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"Das Budget für Umweltschutz wird nicht aufgemacht"

 

Immer mehr TV-Sender schmücken sich mit Umweltschutz-Aktionen, doch wie ernst ist das Bestreben wirklich? Viele Produzenten haben den Eindruck, dass für grünes Produzieren kein Geld vorhanden ist. Die Sender erwidern, es müsse gar nicht teurer sein.

von Alexander Krei
31.10.2018 - 10:03 Uhr

"Die Sender sind aktuell kaum bereit, für irgendetwas mehr als bisher zu bezahlen." Das erklärt ein Fernsehproduzent im Gespräch mit DWDL.de – und er ist nicht der einzige, der das so empfindet, wenn es um Nachhaltigkeit bei TV-Produktionen geht. Das zumindest ist das Ergebnis einer kleinen Branchenumfrage, die DWDL.de in den vergangenen Wochen durchgeführt hat. Repräsentativ mag die Umfrage nicht sein, doch hört man sich bei den Fernsehmachern um, so verfestigt sich der Eindruck, dass beim Thema Umweltschutz trotz aller schon vorangetriebenen Bemühungen ganz sicher noch mehr drin ist. Vor allem wenn es um die Frage geht, was Umweltschutz kosten darf.

Tatsächlich macht auf eine Nachfrage bei den Sendern deutlich, dass Produzenten nicht zwangsläufig mit mehr Geld rechnen können, wenn sie eine Produktion nach grünen Maßstäben umsetzen. "Diese Frage stellt sich so nicht", heißt es auf DWDL.de-Nachfrage etwa von RTL. "Denn Aspekte des Umweltschutzes bei Produktionen zu berücksichtigen, führt nicht zwangsläufig zu höheren Produktionskosten." Und auch der öffentlich-rechtliche SWR öffnet das Portemonnaie nur zaghaft. "Bei den Maßnahmen selbst darf es sich lediglich um eine Anschubfinanzierung handeln. Am Ende müssen diese kostenneutral umgesetzt werden", betont ein Sendersprecher. "Anders können wir unter den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit auch gar nicht verfahren."

Fast wortgleich kommt die Antwort des ZDF daher. Auch dort ist von "Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit" die Rede. Die finanziellen Mittel müsse man nachhaltig einsetzen, teilt der Sender mit. "Die Anwendung neuer, emissionsarmer Technologien, die noch keine flächendeckende Marktetablierung haben, ist in der Regel teurer als die Nutzung der bestehenden", räumt eine ZDF-Sprecherin ein. "Jedoch sind wir der Meinung, dass viele Maßnahmen vor allem ein Umdenken erfordern, das nicht zwingend mit Mehrkosten verbunden ist." Als Beispiele nennt der Mainzer Sender etwa das Catering oder die Reduzierung von Plastikmüll.

Ortswechsel. Kaum mehr als 8.000 Einwohner zählt der Ort Berg am Starnberger See. Hier, wo die Landschaft deutlich grüner ist als an so manchem klassischen Fernsehstandort, hat die kleine Produktionsfirma editz ihren Sitz. Als geschäftsführende Gesellschafter sind Vera Straten und ihr Mann auf grüner Mission, wie sie sagen - und doch kämpfen sie ausgerechnet mit ihren jungen Angestellten oft gegen Windmühlen. Die beiden fragen sich, ob man als Chef Red-Bull-Dosen im Büro verbieten oder der Volontärin einen Extrazuschuss zahlen soll, damit sie sich Bio-Obst kauft.

Vera Straten© editz
Gerade erst hat editz neue Büroräume bezogen und sich dabei nicht etwa für den günstigen Vinylboden entschieden, der aussieht wie Holz. "Aber in zehn oder 15 Jahren schwimmen eben 250 Quadratmeter Plastikholz im Meer", sagt Vera Straten (Foto). "Allerdings wir fanden es inkonsequent, die Kapselmaschine abzuschaffen, Recyclingpapier in Drucker und Toiletten zu packen - und dann das office mit Kunststoff auszukleiden." Daher habe man zur Echtholzvariante gegriffen, die jedoch eine "eine fette Stange Geld" kostete, wie die Produzentin betont.

Nachhaltigkeit beginnt also auch beim Fernsehen im Kleinen - doch die Bereitschaft der Großen vermag Straten nicht immer zu erkennen. "Umweltschutz finden alle toll – aber das Budget wird dafür nicht aufgemacht", erzählt sie gegenüber DWDL.de. Um das Bewusstsein für das Thema zu schärfen, will die kleine Firma ihren Auftraggebern künftig die Option "CO2-neutrale Produktion" anbieten. Gegen eine Gebühr, die man in CO2-neutralisierende Projekte stecke, sollen Dreh, Schnitt oder im besten Fall beides das grüne Gewissen bereinigen.

Blöcke, Brötchen, Brezen

Auch bei der Produktionsfirma Zieglerfilm ist man um Nachhaltigkeit bemüht. "Wir versuchen, die Sender zu überzeugen, hier eine zusätzliche finanzielle Belastung mitzutragen, so wie es ja schon in Teilen im Bereich der Kinofilmförderung erfolgt", heißt es auf Nachfrage. Entsprechende Mehrkosten würden im Vorfeld kalkuliert. Erfahrungen sammelte man bereits vor drei Jahren, als man den ersten klimaneutral gedrehten "Tatort" umsetzte. Bei der Kölner Firma Filmpool betont man derweil, dass Nachhaltigkeit über das reine Naturschutzthema hinausgehe. Das reicht von einer reduzierten Zahl an Druckern und geht hin bis zu alter Post. "Altes Briefpapier wird bei uns nicht weggeworfen, sondern zu Filmpool-Blöcken verarbeitet", sagt Felix Wesseler, Director of Operations bei Filmpool.

Doch ziehen die Sender wirklich mit? Beim Pay-TV-Sender Sky verweist man stolz darauf, dass man im vergangenen Jahr 3,96 Millionen Tonnen weniger Einwegplastik verbraucht habe – vor allem durch Einsparungen im Cafeteria-Bereich und im Merchandising. 66.000 Brötchen und Brezen habe man unverpackt verkauft und 720.000 Strohhalme ersatzlos gestrichen. Hinzu kommen knapp 10.000 gebrandete T-Shirts, die im Pappkarton ohne weitere Verpackung bestellt worden seien. Zudem bezieht das Headquarter in Unterföhring inzwischen Ökostrom. Und dann sind da auch noch die Bemühungen des Senders im Bereich der Green Productions – so wie das bereits bei "Masterchef" der Fall ist und auch beim "Quatsch Comedy Club" umgesetzt werden soll.

Auch bei den fiktionalen Projekten wie "Acht Tage" oder der dritten Staffel von "Babylon Berlin" soll Nachhaltigkeit in Zukunft eine Rolle spielen. Dass das zwangsläufig teurer sein muss, weist man aber auch bei Sky zurück. "Grünes produzieren ist nicht – wie häufig befürchtet – zwangsläufig mit großen Mehrkosten verbunden. Es findet in großen Teilen eine Verschiebung der Ausgaben statt", sagt Alexandra Coffey, Director Corporate Responsibility bei Sky Deutschland. "Was uns an der einen Stelle vielleicht etwas mehr kostet, kann woanders wiederum eingespart werden. Bahnfahrten beispielsweise sind im Gegensatz zu Flügen in der Regel wesentlich günstiger. Man spart Geld - und sorgt für eine bessere CO2-Bilanz."

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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