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Austria-Update vom 23. Juli

"Kurier"-Herausgeber vor Wechsel, oe24 zahlt für Klicks

 

Weil es derzeit Anzeichen für einen Wechsel von "Kurier"-Herausgeber Helmut Brandstätter in die Politik gibt, darf er keine Texte mehr im Blatt veröffentlichen. Außerdem: oe24.at zahlt für Klicks, der ORF spart bei seinen Magazinen und das Sommerloch hat Auswirkungen auf die ATV-Quoten.

von Timo Niemeier
23.07.2019 - 10:50 Uhr

Helmut Brandstätter© Kurier
"Kurier"-Herausgeber Helmut Brandstätter, der früher auch mal n-tv-Geschäftsführer war, darf vorerst keine Texte mehr für seine eigene Zeitung schreiben. Hintergrund sind Spekulationen, Brandstätter könnte zur Partei Neos und damit in die Politik wechseln. Zuerst hatte die "Krone" darüber berichtet, doch weder Partei noch Brandstätter wollen das bestätigen - aber eben auch nicht dementierten. "Kurier"-Chefredakteurin Martina Salomon teilte Brandstätter am Montag laut "Standard" per Mail mit, vorerst keine Artikel mehr von ihm zu veröffentlichen. Das gelte, bis geklärt sei, ob er in die Politik wechsle oder nicht. "Ich denke, das passt auch zu Deinem Verantwortungsgefühl und Deinem Wunsch nach sauberer Trennung von Politik und Medien", so Salomon. Voraussichtlich am Mittwoch wird sich entscheiden, ob Brandstätter bei den Neos einen aussichtsreichen Listenplatz für die kommende Nationalratswahl erhält. Brandstätter hat zudem gerade erst sein neues Buch vorgestellt, in dem es vor allem um Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz und Ex-Innenminister Herbert Kickl und deren Medienarbeit geht. Der "Kurier"-Herausgeber beschreibt in dem Buch unter anderem, wie versucht wurde, von Seiten der Politik beim "Kurier" zu intervenieren. 

ORF© ORF
Am kommenden Donnerstag zeigt der ORF die vorerst letzte Ausgabe seines Wirtschaftsmagazins "Eco", das sich danach in die Sommerpause verabschiedet. Es ist die erste derartige Pause in der Geschichte des Formats. Laut Informationen der Tageszeitung "Der Standard" ist das auf Sparmaßnahmen des Senders zurückzuführen. Demnach soll es vom "Weltjournal+" ab dem kommenden Jahr nur noch Wiederholungen zu sehen geben. Waltraud Langer, Chefredakteurin und Hauptabteilungsleiterin der TV-Magazine, will das aber nicht bestätigen und sagt lediglich, die Budgets für das kommende Jahre würden erst noch verhandelt werden. "Fest steht aber jetzt schon, dass die beiden erfolgreichen Marken 'Eco' und 'Weltjournal' auch 2020 in bewährter Weise fixer Bestandteil der Magazinflotte sind."

oe24© Mediengruppe Österreich
Clickbait mal anders: Die Mediengruppe Österreich hat angekündigt, Usern ihrer Plattform oe24.at künftig für Klicks Geld zu zahlen. "Click and Win" nennt man das, nach eigenen Angaben betreibt man damit "Kundenbindung". Reich wird man durch Klicks auf dem Knall-Portal aber nicht. Pro Aufruf, der dann auch noch mindestens zehn Sekunden dauern muss, gibt es einen sogenannten "oe24-Coin". 4.500 dieser Coins entsprechen Zehn Euro - ab diesem Betrag zahlt der Verlag die Summe auch aus. Dieses "Bonucsclub-Prinzip" werde weltweit in unterschiedlichsten Branchen betrieben, sagt Geschäftsführer Niki Fellner gegenüber dem "Standard". "Für unsere Werbepartner hat das den positiven Effekt, dass die User unsere Seite noch intensiver und länger nützen und sich noch stärker mit unserer Marke identifizieren."

Mediengruppe Österreich© Mediengruppe Österreich
Wolfgang Fellner ist mit seinem Vorhaben, auch in der Stadt Salzburg Gratis-Entnahmeboxen für seine Zeitungen aufstellen zu lassen, endgültig gescheitert. Die Stadt hat sich nun gegen entsprechende Pläne ausgesprochen. Bereits seit zehn Jahren versucht Fellner, sein Vorhaben durchzuboxen. Ähnlich wie in Wien wollte er die Boxen an prominenten Stellen platzieren, um dort seine Gratis-Zeitung "oe24" (früher "Österreich") zu vertreiben. Die Begründung der Stadt: Mit der Aufstellung der Boxen sei mit einer Beeinträchtigung des Verkehrs zu rechnen, außerdem würden die Gratis-Zeitungen für erhöhtes Altpapier-Aufkommen sorgen. Zudem würden Zeitungsboxen die Pläne für verbreiterte Gehsteige konterkarieren. Wolfgang Fellner schloss bereits 2016 die Salzburg-Redaktion von "Österreich", weil die Stadt die Entnahmeboxen nicht genehmigte. 

