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Wer warum wo antritt: Kleine Emmy-Regelkunde

von Uwe Mantel
23.08.2014 - 10:30 Uhr

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© Television Academy

"Downton Abbey" ist eine britische Serie, "House of Cards" und "Orange is the new Black" liefen gar nicht im klassischen Fernsehen - warum sie trotzdem bei den Primetime Emmys antreten dürfen und weitere Fragen klären wir in den Emmy-FAQs.

Wer entscheidet über die Gewinner der "Primetime Emmys"?

Anders als bei vielen Verleihungen, bei denen eine kleine Fachjury über die Preisträger urteilt, stimmen bei den Emmys über 15.000 Mitglieder der Television Academy - wie sich die Academy of Television Arts & Sciences seit dem Frühjahr nennt - ab. In den Format-Kategorien wie "Beste Serie" oder "Beste Comedy" dürfen alle stimmberechtigten Mitglieder abstimmen, in den spezifischeren dann nur diejenigen, die aus den jeweiligen Bereichen kommen. Diese breite Entscheidungsbasis in der Branche sorgt letztlich für die Relevanz und machen die Emmys zum wichtigsten Fernsehpreis der Welt.

Was sind die Creative Arts Emmys?

Die Primetime Emmys werden in diesem Jahr in satten 100 Kategorien verliehen. Darunter so schöne Dinge wie "Outstanding Hairstyling", "Outstanding Prosthetic Makeup" oder "Outstanding Voice-Over Performance". Doch eine live im US-Fernsehen übertragene Gala mit 100 Kategorien wäre wohl kaum jemandem zuzumuten - also wurde ein Großteil der Kategorien in die "Creative Arts Emmys" ausgelagert, die bereits eine Woche früher vergeben werden. Am eigentlichen Emmy-Abend bleiben dann nur die für das große Publikum interessantesten Kategorien übrig. Highlights der "Creative Arts Emmys" werden übrigens am Tag vor der eigentlichen Emmy-Gala bei FXM zu sehen sein sowie am Tag der Verleihung selbst nochmal auf Emmys.com.

Welche Voraussetzungen müssen Sendungen erfüllen, um bei den Primetime Emmys antreten zu können?

Um für eine Nominierung in Frage zu kommen, müssen die Sendungen zwischen dem 1. Juni des Vorjahres und dem 31. Mai des laufenden Jahres im US-Fernsehen zwischen 18 Uhr abends und 2 Uhr nachts in Erstausstrahlung zu sehen gewesen sein. Das führt dazu, dass bei einer längeren Pause zwischen zwei Staffeln insbesondere bei Serien im Kabelfernsehen oder Pay-TV manchmal keine Nominierung möglich ist, obwohl in den Monaten vor der Emmy-Verleihung womöglich schon neue Folgen zu sehen waren. Im Falle von "Orange is the New Black" sorgt es zum Beispiel auch dafür, dass Staffel 1 nominiert ist, obwohl Staffel 2 schon lief - aber eben nach dem 31. Mai. Weitere Voraussetzung: Es müssen Produktionen sein, die zuerst im Fernsehen liefen - also keine Kinofilme.

"Orange is the new Black" lief doch gar nicht im Fernsehen...

Schon im Jahr 2008 erweitert die Television Academy ihre Definition von Fernsehen. Seitdem gilt auch das Internet als regulärer Übertragungsweg und auch zuerst oder ausschließlich im Web gezeigte Formate können nominiert und prämiert werden. Das betraf in der Vergangenheit beispielsweise Produktionen für YouTube, Webisodes - allerdings stets in kleinen Randkategorien. Mit den Netflix-Produktionen "House of Cards" und "Arrested Development" wurden im vergangenen Jahr erstmals in Hauptkategorien Produktionen nominiert, die nicht im klassischen Fernsehen liefen, mit "Orange is the new Black" ist in diesem Jahr sogar die meistnominierte Comedyserie eine Web-Only-Produktion.

Wieso finden sich auch britische Produktionen unter den Nominierten und Preisträgern?

Rein ausländische Produktionen sind nicht erlaubt - es sei denn, sie sind in Koproduktion mi einer US-Firma entstanden und hatten schon vor Produktionsstart einen sicheren Sendeplatz bei einem US-Sender. Für diesen sorgt bei britschen Formaten häufig PBS - der öffentlich-rechtliche Public Broadcast Service, der in seiner "Masterpiece"-Reihe vielen britischen Filmen und Miniserien zu einem prominenten Sendeplatz verhilft. "Sherlock" hat es in der Vergangenheit beispielsweise über diesen Umweg auf die Nominiertenlisten geschafft.

Wären für britische Produktionen nicht die International Emmys gedacht?

Eigentlich schon, doch die eben angesprochen Koproduktions-Regelung ermöglicht es den Produzenten, selbst zu entscheiden, ob sie bei den International Emmys oder den Primetime Emmys antreten. Für mehr Prestige und Aufmerksamkeit sorgt natürlich ein Sieg bei den Primetime Emmys. Klar ist aber: Man kann nur in einem Emmy-Wettbewerb antreten: Wer sich für die Primetime Emmys entschieden hat, kann seine Sendung nicht mehr bei den International Emmys einreichen. Aus diesem Grund wurde vor drei Jahren "Sherlock" nachträglich aus der Nominiertenliste der International Emmys gestrichen, weil das erst mit Verspätung aufgefallen war.

Dramaserie? Miniserie? Comedyserie?

"Glee" würden wohl die meisten nicht als Comedyserie bezeichnen, "Ally McBeal" ebenfalls eher mit Abstrichen, das gleiche gilt für "Nurse Jackie". Sie alle traten aber in der Kategorie "Comedy" an. Die Entscheidung, in welcher Kategorie die Serien antreten, liegt in der Hand der Produzenten selbst - hat man sich aber einmal für Comedy oder Drama entschieden, dann ist ein Wechsel nicht mehr möglich. Auch die Abgrenzung zwischen den Kategorien Miniserie und Dramaserie ist nicht ganz eindeutig. Bei einer Miniserie muss ein Thema oder eine Geschichte behandelt werden, die innerhalb der einen Staffel abgeschlossen erzählt werden muss. Um als normale Serie durchzugehen, sind mindestens sechs Folgen nötig. In den Grenzbereichen liegt es auch hier in der Entscheidung der Produzenten, wo sie ihre Serie einreichen. "Downton Abbey" etwa trat im ersten Jahr als Miniserie an, seit Staffel 2 hingegen im normalen Dramaserienbereich.

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