sondersendungen und News-Strecken stieg der Monatsmarktanteil des Senders auf 22,2 Prozent an, das waren 3,3 Prozentpunkte mehr als im April und 2,6 mehr als im Mai 2018. Besser lief es für ORF 2 zuletzt im Mai 2016. ORF 1 konnte dagegen nicht profitieren und hielt sich bei den 8,0 Prozent, die man auch schon im April erzielte. Die meistgesehene ORF-Sendung im Mai war die "Zeit im Bild" am 18. Mai, als fast zwei Millionen Menschen zusahen, das war die höchste Reichweite der Nachrichtensendung seit 2007.

Puls4, ATV© ProSiebenSat.1Puls4/ATV
Bei den Privatsendern profitierte vor allem Puls 4 von der Nachrichtenlage. Der Sender holte in der werberelevanten Zielgruppe einen Monatsmarktanteil in Höhe von 5,0 Prozent, damit war es für Puls 4 der beste Mai aller Zeiten. ATV holte mit 4,2 Prozent den besten Mai-Wert seit sechs Jahren. Auch insgesamt lag Puls 4 (3,7 Prozent) deutlich vor ATV (3,1 Prozent). Puls 4 punktete nicht nur mit der Berichterstattung rund um die Regierungskrise, sondern hatte mit der Europa League einen weiteren wichtigen Quotenerfolg im Programm. "Café Puls" war mit 27,1 Prozent Marktanteil im Mai so stark wie noch nie in 2019 und auch auf "2 Minuten 2 Millionen" konnte man sich verlassen. ATV II erreichte im Mai übrigens 1,3 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe, für den kleinen Sender war das der erfolgreichste Monat seit Senderbestehen. ServusTV lag beim Gesamtpublikum bei starken 2,8 Prozent. In Vergleich zum April ging es zwar um 0,1 Prozentpunkte nach unten, ein Jahr zuvor holte der Sender im Mai aber nur 2,4 Prozent. ServusTV befindet sich damit in diesem Jahr weiter klar auf Wachstumskurs.

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