Benedikt Gmeiner und Jenny Laimer© ATV/ Bernhard Eder
ATV hat einen Einblick in seine kommende Berichterstattung zur Nationalratswahl gegeben. Demnach plant man mit "ATV Aktuell: Im Fokus Spezial" 15-minütige Interviews mit den Spitzenkandidaten der Parteien. Jenny Laimer und Benedikt Gmeiner stellen ab dem 24. August wöchentlich am Samstagvorabend die Fragen an Neos, SPÖ, ÖVP, FPÖ und Liste Jetzt/Grüne. Darüber hinaus gibt es ab Anfang August in regelmäßigen Abständen am späten Abend sogenannte "Reality Checks", in denen Sylvia Saringer die Spitzenkandidaten einem eben solchen unterzieht. Dafür begleitet die Moderatorin die Politiker auf ihrer Wahlkampftour. Am 17. September plant ATV zudem eine Live-Diskussionsrunde im Studio. 

Puls 4© Puls 4
Neben ATV hat auch Puls 4 bekanntgegeben, wie man über die Nationalratswahl berichten wird. Neben den altbekannten Duellen zwischen den einzelnen Spitzenkandidaten, will der Sender auch an drei Abenden die sogenannte "Puls 4 Wahlarena" zeigen. Darin haben Menschen aus der Bevölkerung die Möglichkeit, mit den Chefs der Parteien zu diskutieren. Zusammen mit dem Online-Portal neuwal.com gibt es zudem die Wahl-Check-Show "Wahlbarometer", darin soll es darum gehen, welche Partei laut ihrem Parteiprogramm am besten zur eigenen Haltung passt. 

Österreich in Zahlen

Marcus Schenkenberg bei The Masked Singer© ProSieben / Willi Weber
"The Masked Singer" ist und bleibt auch in Österreich ein großer Hit. Die Musik-Rateshow erreichte zuletzt bei ProSieben Austria 193.000 Zuschauer und war damit das mit Abstand erfolgreichste Format des Senders in der gesamten Woche. Der Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen lag bei 16,4 Prozent. "The Masked Singer" lag damit erneut weit über den Normalwerten des Senders, im Vergleich zur Vorwoche ging es aber leicht zurück. Die dritte Ausgabe sahen sogar mehr als 200.000 Menschen und der Marktanteil betrug 20,6 Prozent. 

ATV Logo© ATV
Das Sommerloch hat derzeit auch Auswirkungen auf das Programm von ATV, wo in der Primetime überwiegend Wiederholungen zu sehen sind. Das hatte zur Folge, das in der vergangenen Woche vier der fünf meistgesehenen Sendungen am Vorabend liefen. Dieses Kunststück gelang der Nachrichtensendung "ATV Aktuell", die offenbar auch bei schönem Wetter zu einem Fixpunkt vieler Zuschauer zählt. Damit erreichte ATV jedenfalls an zwei Tagen sogar durchschnittlich mehr als 130.000 Zuschauer. Damit waren dann einmal 9,9 und einmal 10,6 Prozent Marktanteil drin. Daneben gehörte auch eine alte Folge von "Hubert und Staller" zu den meistgesehenen ATV-Programmen der Woche. 126.000 Zuschauer schalteten am Sonntagabend ein. 

Liebesgschichten und Heiratssachen© ORF
Die erste reguläre Kandidaten-Folge von "Liebesg’schichten und Heiratssachen" erreichte am Montag 799.000 Zuschauer in ORF 2. Das waren fast 100.000 weniger als vor einer Woche bei der Rückschau-Episode. Dennoch lag der Marktanteil bei starken 32 Prozent und damit nur einen Prozentpunkt unter dem Wert von vor einer Woche. Die hohen Temperaturen haben also die gesamte TV-Nutzung etwas gedrückt. "Thema" erreichte im Anschluss ebenfalls noch sehr gute 23 Prozent Marktanteil und die "ZiB 2" steigerte sich im Anschluss wieder auf 28 Prozent. 

Was noch zu sagen wäre…

"Ich war nach ‘Braunschlag’ sehr beeindruckt von der erzählerischen Kraft und dem Humorverständnis eines David Schalko. Damals ist der Wunsch entstanden, mit ihm einmal zusammenzuarbeiten."
Marcus Ammon, Senior Vice President Sky Originals Productions im "Kurier" über die Zusammenarbeit mit David Schalko

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