© Bavaria Film
DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkt

Grünes Produzieren - in der Großstadt und im Grünen

 

Wer im Grünen drehen will, kann dies auf dem Bavaria-Gelände tun - aber auch den Studios hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren vermehrt einen grünen Anstrich verpasst. Bei der UFA in Berlin kommt gar ein "Green Team" zum Einsatz.

von Alexander Krei
29.10.2018 - 08:10 Uhr

Im Süden Münchens, genauer gesagt im Perlacher Forst, sitzt die Bavaria Film. Draußen ist es grün – aber wie sieht es eigentlich im Inneren aus? Wer, wie die Bavaria, große Fernsehstudios betreibt und gleichzeitig auf Nachhaltigkeit achten will, muss einige Anstrengungen unternehmen, schließlich ist bei der Produktion von Fernsehshows reichlich Energie im Spiel. Seit inzwischen sechs Jahren sind die Mitarbeiter des Traditionshauses allerdings darum bemüht, auf Nachhaltigkeit zu achten. Was mit der Umstellung auf geothermisch erzeugte Fernwärme begann, setzte sich mit Strom aus regenerativen Energien fort. Dieser stammt zu 100 Prozent aus Wasserkraft, erklärt Achim Rohnke, der nicht nur Geschäftsführer der Bavaria Film ist, sondern auch der Bavaria Studios & Production Services, gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de.

Daneben nutzt die Bavaria Film die Sonne über Grünwald – und von der gibt es reichlich. Auf sämtlichen geeigneten Dächern wurden inzwischen Photovoltaikanlagen installiert, die nach Angaben des Unternehmens jährlich 86.000 Kilowattstunden Solarstrom produzieren, was in etwa dem Stromverbrauch von neun großen TV-Shows entspricht. Seit 2010 habe man am Standort Geiselgasteig die CO2-Emissionen um 97,5 Prozent reduzieren können, die restlichen 2,5 Prozent gleiche man durch Beteiligungen an Umweltschutzprojekten aus, etwa im brasilianischen Regenwald. "Das 'Green Studio' ist auf dem Gelände verwirklicht", sagt Rohnke. Nach Kenntnis der Bavaria betreibe man damit das weltweit erste und einzige Film- und Fernsehstudio, das ausschließlich auf regenerative Energien setzt.

Achim Rohnke© Bavaria Film
Von heute auf morgen lässt sich ein solcher Umstieg freilich nicht umsetzen. "Ein entscheidender Faktor ist die Unternehmenskultur", erklärt der Geschäftsführer. Im Rahmen einer Aktionswoche habe man den Mitarbeitern das Thema Umweltschutz in einer Reihe von Veranstaltungen nähergebracht. "Selbst kleinste Maßnahmen, vom Verzicht auf energieintensive Alu-Kaffeetabs bis hin zum Einsatz von Mitnahme- statt Plastikbechern, haben in der Summe große Auswirkungen." So habe man etwa durch eine sorgfältige Mülltrennung den Restmüllbestand um 80 Prozent senken können. Ganz ähnlich klingt das, wenn man sich in Babelsberg bei der UFA umhört, wo ein Verzicht auf Kaffeekapseln oder ein sogenannter "Green Consultant" beratend zur Seite steht.

"Wir haben vor allem erreicht, dass das Thema Nachhaltigkeit überhaupt recht früh auf die Agenda der UFA gekommen ist und den Fragen und Antworten dazu Platz eingeräumt wird – für Diskussion, aber auch für die konkrete Umsetzung", sagt Katja Bäuerle, die als Producerin beim Soap-Spezialisten UFA Serial Drama arbeitet und neben Christian Schölzel (Head of Production UFA X), Wiebke Terjung (Director Finance UFA) und Melanie Müller (PR UFA), zum Kern des sogenannten Green Teams der UFA gehört. "Bei der UFA werden Kollegen nicht belächelt, wenn Entscheidungen und bewährtes Vorgehen hinsichtlich grüner Produktion kritisch hinterfragt werden."

