© ARD/Morris Mac Matzen
Das Hoff zum Sonntag

"Wer weiß denn sowas"?: Bestes Zuckerwatte-Fernsehen

 

Das ARD-Vorabendquiz "Wer weiß denn sowas?" erfreut sich nicht nur bei den Zuschauern großer Beliebtheit, sondern auch bei Hans Hoff - zu seiner eigenen Überraschung. Doch es gibt gute Gründe, die Sendung zu mögen.

von Hans Hoff
22.10.2017 - 09:05 Uhr

Es ist schon wieder passiert. Ich wollte eigentlich nur eine Schreibpause mit sinnlosem Getue überbrücken, hatte alle überflüssigen Meldungen bei "Spiegel Online" schon durchgeklickt und landete irgendwie im Fernsehen und dort im Ersten. Und ich blieb hängen. Mal wieder. Ich kann es nun nicht länger leugnen: Ich bleibe immer wieder hängen bei "Wer weiß denn sowas?", und ich frage mich stets aufs Neue: Warum?

Was hat diese kleine Vorabendshow, das mich immer wieder bleiben lässt? Mich, den weltschnellsten Wegzapper. Wenn Frauke Ludowig auftaucht oder ich versehentlich ins "Paarduell" gerate, bin ich schneller weg als es braucht, um das Wörtchen "eklig" zu sagen.

Nur "Wer weiß denn sowas?" findet in meinen Augen immer wieder Gnade. Nein, falsch. Diese Show findet keine Gnade, sie macht mir regelrecht Freude, mir, dem Miesepeter vom Dienst, dem professionellen Allesschlechtfinder.

Ganz offenbar machen die bei der produzierenden UFA da ein bisschen was richtig. Sie stellen zum Beispiel klug klingende Fragen, die in den meisten Fällen umgehend das Interesse an der Antwort wecken. Es ist nicht wie bei „Wer wird Millionär?“, wo der Zuschauer bei gewissen Spielständen das Gefühl vermittelt bekommt, er müsste die Antwort eigentlich wissen. Bei „Wer weiß denn sowas?“ ist von vorneherein klar, dass man die Antwort nicht kennen muss, sie aber nun dringend kennenlernen möchte.

Dazu kommen Protagonisten, die sich frei von jeglicher Eitelkeit präsentieren und erfolgreich das Gefühl vermitteln, 1000prozentig bei der Sache zu sein. Niemand will hier vor allem sein Ego pflegen, niemand nimmt sich wichtiger als die Show. Es herrscht Genügsamkeit und eine geradezu kindliche Freude am Herausfinden.

Bernhard Hoëcker und Elton sind als Ratefüchse eine ziemliche Idealbesetzung, weil beide höchstselten in den Verdacht geraten, sich nur profilieren zu wollen. Sie spielen perfekt die Rolle des Underdogs, also des Typen, der niemals in den Verdacht gerät, dem Leitwolf in irgendeiner Art und Weise Konkurrenz machen zu können. Ich sag es mal so: Ich würde meine Frau mit beiden ausgehen lassen, ohne auch nur eine Sekunde misstrauisch zu werden. Ich wüsste genau: Da kann nix passieren. Die wollen wirklich nur spielen. Und meine Frau hätte jede Menge Spaß.

Zudem verfügen der sich immer wieder als winzig inszenierende Hoëcker und der gemütliche Elton nicht nur über die nötige Bauernschläue und jene spinnerten Hirnwindungen, die nur in Hugo Egon Balders "Genial daneben"-Schule so vermittelt werden, sie dienen vor allem als Katalysatoren für wortlahme Prominente, die an ihrer Seite zu ungeahnter Form auflaufen. Sie entlocken diesen oft als mundfaul bekannten Gästen zwischendrin Aktionen und Sätze, die man diesen niemals zugetraut hätte, über die sich die Sprechenden mitunter vielleicht selbst wundern, weil sie ansonsten mit Eloquenz nichts am Hut haben.

Dabei lassen Spielkonzept und Regie den Akteuren so viel Freiraum, dass öfter mal die spielerische Atmosphäre eines Klassenfahrtabends entsteht, bei dem man halt viel dummes Zeug quatscht, an den man sich aber sehr gerne und sehr lange erinnert. Man weiß dann meist nicht mehr genau, was alles vorgefallen ist, aber man weiß, dass es gut war. Show ist eben, wenn es leicht wirkt, obwohl sauschwere Arbeit dahinter steckt. Den Satz haben hier alle intus. Dem folgen Regie, Kameraleute und Lichtsetzer.

Allein diese Farbgebung. Ein bisschen Lila, viel Blau und ein bisschen Rot, das wärmt, das schafft Lagerfeuer-Schummer auf dem Shiny Floor. Da kann man schon mal die Strickjacke ablegen, weil der Fernseher genügend bollert.

Zudem herrscht eine traumhafte Atmosphäre von wichtiger Nichtigkeit. Es ist gleichzeitig von größter Importanz, was hier stattfindet, und im selben Augenblick ist es total egal, dass man ein paar Minuten nach der Show schon vergessen hat, um was es ging. Selbst die Antworten auf Fragen, die man eben noch eminent wichtig fand, sind plötzlich verschwunden, würden aber im Falle des Wiederauftauchens noch einmal das gleiche Interesse genieren wie beim ersten Mal.

So entsteht wunderbares Repertoire, bei dem man sich nicht über die Wiederholung ärgert. Und selbst wenn man die Antworten nicht vergessen hat, freut man sich bei der Wiederbegegnung übers eigene Wissen. So etwas nennt man Vielseitigkeit, eine echte Versuchung. „Wer weiß denn sowas?“ ist bestes Zuckerwatte-Fernsehen. Verheißungsvoll, zuckersüß, ein Genuss ohne Reue.

Wesentlichen Anteil am Erfolg hat auch Kai Pflaume, der als schlagfertiger Moderator selten um einen wirklich witzigen Spruch verlegen ist. Selbst er, den man ganz früher mal in der Kategorie eitler Schönling abgelegt hatte, ordnet sich komplett unter. In dieser Show ist er Dienstleister, Vermittler zwischen Kandidaten, Regie und dem Studiopublikum, das im Erfolgsfalle ganz kleines Geld mit heim nehmen kann.

Es geht eben um nichts und alles zugleich. Das ist richtig gutes Fernsehen, das ist große Show. Das funktioniert auch im Kleinen. Weiter so.

Über den Autor

Hans Hoff war Sozialpädagoge, rutschte aber ab 1979 durch Plattenkritiken und Konzertrezensionen in den Journalismus ab. Seit 1990 agiert er als staatlich anerkannter Glotzenbegutachter und mediale Meinungsschleuder vom Dienst.

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