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Umwelt im TV: Kann das Fernsehen die Welt verbessern?

 

Die Zahl der TV-Formate, die sich ausschließlich mit Umweltthemen befassen, ist überschaubar und Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion kämpft um jeden Zuschauer. Doch können Sendungen wie "planet e." wirklich etwas bewirken?

von Alexander Krei
04.10.2018 - 13:33 Uhr

An bunten Magazinen mangelt es dem Fernsehen nicht. Kaum ein großer Sender, der sich nicht den Stars und Sternchen widmet. Beim Thema Umweltschutz sieht das aber schon anders aus – mit "planet e." leistet sich sich aber zumindest das ZDF eine wöchentliche Sendung, die sich mit Aspekten der Nachhaltigkeit befasst. Vor fast genau sieben Jahren löste die Dokumentationsreihe das Magazin "ZDF.umwelt" ab, das von Volker Angres moderiert wurde. Angres leitet auch heute noch die Umweltredaktion des Senders und sieht sich inzwischen weitgehend allein auf weiter Flur.

"Insgesamt gibt es im deutschen Fernsehen weniger Formate, die sich ausgewiesen mit Umweltthemen befassen. Dafür gibt es jetzt einige populärwissenschaftliche Sendungen, die aber auch Umweltthemen behandeln", sagt Angres gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de. Seine Redaktion liefert heute rund 150 Beiträge pro Jahre für aktuelle Sendungen und das Online-Angebot, in denen auch auf aktuelle politische Entwicklungen eingegangen wird. "Insofern ist bei uns der Stellenwert der Umweltberichterstattung gestiegen, wenn auch der Sendeplatz für 'planet e.' nicht ideal ist."

Tatsächlich spricht die Sendung am Sonntagnachmittag nur einen überschaubaren Kreis an Zuschauern an, der Marktanteil liegt seit Jahren konstant bei weniger als sechs Prozent. Dennoch leistet sich das sonst so erfolgsverwöhnte ZDF die wöchentliche Reihe, die mit einer erstaunlichen Themenbreite daherkommt. Gerade erst setzte sich "planet e." auf ungewöhnliche Weise mit Katzen auseinander. Diese gelten zwar als beliebte Haustiere, haben aber jedes Jahr Millionen Singvögel auf dem Gewissen. "'planet e.' zeigt Zusammenhänge auf, macht deutlich, dass alles mit allem zusammenhängt", so Angres über die Ziele seines Formats.

Als Beispiel nennt der Journalist Elektroautos, die per se als umweltfreundlich gelten. "Schaut man sich aber an, wie Kobalt und Lithium als Bestandteil der Akkus gewonnen werden, sieht es anders aus. Wir fahren hier sauber auf Kosten vieler Menschen im Kongo oder in Chile. Oder der Stromfresser Internet: Derzeit werden global 40 Großkraftwerke gebraucht, um das Internet und die damit verbundenen Rechenzentren und Serverfarmen mit Strom zu versorgen." Angres rechnet vor, dass sich internetgestützte Dienstleistungen aktuell etwa alle 18 Monate verdoppeln. "Also muss die IT-Branche viel mehr für ein 'grünes Internet tun", sagt er.

BR-Magazin sieht sich als "Anwalt der Umwelt"

Doch kann ein Umweltmagazin im Fernsehen konkret etwas verändern? "Aus Zuschauerreaktionen schließen wir, dass es uns gelingt, das Bewusstsein zu schärfen", betont eine Sprecherin des Bayerischen Rundfunks, der mit "Unkraut" alle zwei Wochen ebenfalls ein Umweltmagazin ausstrahlt – auf einen prominenten Sendeplatz zwischen Nachrichten und Dailysoap. Die Sendung verstehe sich als "Anwalt der Umwelt", sämtliche Themen würden aus dem Blickwinkel der Umwelt betrachtet, heißt es vom BR.

Ebenso wie "planet e." kommt jede Ausgabe monothematisch daher. "Mit einer Art Moderationsreise versuchen wir den Zuschauer an die Hand zu nehmen und durch ein komplexes Thema zu führen", erklärt die Redaktion das Konzept. Jüngst ging es ums Bienensterben, davor um die Flächenversiegelung, die zu den größten Umweltproblemen Bayerns zählt. Am Ende jeder Ausgabe gibt es einen Tipp. Dadurch wolle man zeigen, was Verbraucher im Kleinen tun können, "um dazu beizutragen, die Probleme im Großen zu verringen."

Volker Angres gibt sich indes realistisch. "Fernsehen wird kaum mit einer Sendung oder eine Doku-Reihe direkt und sofort zum Bewusstseinswandel oder gar zu Verhaltensänderungen führen", sagt der Leiter der ZDF-Umweltredaktion zu DWDL.de. "Sicherlich aber mittelfristig dadurch, dass wir Informationen zu Thematiken liefern, die für die Menschen bisher nicht bekannt waren. Dann kann jeder die aktuellen Debatten besser einordnen und unterscheiden, wer Unsinn verbreitet und wer wirklich etwas von den Dingen versteht und so offensichtlich die richtigen Vorschläge macht."

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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