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Das Hoff zum Sonntag

Der "Markt" ist gesättigt: Dafür braucht's die Dritten nicht

 

Ist auch Ihnen schon mal aufgefallen, dass fast alle Dritte ein eigenes Verbrauchermagazin im Programm haben? Meist wird regionaler Bezug derart krampfhaft hergestellt, dass sich schnell die Frage stellt, wozu das alles nötig ist.

von Hans Hoff
27.05.2018 - 10:00 Uhr

Am Mittwoch hat man im WDR Fernsehen in der Sendung „Markt“ WM-Hemdchen getestet. Die teuren offiziellen und ein billiges. Das Ergebnis habe ich vergessen, aber es rangierte irgendwo im einerseits-andererseits-Bereich. Zusätzlich gab es noch einen Sonnenbrillentest und einen Bericht über so genannte Petfluencer. Wer jetzt fragt, was solch globale Themen eigentlich in einem fürs Regionale konzipierten Sender zu suchen haben, dem sei gesagt, dass sich die Macher schwer mühen um den Bezug zu NRW. So wurden die Hemdchen von drei Männern aus Euskirchen getestet, startete der Sonnenbrillencheck vor der beim WDR naheliegenden Dom/Rhein-Kulisse, und auch bei den Petfluencern fiel der Name Köln. Alles schwer regional also. Auftrag erfüllt.

In Wahrheit ist das natürlich Quatsch. Wenn in einem Verbrauchermagazin vorwiegend Produkte und Phänomene vorgestellt werden, die man bundesweit, ja weltweit kaufen oder anschauen kann und der regionale Bezug nur auf Krücken ins Bild gehumpelt kommt, dann hat da irgendwer etwas grundlegend falsch verstanden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Beiträge durch den krampfhaft hergestellten NRW-Bezug nicht mehr für eine Mehrfachverwertung in anderen Dritten taugen, sozusagen verbrannt sind.

Aber es braucht ja gar keine Mehrfachverwertung, denn auch in anderen Sendern haben sie so genannte Verbrauchermagazine. „MEX. Das Marktmagazin“ lief am Mittwoch zur selben Zeit wie „Markt“, nur eben im Hessischen Fernsehen. Da ging es um vermüllte Parks, Altkleider-Container und um die Frage, wie gut Erdbeeren jetzt schmecken. Ganz zufällig hat übrigens auch der NDR ein Verbrauchermagazin, das ganz zufällig auch „Markt“ heißt. Das läuft beispielsweise morgen und befasst sich mit den Preisen von Spargel, Produkten für die Rasenreparatur und den besten Tricks zum Sahneschlagen. Natürlich fein regional eingebunden. Das mit der Sahne probiert das Magazin nämlich auf dem Landpartiefest in Ratzeburg aus. Beim SWR gibt es auch etwas für Verbraucher. Dort heißt die Sendung „Marktcheck“, und am vergangenen Montag befasste sich das Format unter anderem mit den Fragen, was Billigfahrräder taugen, wie viele Schokoriegel man essen muss, um an eine vom Hersteller ausgelobte Prämie zu kommen, und ob so genannte Mizellen-Produkte für die Haut eventuell gefährlich sind. Im weitesten Sinne passt dazu auch eine Sendung des BR, die „Mehr/Wert“ heißt.

Ich zähle fünf Dritte, und ich zähle fünf Sendungen, die sich an Verbraucher richten, die in der Mehrheit aber bundesweit, wenn nicht gar global ausgerichtet sind und den regionalen Bezug zu oft nur mit Krampf herstellen. Ähnliche Ergebnisse dürfte man übrigens auch erzielen, wenn man sich mal mit den Gesundheitsmagazinen in den Dritten befasst. Gesundheit funktioniert als Thema nämlich ebenso selten regional wie die Produktinformation für den Endverbraucher. Der Mensch in Bayern schnupft nun mal bei Grippe nicht anders als der an der Nordsee, und er kauft den gleichen überflüssigen Scheiß, um dagegen anzugehen. Bin ich also komplett blöd, wenn ich mich frage, ob hier möglicherweise der Sinn eines Regionalprogramms komplett ins Absurde umdefiniert wurde?

Natürlich weiß ich, dass aus den Dritten längst Vollprogramme geworden sind, deren Verbindung zur ARD allenfalls noch aus einem seidenen Faden besteht. Ich habe mich beispielsweise daran gewöhnt, dass der WDR sein Regionalmagazin „Aktuelle Stunde“, das früher den Nachrichten aus dem Bundesland vorbehalten blieb, kurzerhand zu einer vollwertigen Nachrichtenshow gewandelt hat. Da interessiert nicht mehr, was im Lande passiert, sondern, was die Menschen im Lande interessiert. Und das ist im Zweifel alles, was auf der Welt geschieht. Ich halte das für eine ziemlich dreiste Neudefinition, die lediglich abgefedert wird, indem man ein globales Thema gelegentlich durch eine nichtsnutzige Straßenumfrage auf die Landesebene runterbricht oder einen Experten der örtlichen Uni interviewt.

All das stößt mir immer wieder auf, wenn ich die aktuelle Diskussion um die Neudefinition des Auftrags der öffentlich-rechtlichen Sender durch die Ministerpräsidenten verfolge. Da wollen die Politiker von den Anstalten gerne noch ein bisschen mehr Reformbereitschaft. Die Sender behaupten aber, dass sie am Limit seien und dass weitere Einschnitte zu Lasten des Programms gingen.

Nun ja, ich stelle mal die böse Frage, was denn geschähe, wenn man aus fünf Verbrauchermagazinen in den Dritten, deren regionaler Bezug durchweg Camouflage ist, ein Magazin für alle machen würde. Nichts gegen Tests von WM-T-Shirts, aber die bekleckert man in Leipzig mit denselben Folgen wie in Aachen, und die Reißfestigkeit dürfte auch nicht unter einer veränderten Örtlichkeit leiden. Und Sonnenbrillen? Schützen überall gleich gut oder schlecht.

Wie wäre es also, wenn all die Verbrauchermagazine sich mal selber zur Brust nähmen. Ich stelle mir das sehr unterhaltsam und erhellend vor. „Der große Marktcheck – Verbrauchermagazine in den Dritten. Brauchen wir die alle?“ Ich würde zuschauen.

Über den Autor

Hans Hoff war Sozialpädagoge, rutschte aber ab 1979 durch Plattenkritiken und Konzertrezensionen in den Journalismus ab. Seit 1990 agiert er als staatlich anerkannter Glotzenbegutachter und mediale Meinungsschleuder vom Dienst.

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