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Das Hoff zum Sonntag

Lucky & Fred ins WDR Fernsehen! Jetzt!

 

Um den "Tagesschaum" ist es still geworden. Dafür gibt's Friedrich Küppersbusch jetzt auf die Ohren. Neuerdings betreiben er und Lukas Heinser einen monatlichen Podcast, dem "Lucky & Fred" ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken.

von Hans Hoff
23.03.2014 - 10:35 Uhr

„Freiheit für Benjamin von Stuckrad-Barre!“ Das fordert Friedrich Küppersbusch, der seinen alten Journalistenkumpel gerne aus den Fängen der „Welt“ lösen würde, wo er in der Springer-Hölle schmoren muss mit verstrahlten „Spiegel“-Altlasten der Marke Broder und Matussek. Und dann hätte der Mann, der ganz früher mal schwer auf „Zak“ war, noch einen Wunsch. Der Gauck soll zurücktreten, weil er der schlechteste Bundespräsident ever ever ever ist. Küppersbusch nennt ihn einen geföhnten Dompfaff.

Er tut das in einem Hörstück-Podcast, den er neuerdings zusammen mit Bildblog-Chef und ESC-Experte Lukas Heinser einmal im Monat unter die Leute bringt. „Lucky & Fred“ nennen sich die beiden dabei und hecheln in einer sehr knappen halben Stunde all jene Themen durch, die in den vergangenen Wochen das Schlagzeilengeschehen bestimmten.

In der frisch erschienenen „Episode 2“ geht es einerseits um Edathy, Hoeneß, die Krim und diverse Gefangene der Springer-Gruppe, andererseits aber auch sehr profan um eher Privates. So fordert Lucky Heinser, der gerade in Bochum umgezogen ist, dass es im Mietrecht verboten werden sollte, mehrere Lagen Fliesen übereinander zu kleben. Und Fred Küppersbusch beschwert sich über komplett durchkühlte Supermärkte. Das mag er nicht hinnehmen. Er will in seinem Rewe-Supermarkt in Dortmund-Eichlinghofen eine kleine Krim gründen und dann eine Volksbefragung starten zur Frage, ob künftig mehr geheizt werden soll. Notfalls auch mit russischem Gas.

Es ist das Talent der beiden, all den Themen, die man eigentlich durchgenudelt wähnte, ihren eigenen Stempel aufzudrücken und dem Allzubekannten etwas Neues hinzuzufügen. So kühlen sie die Hysterie im Fall Edathy herunter und beantworten die Frage, wie heftig die deutsche Außenpolitik im Fall der Ukraine versagt hat. Es geht über Hölzchen zu Stöckchen und dann wieder zurück. Und es ist oft sehr lustig.

Das bringt eine sehr eigene Farbe ein und macht deutlich, dass eben genau diese Farbe bisher in der Debatte fehlt. Es ist nun schon ein halbes Jahr her, dass die letzte Folge von „Tagesschaum“ im WDR Fernsehen lief. Das ist jene Reihe, in der Küppersbusch und Heinser vor der Bundestagswahl maßgeblich mitwirkten, die sich wohltuend abhob von all den formatierten Angeboten rundherum. Dafür gab es sogar eine Grimme-Nominierung, wenn auch keinen Preis.

Was hat man seither von ähnlichen Projekten aus dem WDR gehört? Exakt nichts. Kein Wasserstand von wegen „Wir arbeiten dran“, nicht einmal ein Bekenntnis, es bald mal wieder versuchen zu wollen. Vielmehr ist der WDR zurückgefallen in seine beschauliche Regionalkanallethargie und stellt munter weiter Hitlisten der schönsten NRW-Phänomene auf.

Lucky und Fred teilen sich in ihrem Podcast sehr schön die Rollen. Lucky ist der junge Heißsporn, der dringend mal irgendjemand ans Bein pinkeln möchte. Fred dagegen ist der kalauernde Elder Statesman, der zur Ruhe mahnt, zur Energieeffizienz. Lieber noch ein bisschen warten und dann in Ruhe allen ans Bein pinkeln, lautet ganz offensichtlich sein Motto.

Zwischen den einzelnen Themen ertönt eine wohlbekannte Stimme. Stationvoice nennen Lucky und Fred das, und die Stimme kommt von Peter Urban, dem ESC-Kommentator. Den kennt Lucky, weil er ihm im vergangenen Jahr in Malmö assistieren durfte.

Ganz zum Schluss von „Episode 2“ fragt Küppersbusch: „Sollen wir noch jemand anpöbeln, damit der Podcast auch gelinkt wird?“ Ist doch längst abonniert, und ich hoffe inständig, dass WDR-Intendant Tom Buhrow dies auch tut und Heinser und Küppersbusch baldmöglichst ins WDR Fernsehen zurückholt. Das würde ihn nicht viel kosten und trotzdem jede Menge Renommee bringen. Selbst wenn man jede Woche nur eine Folge sendete, von mir aus kurz vor Mitternacht, wäre es doch etwas, mit dem das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein Signal setzte und seinem eigentlichen Auftrag gerecht würde. Es würde schlicht und einfach zur Meinungsvielfalt beitragen und ergäbe ganz nebenbei auch noch schöne Stücke, die sich prima im Netz verwenden ließen, also dort, wo die Menschen unter 60 unterwegs sind. In diesem Fall hätte ich daher ausnahmsweise nichts dagegen, wenn irgendwer hierzu eine Online-Petition startete. Also nur ausnahmsweise. „Lucky & Fred“ ins WDR Fernsehen! Jetzt! Ich würde die Petition klicken. Ganz bestimmt.

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