Katja Bäuerle© UFA
Und doch stößt auch die UFA bisweilen an Grenzen, wenn es um Nachhaltigkeit geht. "Natürlich kann man nicht alles immer und gleich so umsetzen wie wir uns das wünscht, oder wie es aus einer CO2-Perspektive ideal wäre", räumt Bäuerle ein. "Die größten zwei Hindernisse sind die Notwendigkeit für oft auch kurzfristige Wirtschaftlichkeit auf der einen Seite und den Hang zur Bequemlichkeit, der in der Natur des Menschen liegt, auf der anderen Seite." Und dann ist da noch das Thema E-Mobilität, dem in der Branche noch immer Skepsis entgegengebracht wird, weil eine reine E-Car-Flotte nur verhältnismäßig kleine Distanzen zurücklegen könnten, wie Bavaria-Chef Achim Rohnke sagt.

Diese und weitere Problemstellungen – wie gasbetriebene LKWs, leistungsfähigere Generatoren und LED-Scheinwerfer – insbesondere für externe Rental-Unternehmen will der Verband der Technischen Film- und Fernsehbetriebe VTFF möglichst gemeinsam mit der Branche lösen und eine Strategie zur Umsetzung entwickeln, heißt es. Doch bei allen Problemstellungen zeigen die Beispiele aus Grünwald und Babelsberg, aber auch von anderen Standorten, dass das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung gewonnen hat. Rohnke: "Immer häufiger werden bereits durch Auftraggeber – darunter sowohl private als auch öffentlich-rechtliche Sender, sowie Pay-TV- und Streaming-Anbieter – Nachfragen zur nachhaltigen Produktion gestellt oder sogar Vorgaben gemacht, die bereits für die Teilnahme an entsprechenden Pitches verpflichtend sind."

Es müsse, sagt Rohnke, ein Umdenken stattfinden, das den gesamten Produktionszyklus umfasst und so auch ökonomische Vorteile in einer ökologisch nachhaltigen Arbeitsweise aufdeckt. So wie etwa bei LED-Lampen, die in der Anschaffung zwar teurer seien, aber durch den geringeren Stromverbrauch langfristig betrachtet auch Kostensenkungen herbeiführen könnten. All zu viele Appelle, mehr für den Umweltschutz zu tun, braucht es aus Sicht der UFA aber nicht. "Wir glauben nicht, dass es notwendig ist, das Bewusstsein zu schärfen, wissen wir doch alle genug um die Situation, in der wir uns heute befinden", betont Katja Bäuerle.

"Aber wir können es einfacher machen, Dinge umzusetzen und wir können, und dabei ist eine Unterstützung durch unsere Kunden, die Sender, natürlich wünschenswert, nachhaltige Produktionen incentivieren, finanziell, aber auch durch Aufmerksamkeit", so die Producerin zu DWDL.de. "Und wenn zu einer erfahrenen und exzellenten TV-Produktionsfirma neben all den offensichtlichen Dingen irgendwann selbstverständlich auch gehört, dass man nachhaltig produziert, und dies auch als etwas Wettbewerbsrelevantes anerkannt wird, dann hätten wir eine ganze Menge erreicht. Also setzen wir um, was wir können und reden darüber ebenfalls so oft und so laut wie wir können."

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

Teilen

Kommentarbereich anzeigen

Im Programm ist Umweltschutz als Thema längst angekommen, aber wie ernst nehmen die Akteure, egal ob großer Medienkonzern oder kleine Fernsehschmiede, das Thema im eigenen Haus? Wie implementiert man Umweltbewusstsein in Unternehmen, wie fördert und fordert man im Alltag die Umsetzung theoretischer Absichten?

Einen Monat lang geht DWDL.de der Frage nach, wie grün die deutsche Fernsehbranche wirklich ist. Ihr Unternehmen engagiert sich auch? Melden Sie sich gerne unter greenscreen@dwdl.de

Geldscheine © Chobe / photocase.com
DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkt

"Das Budget für Umweltschutz wird nicht aufgemacht"

Immer mehr TV-Sender schmücken sich mit Umweltschutz-Aktionen, doch wie ernst ist das Bestreben wirklich? Viele Produzenten haben den Eindruck, dass für grünes Produzieren kein Geld vorhanden ist. Die Sender erwidern, es müsse gar nicht teurer sein. » Mehr zum Thema
Bavaria-Gelände © Bavaria Film
DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkt

