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Das Hoff zum Sonntag

Marietta Slomka ist unangenehm - und damit ein Vorbild

 

"Ach, Frau Slomka" ist ein gern gehörter Satz, wenn Marietta Slomka im "heute-journal" wieder einen Politiker nicht davon kommen lässt - und das in aller Nüchternheit, selbst in hitzigen Situationen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen bräuchte mehr wie sie.

von Hans Hoff
09.02.2020 - 08:18 Uhr

Marietta Slomka ist unangenehm, weil sie gerne in Wunden bohrt, die sie zuvor selbst gerissen hat mit ihren Fragen im "heute-journal". Sie lässt nicht locker, nie. Sie hakt nach, wenn sich jemand davonstehlen will. Sie sucht nach festem Grund, wenn es schwammig wird. Sie bleibt dabei stets ruhig und freundlich, aber knallhart im Ton, weshalb die Politiker, die sie interviewt, nicht zu beneiden sind.

Marietta Slomka ist unangenehm, weil sie stets sehr gut vorbereitet zu ihren Gesprächen antritt und sehr schnell merkt, wenn Politiker ihr nur Gewäsch servieren. Gesprächspartner, die sich einbilden, im "heute-journal" nur die üblichen Stanzen abliefern zu können, müssen sich warm anziehen, denn sie werden mit einer kühlen Nüchternheit entlarvt, und dann hilft es auch nicht, jede zweite Antwort mit einem genervten "Ach, Frau Slomka" anzufangen. Wer das trotzdem versucht, wird scheitern. So wie einst Sigmar Gabriel scheiterte, als er glaubte, mit seinen üblichen Rumpeligkeiten durchzukommen. So wie Thomas Kemmerich, der am Mittwoch als hemdsärmeliger Gernegroß ins Interview ging und am Ende als Zwerg Nase heimgeschickt wurde. So wie Christian Lindner, der sich am Donnerstag wand, als probe er für die Hauptrolle in "Der Aal".

Marietta Slomka ist unangenehm, weil sie schlicht und einfach zeigt, wie es zu gehen hat, wenn man als Anchor-Frau einer Nachrichtensendung vorsteht, die mehr will als nur Oberfläche abbilden. Das aber wirft ein trübes Licht auf ihre Mitbewerber. Schließlich stellt sich angesichts der vielen packenden Interviews, die Marietta Slomka führt, schon die Frage, warum das immer nur bei ihr so aufsehenerregend wirkt. Wer kann sich an das letzte wirklich kontroverse Gespräch bei den "Tagesthemen" erinnern? Gab es das? Und wenn ja, warum ist es nicht im Gedächtnis geblieben?

Marietta Slomka ist unangenehm, weil sie Maßstäbe setzt und weil die anderen im Vergleich stets eine Spur zu brav aussehen. Dabei ist Marietta Slomka keine Freche. Sie ist nur präzise und kann ihre Emotionalität kontrollieren. Wenn man als genervter Fernsehzuschauer längst etwas in Richtung ihres Gesprächspartners werfen möchte, bleibt sie sachlich und macht deutlich, dass Gefühle nicht weiterhelfen, wo Fakten das Maß sind. Wie oft hat man ihr deshalb schon eine gewisse Unterkühltheit unterstellt, sie als die Eiskönigin des Nachrichtengewerbes hingestellt. Zu Unrecht. Sie ist schlicht gesagt eine sehr kluge Frau, die so viel weiß, dass jeder, der meint, sie mal eben so in Grund und Boden plaudern zu können, rasch wie ein veritabler Volldepp wirkt.

In Wahrheit ist Marietta Slomka natürlich sehr angenehm, weil sie zeigt, was öffentlich-rechtliches Fernsehen kann, wenn es richtig gut ist. Sie belegt, dass der monatliche Beitrag sehr gut angelegt ist, so lange es solche gibt wie sie. Dass es im deutschen Fernsehen zu wenige von ihrem Format gibt, kann ihr nicht angelastet werden.

Marietta Slomka ist unangenehm, weil ihre pure Existenz Arbeitsauftrag ist an all jene, die sich um die Verbesserung des öffentlich-rechtlichen Systems bemühen. Das könnte sich nämlich seiner Existenz sehr viel sicherer sein, wenn es nicht nur eine Marietta Slomka gäbe.

Über den Autor

Hans Hoff war Sozialpädagoge, rutschte aber ab 1979 durch Plattenkritiken und Konzertrezensionen in den Journalismus ab. Seit 1990 agiert er als staatlich anerkannter Glotzenbegutachter und mediale Meinungsschleuder vom Dienst.

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