Emmys 2018 Diversity © Fox, BBC, NBC
Es bessert sich

So bunt wie 2018 waren die Emmys noch nie

 

Hollywood war lange Zeit ein von Weißen dominiertes Geschäft, dementsprechend fielen auch die Preisverleihungen aus. Doch das wandelt sich endlich: Seit 2014 bilden auch die Emmys unsere bunte Gesellschaft Jahr für Jahr besser ab.

von Kevin Hennings
11.09.2018 - 17:55 Uhr

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Nach der #OscarsSoWhite-Debatte war bei dem Filmpreis zuletzt schon ein deutlicher Anstieg der Nominierungen Nicht-Weißer Schauspielerinnen und Schauspieler zu beobachten. Bei den Emmys stand das große Thema Diversity schon seit längerem weit oben auf der Agenda. Seit 2014 wurde in jedem Jahr ein neuer Rekord hinsichtlich der Anzahl Nicht-Weißer Nominierter gebrochen. Das setzte sich auch in diesem Jahr fort: Waren es 2017 noch 30 Schauspielerinnen, Schauspieler und TV-Hosts, die für einen Diversity-Rekord sorgten, waren es dieses Jahr schon 38 - ein Zuwachs von über 26 Prozent.

Geschichte geschrieben hat beispielsweise Sandra Oh. Als Cristina Yang wurde sie in ABCs "Grey's Anatomy" berühmt und mit ihrer Performance in BBC Americas "Killing Eve" erhielt sie nun als erste Asiatin eine Nominierung in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin in einer Drama Serie". Nachdem sie bereits fünf Mal für ihre Nebenrolle in "Grey's Anatomy" nominiert wurde, stellt dies auch für sie persönlich einen neuen Meilenstein. Guy Aoki, der Leiter des Media Action Network für Amerikaner mit asiatischen Wurzeln, applaudiert dieser Entscheidung: "Hoffentlich dient Hollywood diese Nominierung als Erinnerung daran, wie viel Potenzial in asiatischen Darstellern schlummert, die Prestige und gute Quoten bescheren können."

Ähnliche Worte kommen von den Hispanics: So gratuliert die Nationale Hispanische Medienkoalition zunächst Lin-Manuel Miranda und anderen Latinos zu ihren Nominierungen, ehe der Kopf zu den Branchenköpfen gedreht wird: "Da wir nun alle sehen können, wie talentiert Latino-Schauspieler doch sind, wieso werden so wenige von Networks, Sendern und Streaminganbietern angeheuert?" Alex Nogales, der Präsident und CEO dieser Vereinigung, erläutert weiter: "Wir bilden 18 Prozent der nationalen Bevölkerung und dennoch sind es gerade mal 6 Prozent Latino-Schauspieler, die wir in den letzten 17 Jahren im Fernsehen zu sehen bekommen haben. Wir verlangen eine bessere Repräsentation." Miranda war für seinen Gastauftritt in "Curb Your Enthusiasm" nominiert, verlor bei den Creative Arts Emmys jedoch gegen den afro-amerikanischen Katt Williams, der für seine Rolle in "Atlanta" geehert wurde. Ebenfalls zu den nominierten Latinos gehören Antonio Banderas (nominiert als bester Hauptdarsteller in einer Limited Series, "Genius: Picasso") und Penélope Cruz (nominiert als beste Nebendarstellerin in einer Limited Serie, "American Crime Story: The Assassination Of Gianni Versace")

Mit Tiffany Haddish ("Saturday Night Live") und Letitia Wright ("Black Mirror") wurden auch zwei weitere afro-amerkanische Frauen nominiert – beide zum ersten Mal. Haddish lief als beste Gastdarstellerin in einer Comedy auf und gewann, während "Black Panther"-Star Wright mit ihrem "Black Museum"-Auftritt nächsten Montag als beste Nebendarstellerin in einer Limited Series gewinnen könnte. Alles andere als ein neuer Gast bei den Emmys war Cicely Tyson. Mit insgesamt 14 Nominierungen hat sie bislang einmal gewonnen und hätte dieses Jahr ihren zweiten Emmy mit nach Hause nehmen können, nachdem der letzte Sieg vor über 24 Jahren verbucht wurde. In der Kategorie "Beste Gastdarstellerin in einem Drama" wurde sie dieses Jahr jedoch von Samira Wiley besiegt, die in "The Handmaid's Tale" auflief. Tyson wurde einmal mehr dank ihrer Rolle als Ophelia Harkness in "How To Get Away With Murder" nominiert.

Sterling K. Brown, der mit seinem "This Is Us"-Auftritt letztes Jahr den Emmy für den besten Hauptdarsteller in einem Drama verliehen bekam, ist auch dieses Mal an gleicher Stelle nominiert. 2017 war er der erste schwarze Mann seit 1998 - damals gewann Andre Braughers für "Homicide: Life on the Street" – der diesen Preis entgegen nehmen durfte. Auch Donald Glover, der letztes Jahr als erster schwarzer Regisseur einen Emmy für seine Tätigkeit für "Atlanta" bekam und obendrein auch noch als bester Darsteller in einer Comedy gekrönt wurde, ist dieses Jahr wieder stark vertreten. So kann er nicht nur seine bereits gewonnenen Emmys auffrischen, sondern auch noch als bester Autor (ebenfalls für "Atlanta") und als bester Gastdarsteller (für seine Host-Tätigkeit in "Saturday Night Live") ausgezeichnet werden. Letztere Kategorie verlor er am vergangenen Wochenende, genauso wie Lin-Manuel Miranda, gegen Katt Williams. 

Für NBCs "Saturday Night Live" geht auch Kenan Thompson ins Rennen. Sein Name gehört für uns Deutsche zwar nicht zu den bekanntesten Teilnehmern bei den diesjährigen Emmys. Für "Saturday Night Live" arbeitet er jedoch seit über 15 Jahren, überwiegend als Nebendarsteller. Während seine Mitstreiter in der Kategorie "Bester Nebendarsteller in einer Comedy" jeweils für eine bestimmte Rolle nominiert wurden – so beispielsweise Tituss Burgess für seine Rolle in "Unbreakable Kimmy Schmidt" – wird Thompson für sein Gesamtwerk auflaufen. 

Bei den Creative Arts Emmys, die immer eine Woche vor den Primetime Emmys stattfinden, wurden bereits allerhand Sieger gekürt. Neben den oben erwähnten konnte auch Ron Cephas Jones mit seiner Gastrolle in "This Is Us" gewinnen, sowie der Musiker John Legend seinen heiß ersehnten EGOT erlangen, indem er mit "Jesus Christ Superstar" den Emmy in der Königskategorie bestes Variety Special ergatterte. 

Diese 38 Nominierten sorgten in diesem Jahr für den Diversity-Rekord...

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