House of Cards © Netflix

House of Cards: Netflix läutet neues Emmy-Zeitalter ein

 

von Uwe Mantel
04.09.2013 - 15:56 Uhr

Der machtbewusste Kongressabgeordnete Francis "Frank" Underwood rechnet ebenso wie seine nicht minder ehrgeizige Frau fest damit, dass der frisch gewählte Präsident, den er mit ins Amt gebracht hat, ihn zum Außenminister macht. Doch es kommt anders - und Underwood sinnt fortan auf Vergeltung, eiskalt und berechnend. In "House of Cards"  brilliert Kevin Spacey in der Rolle des Machtpolitikers, der ohne mit der Wimper zu zucken Parteifreunde und Journalisten für sich instrumentalisiert und selbst deren Tod in Kauf nimmt, um letztlich an sein Ziel zu gelangen.

"House of Cards" offenbart einen schonungslosen Blick auf den Politbetrieb in Washington - und wie Kevin Spacey jüngst bei seiner viel beachteten Rede in Edinburgh zu Protokoll gab, hätte er schon von vielen Politikern gehört, dass "House of Cards" der Realität damit womöglich so nah kommt wie keine andere Serie zuvor.

Dass "House of Cards" dabei überhaupt produziert wurde, ist einzig Netflix zu verdanken. Kevin Spacey, der nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch Executive Producer ist, stellte die Serien-Idee gemeinsam mit David Fincher nämlich zunächst allen Sendern vor. Doch überall hieß es: Produziert zuerst einen Piloten. Das jedoch wollten die Macher nicht - schließlich gehe es darum, eine Serie zu schaffen, in der man das komplizierte Geflecht der Personen nicht innerhalb von 45 Minuten erklären könne. Netflix habe als einziger auch ohne Pilot an die Serie geglaubt - und direkt zwei Staffeln bestellt. Und tatsächlich entwickelte sich "House of Cards" zu einem echten Abo-Argument für Netflix und brachte dem VoD-Anbieter vor allem Prestige.

Und dieses Prestige kommt nicht zuletzt durch die erste Nominierung für eine Serie, die gar nicht im klassischen Fernsehen gelaufen ist, sondern eben nur bei Netflix zum Abruf bereit stand - und das übrigens mit der kompletten ersten Staffel auf einen Schlag. Auch hier ging "House of Cards" ganz neue Wege. Nominiert ist "House of Cards" insgesamt neun Mal - und das in den Königskategorien "Beste Serie", Kevin Spacey als "Bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie" und Robin Wright alias Claire Underwood als "Beste Hauptdarstellerin".  Spacey war übrigens schon zwei Mal nominiert, 2008 für die Filme "Recount" und "Bernard and Doris", gewann allerdings nicht. Robin Wright ist Emmy-Neuling. Ob die Academy-Mitglieder, die häufig nicht durch eine besonders progressive Wahl von Preisträgern auffallen, den Schritt gehen möchten und in diesen Kategorien wirklich eine reine Online-Serie wie "House of Cards" auszeichnen wollen, ist fraglich. Doch schon die Nominierung läutet in gewisser Weise ein neues Zeitalter bei den Emmys ein.

Teilen

Kommentarbereich anzeigen

Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



Suchtipps

  • Geben Sie mehrere Suchwörter an, um Ihre Suche einzuschränken. Es werden nur Artikel ausgegeben, in denen alle angegebenen Worte vorkommen.
  • Starten Sie ihre Suche mit einem Anführungszeichen ("), werden nur Artikel ausgegeben, in denen die Worte in genau dieser Reihenfolge vorkommen.
Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:
Frage: 5 + 9 =

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten:
Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.