Grünes Produzieren - in der Großstadt und im Grünen

Wer im Grünen drehen will, kann dies auf dem Bavaria-Gelände tun - aber auch den Studios hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren vermehrt einen grünen Anstrich verpasst. Bei der UFA in Berlin kommt gar ein "Green Team" zum Einsatz. » Mehr zum Thema
Grüner Drehpass © FFHSH
Workshops, Geld, Grüner Drehpass

Filmförderungen: Gemeinsam an vorderster Grün-Front

Die Filmförderungsanstalten haben sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben und wollen entsprechende Projekte fördern - 2017 war dabei ein Wendepunkt. Der Grüne Drehpass soll derweil um eine CO2-Berechnung erweitert werden. » Mehr zum Thema
Der mit dem Wald spricht © SWR
Autor Peter Wohlleben über seine SWR-Sendung

"Im Wald sind die Promis ganz normale Besucher"

Peter Wohlleben ist Förster und Bestseller-Autor und präsentiert im SWR nun seine erste TV-Sendung, in der er sich mit Promis in den Wald begibt. Im Interview spricht er über die Idee dahinter, Vorurteile gegenüber den Promis und die Berichterstattung der Medien, wenn es um Wald und Natur geht. » Mehr zum Thema
Masterchef-Produktion © Silviu Guiman
Wie die Sky-Show "Masterchef" grün werden soll

Grünes Produzieren: Wenn nur das Fliegen nicht wäre

Bei der Produktion der neuen "Masterchef"-Staffel hat Sky besonderen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt - und die Verantwortlichen hinter der Kamera vor einige Herausforderungen gestellt. Herausgekommen ist die erste "Green Production" von Endemol Shine. » Mehr zum Thema
Jola Rent © Jola Rent
Geschäftsführer von Jola-Rent im Interview

Grüner Drehpass? "Das ist zum Teil auch ein Hype"

Joachim Langen ist Geschäftsführer von Jola-Rent, der externe Dienstleister vermietet Geräte für TV-Produktionen. Im Interview erklärt er, weshalb er dem "Grünen Drehpass" skeptisch gegenübersteht und wieso das "grüne Drehen" in seiner täglichen Arbeit noch kein echtes Thema ist. » Mehr zum Thema
Kamera in der Natur © Flickr/Olli Henze
Sender und Dienstleister in der Pflicht

"Grünes Produzieren bietet auch Einsparungsmöglichkeiten"

Die Branche tut in Sachen Nachhaltigkeit einiges, könnte aber noch viel mehr machen. Zwei Experten erklären, wieso "grünes Produzieren" nicht immer zwangsläufig mit höheren Kosten verbunden sein muss und wo die Herausforderungen liegen. » Mehr zum Thema
Fernseher © paulniestroj / photocase.com
Umweltschutz bei den Öffentlich-Rechtlichen

Und wie ist Ihr CO2-Fußabdruck bei TV-Produktionen?

Der SWR hat mit der baden-württembergischen Medien- und Filmgesellschaft einen CO2-Rechner für TV-Produktionen entwickelt. Doch trotz aller Bemühungen ist der Weg hin zu einem grünen Standard noch weit. Das gilt auch für das ZDF. » Mehr zum Thema
Volker Angres © ZDF/Rico Rossival
DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkt

Umwelt im TV: Kann das Fernsehen die Welt verbessern?

Die Zahl der TV-Formate, die sich ausschließlich mit Umweltthemen befassen, ist überschaubar und Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion kämpft um jeden Zuschauer. Doch können Sendungen wie "planet e." wirklich etwas bewirken? » Mehr zum Thema
Imker-Aktion bei RTL II © RTL II
Start des DWDL.de-Umwelt-Schwerpunkts

Bienen, Wasserkraft und LED: Wie grün sind die Privatsender?

In den kommenden Wochen befasst sich DWDL.de im neuen "Green Screen"-Special mit der Frage, welchen Stellenwert der Umweltschutz für die Fernsehbranche hat. Zum Auftakt geht es um das Engagement der großen Privatsender. » Mehr zum Thema