Florian Wieder © Florian Wieder
Das Bühnenbild liegt in seinen Händen

Wie Florian Wieder die Emmys optisch modernisiert

 

Das Produktionsdesign der Primetime Emmys liegt auch 2019 in den Händen von Florian Wieder. Wir trafen den Designer und TV-Produzent am Tag vor der Verleihung in Los Angeles und haben eine Sneak Preview auf die Optik der großen TV-Gala bekommen.

von Thomas Lückerath , Los Angeles
22.09.2019 - 09:37 Uhr

Herr Wieder, wie dankbar ist die Aufgabe, ein Bühnenbild für eine Preisverleihung zu gestalten?

Jede Preisverleihung hat eine etwas andere Ausrichtung, manche moderner, manche traditioneller. Aber alle Preisverleihungen haben das gleiche Problem: Sie wirken meist langwierig und zeigen Menschen dabei, wie sie sich bzw. eine Branche sich selbst abfeiert. Das ist ja grundsätzlich erstmal wenig unterhaltsam für den Außenstehenden. Da unterscheiden sich die Oscars oder Emmys nicht vom Deutschen Fernsehpreis oder der Goldenen Kamera. Bei den Emmys haben wir versucht die notwendigen Elemente der Preisverleihung zeitlich zu komprimieren. Das gibt uns mehr Raum um aus der gewohnten Routine auszubrechen.



Wie kann das Produktionsdesign dabei helfen, eine Preisverleihung zeitlich kompakter zu machen?

Nehmen Sie zum Beispiel die langen Gänge. Auftritt und Abgang der Laudatoren. Bei der Vielzahl an Kategorien und je nach Menge der Personen auf der Bühne ist das definitiv ein zeitlich relevanter Faktor. Wenn man dabei Zeit einspart, ohne dass sich die Show gehetzt anfühlt, schafft man in den drei Stunden der Preisverleihung mehr Raum für kreativen Content. Diese Momente außerhalb der Routine helfen dabei die Primetime Emmy Awards als Fernsehsendung abwechslungsreicher zu machen.

Und was bedeutet das dann in der Umsetzung?

Zwei Dinge sind elementar bei einer Preisverleihung: Das ist zum einen der Content, der bestmöglich visuell präsentiert werden muss. Zum anderen sind es die agierenden Personen auf der Bühne. Die Anforderungen sind also relativ eindeutig. Wie bereits im letzten Jahr haben wir einen riesigen Screen konzipiert, der sich flexibel öffnen lässt, kurze Auftrittswege garantiert und einen zeitlich kompakten Übergang zwischen Zuspielern und den Auftritten erlaubt. Dieses Konzept fand bei der Television Academy und dem ausstrahlenden Sender bereits im vergangenen Jahr grosse Zustimmung.



Klingt nach einer pragmatischen Überarbeitung…

Man könnte durchaus sagen, dass wir pragmatisch an das Problem rangegangen sind. Das interessante ist, dass dadurch ein moderner, eigenständiger Look entstanden ist, der sich von den anderen Amerikanischen Preisverleihungen deutlich unterscheidet.

Wie sieht denn eine typisch amerikanische Awardshow aus?

Die meisten Award Shows hier wirken visuell relativ schwer. Ziemlich viel Gold als Inbegriff von Wertigkeit, kombiniert mit relativ statischem Bühnenbild. Wir wollten die Emmys modern machen, vor allem die Präsentation des visuellen Contents. Die Zuschauerinnen und Zuschauer zuhause sehen die Einspieler für die Nominierungen ja im Vollbild. Wir haben die gesamte Branche im Publikum und die soll die Zuspielfilme um die es geht, auch vernünftig sehen können. Deswegen der große Screen. Bei vielen Preisverleihungen gibt es opulente Bühnenbilder aber die Präsentation der Filme ist meist nur auf kleinen Bildflächen zu sehen.

T-1 bis zu den Emmys: Die Vorbereitungen auf Hochtouren (1 Videos)



Wie früh oder spät ist da der Sender eigentlich bei den Emmys involviert? Die Verleihung rotiert ja zwischen den vier großen Networks.

Es gab ein vorab Gespräche mit Fox, um die Richtung zu definieren. Dabei wurde klar, dass man gerne an der Grund-Idee des Vorjahres festhalten möchte. Eigentlich war es ein sehr unkompliziertes Projekt. Alle Beteiligten hatten die gleichen Vorstellungen.

Warum tun sich Preisverleihungen, wie Sie selbst sagten, durch die Bank eigentlich so schwer in den letzten Jahren?

Die Parameter, die früher für eine gute Preisverleihung definiert haben, reichen heute einfach nicht mehr aus.

Welche Parameter meinen Sie?

Die mediale Vielfalt inklusive Social Media ermöglicht den Fans heutzutage einen ganz anderen, oft persönlicher wahrgenommeren Zugang zu ihren Stars. Früher waren z.B. Dankesreden bei Live-Übertragungen der direkteste Weg, sich an die Fans zu richten. „Wetten, dass..?“ wiederum brachte mir Stars auf einem Sofa zusammen, die ich sonst außerhalb ihrer Kunst - also Film oder Musik zum Beispiel - noch nie einfach so im Gespräch gesehen hatte. Das hat sich komplett geändert. Heute sind die Leute gesättigter. Überall wird kommuniziert und dann in der Dankesrede nur ein paar Floskeln und nett „Danke“ sagen, reicht nicht mehr. Hoffen wir, dass morgen jemand die Bühne nutzt.

Herr Wieder, herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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